Manche dieser Filme sind vergessenswert. Doch ihre DVD-Menüs mit ihren liebevollen Photoshop-Verbrechen sind es wahrlich nicht.

Die meisten Venedig-Filme haben die Gemeinsamkeit, das Irreale und den Wahnsinn spürbar zu machen.
Die frühesten Erinnerungen, die Zulawski an seine Kindheit hat sind Erinnerungen an den Krieg.

Filme, an denen ich schriftlich scheitere, Teil 1: THE APPALOOSA (1966)
Es ist nicht weniger als der Schlüsselfilm im Schaffen eines der fragwürdigsten Regisseure der deutschen Filmgeschichte.
Im Anschluss an NACHTWACHE gelingt es vier eskalierten und noch völlig von dieser Wahnsinnsepisode berauschten Träumern, den inoffiziellen ET-Lieblingsregisseur ins Kommkino-Büro zu locken und auszufragen. Aber lesen Sie selbst.
Das Fantasy Filmfest 2012 und die Segnungen der Digitalisierung.
Liebe als Köder – Schrei nach Lust
Günter Schlesinger BRD 1968
Es scheint zur Zeit etwas ruhig auf Eskalierende Träume. Doch wir waren nicht untätig, und haben seit letzter Woche auf der Seite eine neue Kategorie eingerichtet, unter der nach und nach die zahlreichen Auseinandersetzungen unserer Autoren mit einzelnen Filmen chronologisch und alphabetisch aufgelistet nachgeschlagen werden können sollen. Ein Beitrag zur Übersichtlichkeit und einfacheren Navigation von Eskalierende Träume, der sich aber noch im Aufbau befindet. Zur Zeit sind lediglich ältere Filmeinträge bis Januar 2010 berücksichtigt. Laufende Aktualisierungen werden aber folgen. Zu finden ist die neue Kategorie Filme oben auf der Startseite in der schwarzen Leiste unter dem Titelschriftzug. Viel Spaß damit.

Mit der vor wenigen Tagen erschienenen und hier beziehbaren Ausgabe Nr. 22, dem sogenannten “zweiundzwanzigsten Wurf”, erzielt das essentielle und glamouröse Filmkultur-Magazin SigiGötz-Entertainment auf einen Streich folgende von SGE vermeldete Treffer: “Christoph Huber schreibt über zwei vergessene TV-Adaptionen von Helmut Käutner (worin sein Heimatort, das „austriakische Nowheresville“ Attnang-Puchheim zur Sprache kommt); Ulrich Mannes unterhält sich mit Peter Goedel über dessen neueste Projekte und über den verstorbenen Schnitttmeister Peter Przygodda; Stefan Ertl pickt sich die 17 besten Folgen der Krimiserie DER ALTE (mit Siegfried Lowitz) heraus; Sepp Knarrengeier deutet den „Vollmond der Verachtung“ in der „Filmkritik“. Und sonst? Ein Berlinale-Glamour-Check von Viktor Rotthaler, ein Glamour-Spezial über Hansrudi Wäscher sowie ein paar brisante Medien-Tips.” Besondere Freude beim Stöbern bereiten außerdem natürlich die traditionellen Jahres- und Entdeckungslisten für den Jahrgang 2012, bei denen erstmals auch das Hofbauer-Kommando vertreten ist. Die SGE-Top-Ten 2012 liefert dabei gewissermaßen einen exklusiven Spoiler auf die HK-Jahresliste, deren Online-Erscheinung bis zum heutigen Tage auf sich warten lässt. Die für eine ET-Veröffentlichung im Januar konzipierte Liste feiert ihre Erstveröffentlichung (wenn auch mit zwei Filmen weniger und ohne die traditionellen ausführlichen Kommentare) nun also in einem Print-Magazin im Mai, damit haben wir uns selbst übertroffen…
Einige Festivalhinweise aus dem Off-Kino-Bereich außerdem an dieser Stelle: Bereits in wenigen Stunden beginnt das diesmal nicht in Bochum, sondern im Filmhauskino Köln stattfindende 15. Besonders wertlos-Festival des deutschen psychotronischen Films mit hochgradig HK-relevanten Filmen wie TEUFELSCAMP DER VERLORENEN FRAUEN, RANDALE, DAS GESICHT IM DUNKELN, BLUTIGER FREITAG, WORÜBER MAN NICHT SPRICHT oder dem wunderbar verkommenen DIE JUNGEN AUSREISSERINNEN. Sowie Rolf Thieles VENUSBERG, der es vielleicht sogar schon bald zu einem HK-Kongress schaffen wird.
In München wiederum wird Peter Kubelka am Donnerstag, 16.5.2013, um 19 Uhr im Filmmuseum bei der “Halbzeit” des Underdox-Festivals für Experimental- und Dokumentarfilme eine Lecture halten, den größten Teils seines filmischen Werks zeigen (eine sehr seltene Gelegenheit, denn die Filme sollen auf seinen Wunsch nur vom ursprünglichen Medienträger gezeigt werden und existieren deshalb jenseits des Kinosaals nur in äußerst dürftigen überspielten Versionen) und dabei in einem mitreißenden Plädoyer veranschaulichen, warum für ihn der photochemische Film ein lebenswichtig-elementarer Bestandteil des Kino ist, der in seiner einzigartigen Funktionsweise durch digitale Medien keinesfalls ersetzt werden kann, aber aus ökonomischen und politischen Gründen akut vom Aussterben bedroht ist.
Besonders freuen wir uns auf drei Veranstaltungen im Nürnberger KommKino – dort sind am kommenden Wochenende (10.-12.5.2013) im Rahmen des Retro-Festivals “B-Film Basterds” (wir berichteten bereits) zahlreiche klassische “Bahnhofskino”-Filme in echten Filmkopien zu sehen und der Geheimnisvolle Filmclub Buio Omega aus Gelsenkirchen zu Gast. Eine Woche später ist von 18.-20.5. eine Wenzel-Storch-Werkschau in Anwesenheit des Regisseurs zu sehen. Und Anfang Juni bringt von 6.-9.6. das niederländische BUT-Filmfest aktuelle Produktionen aus dem “B-Movie, Underground & Trash”-Bereich in die Frankenmetropole (darunter echte Perlen wie den japanischen Coming-of-Age-Zombiefilm SCHOOLGIRL APOCALYPSE), während die deutschen Regisseure Jörg Buttgereit und Marian Dora zu Gast sind, und aus Spanien Produzent Ferran Herranz und der langjährige Franco-Hauptdarsteller Antonio Mayans eingeflogen werden, um in deutscher Premiere die letzten drei Filme des kürzlich verstorbenen HK-Säulenheiligen Jess Franco zu präsentieren (wir äußerten bereits letztes Jahr unsere Vorfreude auf diese Werke). Und Münchner dürfen sich darüber freuen, dass die Spanier am nächsten Tag ins Werkstattkino weiterreisen werden, um dort am Sonntag, 9.6., abends AL PEREIRA VS. THE ALLIGATOR LADIES vorzustellen. Ebenso wie im KommKino wird es auch dort sicherlich eine Hommage mit ausgewählten Franco-Klassikern geben. Und Ende Juni wird voraussichtlich auch Dominik Graf im Werkstattkino sein, wo eine Auswahl seiner Filme sowie eine “Carte Blanche” geplant sind.
Viele tolle Veranstaltungen also in nächster Zeit – eine besonders schöne Reihe einer Kinemathek sollte aber noch erwähnt werden: “The Real Eighties” im Filmmuseum Wien, eine großartige Auswahl von US-Filmen aus den 80ern, komplett auf 35mm (auch bei musealen Veranstaltungen bekanntlich keine Selbstverständlichkeit mehr, aber auf die Wiener ist hier bislang Verlass). Allzu gerne wären wir auch dort, aber man kann nicht alles haben. Wer in der Nähe weilt oder im Mai/Juni in Wien ist, sollte sich das nicht entgehen lassen.
“Die Leidenschaften des Geistes vertreiben die der Sinnlichkeit.”
Leonardo da Vinci
Sano: Das war jetzt mein fünfter Film von Ernst Hofbauer und ich bin jedes Mal erstaunter, was dieser Mann auf die Leinwand bringt. Sein Stil ist ja ungeheuer ökonomisch, da ist nichts zuviel, da gibt es keine Schnörkel, keine Nebenwege, Kamera, Schnitt, Dialoge – alles präzise und immer wieder auf den Punkt gebracht. Seine Filme erscheinen daher oft als eine Aneinanderreihung von Höhepunkten, als atemlos, selbst wenn eigentlich äußerlich nicht viel passiert. Ich bin immer noch überrollt von diesem Film. In seiner Kompromisslosigkeit erinnerte mich das gerade stark an Mario Sicilianos Rolf (1984), den wir vor einiger Zeit ja auch gemeinsam geguckt haben. Natürlich sind die zwei Geschichten unterschiedlich angelegt, aber beide haben für mich diese Unerbittlichkeit seitens des Filmemachers, diesen fast schon nihilistischen Ton der Hilflosigkeit der Menschen im Angesicht von Herausforderungen denen sie nicht gewachsen sein können. Ein Ausweg ist nicht möglich. Das sagt Hofbauer für mich auch. Immer und immer wieder. Es gibt keine Erlösung. Es gibt nur Ausreden. Und Ausreden sind Illusionen, die einem letzten Endes nicht weiterhelfen können. Für einen Filmemacher schon ein sehr nüchterner Standpunkt.
Simon: Auch für mich ist das Universum von Ernst Hofbauer noch relativ neu. Nach zwei Schulmädchen-Report-Filmen und dem appetitanregenden Karate, Küsse, blonde Katzen (1974) hat mich “Maria” nun endgültig anbeißen lassen. Ich spüre in letzter Zeit ohnehin die Lust in mir wachsen, mir vermehrt deutsche Genrefilme anzusehen. “Maria” kam mir direkt so unfassbar vertraut vor, eine krasse Umgewöhnung war gar nicht nötig, ganz im Gegenteil, mit den Gesichtern von Howard Ross (“Der New York Ripper”, 1982), Janet Agren (“Ein Zombie hing am Glockenseil”, 1980) und Werner Pochath (“Horror-Sex im Nachtexpress”, 1979) fiel der Zugang sehr leicht – hier macht sich die Italoaffinität mal nützlich. Der von dir beschriebene Pessimismus ist mir auch sofort aufgefallen, wobei ich an dieser Stelle schon einhaken möchte, um diesen Punkt etwas zuzuschneiden. Hofbauers Protagonisten sind allesamt “Proletarier”, Maria arbeitet als Kellnerin, Panos ist Taxifahrer. Will sagen: Die Hilflosigkeit dieser Menschen scheint auch durch das Milieu bedingt zu werden. Das macht sich schon daran bemerkbar, dass sie sich nach Marias Vergewaltigung recht ungewöhnlich verhalten. Allen voran natürlich Panos, der, anstatt seine Frau zu unterstützen, anfängt sie zu schlagen und ihr Wort in Zweifel zu ziehen. Als Maria mit ihrem zerfetzten Kleid nach ihrer Horror-Nacht wieder nach Hause kommt, sorgt sich Panos zuerst darüber, was die Nachbarn bei diesem Anblick denken könnten. Generell scheint ihn die ganze Situation komplett zu überfordern. Diese Unsicherheit veranlasst ihn schließlich auch dazu, seiner alten Mutter zu schreiben, die in Neapel lebt. Flehend bittet er sie um Rat. Wir sehen hier eine Welt, in der die “Ehre” der Mannes und der Familie über allen anderen Belangen steht – abseits davon gibt es ja nichts, erst recht kein Geld. Als Panos’ Mutter ganz am Anfang des Films ihren Nachbarn stolz verkündet, ihr Sohn habe nun eine deutsche Freundin und dabei mit dem Foto des Paares wild herumfuchtelt, bekommen wir schon einen Eindruck davon, welche Werte hier vorherrschen. Ich finde es äußert interessant, dass das Vergewaltigungsopfer gerade nicht aus der Oberschicht stammt, wie es in italienischen Filmen oftmals der Fall ist, man denke nur an Aldo Lados L’ultimo treno della notte (1975), in dem zwei Studentinnen Opfer sadistischer Peiniger werden oder an Deodatos “Der Schlitzer” (1980), in dem gleich ein ganzes Haus voller Snobs von zwei brutalen Proleten angegriffen wird. —> MEHR LESEN

Jancsó beim Skype-Gespräch im Festivalzentrum des goEast —> MEHR LESEN