Blick zurück ohne Zorn

Wie man plötzlich 80 wird



Film, das ist auch Musik.

Wir tanzten in den 50ern bis zum Koma den Rock’n’Roll. Wir feierten in den 60ern die Beatles und ich noch lieber den geilen Sound der Good Vibrations der Beach Boys. Und als dann die Pink Floyd mit ihrer Single See Emily Play auf den Trip gingen, ging ein ganzer Kosmos auf. Aber erst die Punk- und New-Wave-Genies wie XTC, Devo, David Byrne öffneten mir den Blick auf die neue Welt-to-come.

Wir wurden Teil der Neuen Deutschen Welle der Witt und DAF und Kraftwerk und Rheingold.

Bis dann Rap und Hip-Hop die Welt auch jenseits des Ghetto bewegten und ich die Wu-Tang Claner traf. Und dann, heute, die genialen Reggaeton- Produktionen der Wisin & Yandel, Arcangel, Bad Bunny, Nicky Jam, Plan B … Und auch noch Bachata-Genie Romeo Santos …

Film ist neben Wort und Mode und Kunst auch Film.

Hunderte Male die Preminger-Filme im Kino gesehen, um herauszufinden, wie Preminger so Kamera und Schauspieler führt, um herauszufinden, wie er schneidet, ohne dass man den Schnitt merkt.

Hunderte Nächte durchgesessen, um auf den Spuren der Cahiers und der Nouvelle Vague das Erbe Hollywoods zu entdecken und mit Godard und all den anderen in Frankreich und Italien und in den USA den Mut für Experimente zu entwickeln.

Und dann die Jahre 1960-1963, das Filmwunderland Italien. Die Meisterwerke nur dieser Jahre: LA DOLCE VITA von Fellini, LA NOTTE von Antonioni, SALVATORE GIULIANO von Rosi, ACCATONE von Pasolini, CRONACA FAMILIARE von Zurlini, IL GATTOPARDO von Visconti. Nie in der Filmgeschichte war eine Zeit vielseitiger, explosiver, mutiger! Filme, die mich inspirierten und die mir sagten: Alles ist möglich! Die tragische Schönheit Antonionis, die Grandezza Viscontis, die soziale Abrechnung Rosis, die Erkundung neuer Welten Pasolinis, die Dante-Eloge Fellinis, die mutige Hermetik Zurlinis …

Und dann die großen Amerikaner, die der Vergangenheit wie Sirk, Hawks, Ford und die der 60er Jahre und auch immer wieder der Jahre danach …

Und dann ein Film, den ich seit meiner Filmhochschulzeit nie vergessen werde: Stan Brakhage hat ihn gedreht. Und er handelt davon, wie Brakhage mit seiner bewegten Kamera seinen toten Hund zum Leben zu erwecken versucht …

Und jetzt bin ich kurz vor dem 80sten gelandet. Ich weiß schon, dass ich meine Idole wahrscheinlich nie erreichen kann. Aber eines kann ich sagen: Ich bin noch nie Kompromisse eingegangen und habe immer den Film gemacht, den ich machen wollte und wie ich ihn machen wollte. Und ich habe immer Filme über die Zeit gemacht, in der sie spielten. Sie sind ein Spiegel der Gesellschaft, die ich mit der Musik, den Problemen, der Mode und dem Streben nach Schönheit und Wahrheit durchlebt habe.

Und das ist bis heute so: Die neun Filme meines „Römischen Zyklus“ sind das Porträt einer Generation, die nie allein, aber für immer einsam ist. Und „Der Römische Zyklus 2“ handelt von den Abgründen der Emotionen und einer Gesellschaft ohne Gnade.

Ich genieße in vollen Zügen die Freiheit des Produzierens, die die aktuelle Technologie mit sich bringt. Ich genieße eine Welt, in der alles verfügbar ist.

Und wenn mich etwas zornig macht, dann ist es nicht der Blick zurück, sondern der Blick auf die Kompromisse, die Routine, die Mutlosigkeit, die Experimentier-Feigheit, die heute das Geschehen bestimmen.

Gerade habe ich den Film eines 87-jährigen gesehen: Godards LE LIVRE D’IMAGE. Ein Meisterwerk, das nicht spurlos an mir vorüber gehen wird: sarkastisch, poetisch, böse, phantastisch, politisch, schön, innovativ … eben alles, was Kino kann.

Eckhart Schmidt, Oktober 2018

Eckhart Schmidt!!! Werkschauen und Premieren zum Geburtstag

 

 

Ein Meister des Kinos wird 80 Jahre alt: Eckhart Schmidt, der unermüdlich getriebene, rastlos suchende und leidenschaftlich findende Romantiker unter den deutschen Filmemachern, der seit über 50 Jahren als Regisseur, Autor, Fotograf und Produzent wirkmächtig tätig ist. An die 200 Filme hat Schmidt bisher gedreht, und es kommen jährlich neue hinzu. Aus Anlass seines Jubiläums und der Veröffentlichung seines Opus Magnum, “Der Römische Zyklus I + II”, werden ihm im November deutschlandweit drei umfangreiche Werkschauen / Hommagen gewidmet, die den Versuch unternehmen einige seiner schillerndsten Filmwerke aus diesem gargantuanischen Oevre wieder oder zum ersten Mal auf der großen Leinwand zum erblühen zu bringen. Und Eckhart Schmidt wird auch selbst bei allen Vorführungen anwesend sein! Weiterlesen…

Midnight Confessions #02: Her Name Was Lisa (1979)

    Just give us a little information, this won’t take long.
    Of course.
    The woman’s age?
    Twenty-six years old.
    Occupation?
    Just put down … ‘entertainer’.

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Angeln am See der Zeit mit Dario Argento – La terza madre (2007)

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Deutschland im Film: Kommissar X jagt die roten Tiger (1971)

    Des hat’s bei mir net gebm, diese ganze Sex- und Gewaltscheiße!

    (Ein offenkundiger Troll, 1985)

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Fragen an das leere Zimmer

Do you believe Steven Spielberg is an ideal guide and influence for our culture? Do Steven Spielberg’s films question our culture? What do Steven Spielberg’s films question?

Der Schauspieler Crispin Glover veröffentlichte 2003 ein kontroverses Essay unter dem Titel „What Is It?“. Darin ging es unter anderem um die Wirkungsmacht, die das Werk von Steven Spielberg auf die Gesellschaft hat.
Der Kinostart von Ready Player One ist ein guter Anlass, Glovers Text noch einmal zu lesen und ihn vielleicht sogar fortzuschreiben.

Does our culture congratulate itself for taking interest in the lack of original ideas personified by the name of Steven Spielberg? Do his films take chances or take risks in order to amplify, change or challenge the cultural thought process? Does Steven Spielberg take risks, or does he simulate the idea of taking risks? What risk was involved in making Saving Private Ryan or Schindler’s List (…)?
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Éric Rohmer – Zelluloid und Marmor

„Kritik ist eine Sache der Jugend, sie verlangt Ungestüm und freie Zeit.“
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Peter Pewas Straßenbekanntschaft mit der DEFA

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Franz Winzentsen

Golan: A Farewell to Mr Cinema (2015)

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Screenshot Youtube Menahem Golan
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