Dietrich Schubert – Die Stilistik des Erinnerns: Kriegsjahre in der Eifel (1989)

Aufblende – ein Auto wühlt sich einsam durch die verschneiten Straßen Rescheids, nie versiegende Verwehungen lassen den Blick durch die Frontscheibe ins Ungewisse drängen, es plärrt eine alte Rede, der Sprechern des dritten Reiches so eigene, auch Panzerglas zerschneidende Duktus von der Leinwand. Ist sie Erinnerung, dröhnt sie aus dem Autoradio oder einem fernen Volksempfänger? Allein die Akkustik lässt keine Antwort zu. Man ahnt es schon, Brüche und Kontinuitäten werden es sein, die in “Kriegsjahre in der Eifel” auf den Tisch kommen. So scheint es. Weiterlesen…

100 Filmemacher

 
 

 

Es ist mal wieder soweit! Alle Jahre wieder… des Cinephilen liebste Jahreszeit, die Listenzeit. Ab und an begibt man sich in die Keller des Unbewussten, um im Sud der eigenen Vergangenheit suhlend, die Gegenwart dieser Vergangenheit umso heftiger zu spüren. Was mag man, was ist wieso hängengeblieben, was wurde vielleicht verdrängt oder zu Unrecht verschüttet. Ausgrabungen und Begehungen, Museales wie Erschreckendes trifft man an und versenkt sich in die zahlreichen sich spiegelnden und widerspiegelnden Welten, die sich, seltsam ineinander verwoben, immer weiter drehen, wie ein Karussell, das einmal in Gang gesetzt, zu einer Art Perpetuum mobile geworden ist – eine Transformation, die sich gleichermaßen selbst hervorgebracht und verselbständigt hat, immer schnellere und wildere Bahnen ziehend, mysteriös auch für mich, ihren Ursprung und Fixpunkt. Einer spontanen menschlichen Selbstentzündung gleich, hat sich der Virus der Kinematographie, der Wahn der Bilder und Töne in mich gefressen und längst meine Welt überformt, verschlungen und neu erschaffen.

An all das bin ich inzwischen gewöhnt, und auch wenn man als cinephiler Allesfresser in jeder Sekunde ein inneres filmisches Bad nehmen kann (so reich sind inzwischen die genossenen, ja gierig aufgesogenen Welten, es ist wie das Versinken im irisierenden Strudel des Füllhorns), ist es doch immer wieder ein besonders irritierender Genuss, wenn man versucht, über seine Gefühlswelt ein Geständnis abzulegen, sozusagen innere Inventur zu machen, mit all dem Geträumten, Erlebten, Errungenen – dem ganzen Leben und allem, was dazu gehört. Film ist Leben, Film ist das sich selbst denkende Leben. Film ist der Versuch, sich über den Reichtum des Grenzenlosen, des Uferlosen ein Bild zu machen, eine Schwemme der unendlichen Möglichkeiten – und in der mir überlieferten und für mich konventionellsten Form schlichtweg die Kunst des 20. Jahrhunderts.

Was steckt davon in mir, reibt sich an mir, öffnet mich, besetzt meine Gehirnwindungen und frisst mir das Herz? Ein schöner Nebeneffekt ist, dass ich selbst nie weiß, welche Filmemacher schlussendlich auf der Liste landen werden, und welche (wie erschreckend!) aus ihr weichen mussten – vorübergehend nur, sage ich mir, vorübergehend! Die ewige Widerkehr, die endlosen Variationen, des Lichts und des Glückes. Je mehr man sie spürt, desto besser werden sie, je mehr man über die Filme nachdenkt, desto wundersamer erscheinen sie. Die Filmemacher selbst, auch nur Menschen, Gefäße für Inspirationswölbungen und Zuckungen, ausgekotzt, auf die Leinwand geschmiert, kollektiv, mithilfe der eigentlichen Kunst, der Emulsion und des Lichts, quasi Momente der Gnade empfangend von Ich-weiß-nicht-wo. Jeder Film ist immer größer, weiser, ja einfach reicher und reichhaltiger als die Schöpfer und deren Intentionen. Die Besten von ihnen, die mir am nächsten stehen, haben das aufs Wunderbarste umgesetzt.

Es geht hier also nicht um die Menschen, sondern die Filmemacher, und meine Phantasien von ihnen, gefiltert durch ihre Filme. Die Folgenden sind mir momentan die Liebsten, auch wenn ich erschrecke, und erschrocken bin, ob der Zusammenstellung, der vermeintlichen Verluste, und ich diese Liste, wenn ich könnte, wenn ich die Kraft dafür hätte, just in diesem Augenblick gleich wieder umschmeißen, und ihr eine völlig andere Erscheinung geben würde, eine neue Gewichtung. Doch das ist Zukunftsmusik (Masahiro Makino flüstert es in meinem Körper), und dies ist die Vergangenheit. Ich freue mich ob ihrer Wirkung in der Gegenwart, die Liste nun endlich auch final vor mir zu sehen. Abgeschlossen, eingefroren in der Zeit, erstellt bis zum 13. Juli 2018. Weiterlesen…

Grau zieht der Nebel – eine Liebeserklärung an Mimmo Palmara und “Il vicino di casa” (1973)

    I’ve built walls
    A fortress deep and mighty
    That none may penetrate
    I have no need of friendship, friendship causes pain
    It’s laughter and it’s loving I disdain
    I am a rock
    I am an island

    (Simon & Garfunkel – I Am a Rock)

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Midnight Confessions #02: Her Name Was Lisa (1979)

    Just give us a little information, this won’t take long.
    Of course.
    The woman’s age?
    Twenty-six years old.
    Occupation?
    Just put down … ‘entertainer’.

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Angeln am See der Zeit mit Dario Argento – La terza madre (2007)

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Deutschland im Film: Kommissar X jagt die roten Tiger (1971)

    Des hat’s bei mir net gebm, diese ganze Sex- und Gewaltscheiße!

    (Ein offenkundiger Troll, 1985)

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Midnight Confessions #01: Not your everyday pervert – Night Caller (1976)

    I had to interrupt and stop this conversation
    Your voice across the line gives me a strange sensation
    I’d like to talk when I can show you my affection

    (The Nerves – Hanging on the Telephone)

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100 Deutsche Lieblingsfilme #63: 90 Minuten nach Mitternacht (1962)

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Shapes of an alternate reality – Il gatto a nove code (1971)

    The dreams I dream only the lonely dream
    Of lips as warm as May
    That hopeless scheme only the lonely scheme
    That soon somewhere you’ll find the one that used to care

    (Frank Sinatra – Only the Lonely)

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Fragen an das leere Zimmer

Do you believe Steven Spielberg is an ideal guide and influence for our culture? Do Steven Spielberg’s films question our culture? What do Steven Spielberg’s films question?

Der Schauspieler Crispin Glover veröffentlichte 2003 ein kontroverses Essay unter dem Titel „What Is It?“. Darin ging es unter anderem um die Wirkungsmacht, die das Werk von Steven Spielberg auf die Gesellschaft hat.
Der Kinostart von Ready Player One ist ein guter Anlass, Glovers Text noch einmal zu lesen und ihn vielleicht sogar fortzuschreiben.

Does our culture congratulate itself for taking interest in the lack of original ideas personified by the name of Steven Spielberg? Do his films take chances or take risks in order to amplify, change or challenge the cultural thought process? Does Steven Spielberg take risks, or does he simulate the idea of taking risks? What risk was involved in making Saving Private Ryan or Schindler’s List (…)?
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