100 Deutsche Lieblingsfilme #59: Metropolis (1984)

Metropolis

„Eines schönen Tages erschien ein freundlicher Mann, der sich bescheiden als Giorgio Moroder vorstellte, bei Enno Patalas, dem Leiter des Münchner Filmmuseums. Er erzählte, daß er Komponist sei und sich für die Vertonung von Stummfilmen interessiere, es fehle ihm nur der geeignete Film. Ahnungslos und erfreut über das seltene Interesse breitete Patalas, der noch an das Gute im Komponisten glaubte, die Perlen der Filmkunst vor ihm aus und schlug ihm “Metropolis” vor. Das Ton-Drama nahm seinen Disco-Lauf.“

Robert van Ackeren im SPIEGEL
Weiterlesen…

Atmungssystem – Zu Toni Erdmann von Maren Ade

TE_Still_08 Kopie

Es gibt diese Momente. In denen fühlt sich eine Situation an, als möchte man sie sprengen. Und erst beim Gedanken an die Überschreitung einer sozialen Grenzempfindung formuliert sich eine solche erneut in ihrer Drastik, als Drohung und gleichermaßen als feines System der gegenseitigen Rücksichtnahme und Bekundung von Respekt, als Verteidigung eines legitimen Zwecks durch die Zurückstellung individueller Freiheit. In diesen Momenten muss die Frage angemessen sein, warum ein gesellschaftlicher Code gerade Beachtung findet. Worin besteht die Wurzel einer Übereinkunft und die Natur einer Gesellschaft? Und welche Übereinkünfte bestehen als entwurzelte Fragmente, die sich schleichend zu einer verborgenen Logik des gesellschaftlichen Lebens formen konnten? Um mitten in der Gesellschaft, insbesondere in der Klaustrophobie zivilisatorischer Ballungsräume, Luft zu holen, bedarf es längst Atemtechniken, die an sozialen Codes geschult sind. Das Atmen will gelernt sein. Oder man hält einfach die Luft an. Augen zu und durch. Weiterlesen…

100 Deutsche Lieblingsfilme #58: He Joe (1966)

hejoe_titel

Samuel Beckett hat mit dem 1965 erschienenen, puritanisch betitelten Film (Regie: Alan Schneider) zum ersten Mal ein Drehbuch geschrieben. Sein erster Kinoausflug, ein Stummfilm mit einem alternden Buster Keaton, der die meiste Zeit nur von hinten zu sehen ist, sollte auch sein letzter sein. Aber der Film ließ ihn nicht los. Im Jahr der Premiere hat Beckett dem Süddeutschen Rundfunk (SDR) angeboten, ein Fernsehspiel zu inszenieren. Das Ergebnis wurde 1966 zu Becketts sechzigstem Geburtstag gesendet: He Joe, ein dreißigminütiger Kurzfilm in Schwarzweiß, mit einem schweigenden Hauptdarsteller und einer unsichtbaren Frauenstimme, die ihm zuflüstert.
Weiterlesen…

goEast 2016: Die letzte amerikanische Nacht des Andrzej Z.

NACHTBLENDE_THE MAIN THING IS TO LOVE
© goEast Filmfestival
Weiterlesen…

Le Foto di Gioia (1987)

LEFOTODIGIOIA3

In dem Interviewband Spaghetti Nightmares sagt Luigi Montefiori aka George Eastman über seine Zusammenarbeit mit Lamberto Bava: „Lamberto is a fairly good director but I only acted in Blastfighter and Le Foto di Gioia to make money. I don’t think much of either film, though I’ll admit the former had more originality and style.“
Harte Worte von einem Mann, der behauptet, sein Drehbuch zu Joe D’Amatos Sesso nero (1980) basiere auf Max Frischs Homo Faber. Und auch wenn er nicht ganz Unrecht hat, markiert Lamberto Bavas Spätachtziger-Giallo mit Serena Grandi doch eine Art Zäsur in seinem filmischen Schaffen. Nach diesem Film sollte er sich mit einigen interessanten, doch selten gewordenen Fernsehfilmen künstlerisch emanzipieren.
Weiterlesen…

100 Deutsche Lieblingsfilme #57: Die 1000 Augen des Dr. Mabuse (1960)

1000augen5

„Der berühmte Druck auf den Knopf. Ich hätt’s getan!“
„Sie sind wahnsinnig!“
„Vielleicht. Aber wo ist die Grenze?“

Weiterlesen…

Lamberto Bava, Pop-Auteur

Mit dem noch immer chronisch unterschätzten Lamberto Bava werden sich auf critic.de in den nächsten Wochen geschätzte Freunde und Kollegen beschäftigen, in Texten zu bekannten ebenso wie unbekannteren Filmen des Pop-Auteurs unter den italienischen Horror-Filmemachern. Neben Autoren wie Lukas Foerster, Michael Kienzl, Christopher Klaese, Oliver Nöding und Silvia Szymanski werden sich dort auch Alexander P., Robert und Sven über Bava-Filme auslassen. Ich selbst habe dazu einen kleinen Einführungstext geschrieben und würde mich freuen, wenn sich der ein oder andere unserer Leser zu diesem Special verirrt.
Zudem sei auch noch auf die vor Kurzem von X-Rated veröffentlichte DVD/Blu-ray-Edition von Bavas Frühwerk LA CASA CON LA SCALA NEL BUIO (1983) hingewiesen, die auch einen Audiokommentar enthält, den Pelle Felsch und ich im April dieses Jahres eingesprochen haben und der jene Hörer, die die erste Filmhälfte trotz meines Stotterns durchhalten, am Ende mit Ausführungen über Tennisbälle im Horrorfilm und 35mm-Filmklebepressen straft/belohnt.

Demoni

The Look of Silence (2014)

TLOS_TV
TLOS_TV: With profound sadness, Adi watches footage of interviews conducted by Joshua Oppenheimer with perpetrators of the 1965-66 Indonesian genocide in Drafthouse Films’ and Participant Media’s The Look of Silence. Courtesy of Drafthouse Films and Participant Media.

Der zweite Film gilt als besonders schwierig, vor allem wenn der erste so hohe Wellen schlug, so viel Kritiker-Aufmerksamkeit bekam und dazu noch eine Oscar-Nominierung erhielt wie The Act of Killing. Den Oscar bekam nicht er, sondern ein Film über Background-Sänger, aber die Oscars hätten diesen Film auch nicht unbedingt verdient. In der Zwischenzeit arbeitete Joshua Oppenheimer längst an The Look of Silence, dem lange erwarteten zweiten Film, einer Fortsetzung sozusagen, die die Hinterbliebenen der Opfer des Militärputsches von 1965 in den Mittelpunkt rückt.
Weiterlesen…

Bericht von der Nippon Connection 2015

Weiterlesen…

Zukunft braucht Herkunft – Nippon Connection 2015 (Teil 1 von X)

Nippon Connection 2015

Einmal R/retro, immer R/retro? Diese Frage stellt sich jedes Jahr auf’s Neue im Vorfeld wie im Verlauf vieler Festivals, die sich neben einer stichprobenartigen Überblicksschau über das aktuelle Filmgeschehen in einem Land, einem Kulturraum oder gar der ganzen Welt die Bewahrung und das ‘Lebendighalten’ des/eines Filmerbes auf die Fahnen geschrieben haben. Mag der Fokus dabei auf das Oeuvre eines ‘Auteurs’ gerichtet sein, auf den (hetero- oder homogenen) ‘Output’ eines Produktionsstudios oder auf einzelne Filme, die sich zu einem bestimmten Zeitpunkt oder über größere Zeiträume hinweg auf unterschiedlichste Weise mit einem bestimmten historischen Ereignis auseinandersetzen, usw. Weiterlesen…