‘The pain of being a woman is too severe!’ – The films of Roberta Findlay: Tenement (1985)

    Iron trees smother the air
    But withering they stand and stare
    Trough eyes that neither know nor care
    Where the grass is gone

    (David McWilliams – Days of Pearly Spencer)

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‘The pain of being a woman is too severe!’ – The films of Roberta Findlay: Angel Number 9 (1974)

    I’m beautiful in my way
    ‘Cause God makes no mistakes
    I’m on the right track, baby
    I was born this way

    (Lady Gaga – Born This Way)

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Il piacere (1985) und: Joe-D’Amato-Retrospektive beim Filmarchiv Austria!

Gedärme, die aus hungrigen Bäuchen fallen, Kameraobjektive, die in zu penetrierende Rosetten hineinfahren: ob im Gewalt- oder Sexualakt – beides Dinge, die Joe D’Amato mit der derben, aber eben auch ein wenig unschuldigen Freude an Provokationen des Adoleszenten nur allzu gern zelebrierte – das Innerste verborgen im menschlichen Leibe faszinierte ihn offenkundig sehr. Nahezu 200 Filme strickte er um dessen Freilegung. Unter diesen gehört “Il piacere” zu den allerschönsten, verwundbarsten wie aber auch im Gegenschluss verwundendsten.

Das Handlungsgerippe ist nebensächlich, die Geschichte um einen alternden Casanova gefangen zwischen Trauer um die Liebe des Lebens und den wiedererwachenden Triebgefühlen für ihre jugendliche Wiedergängerin allein Aufhänger für selbst für ihn, den größten auf den Regiestuhl umgesattelten Kameramann des italienischen Kinos, ausnehmend luxuriös arrangierte Vermessung von Leidenschaft via filmischer Inszenierung allein. Unmittelbar aufeinanderprallend färben Linse und Belinstes Wände, Räume, ganze Außenareale ein. Aus der Reibung hervortretend: Ein eigentümliches Knistern in der Luft, vielmehr schon ein dichter, stets aber durchschaubarer Nebel, ein Schimmern, das sich die Welt des Filmes überschreitende Freiräume zwischen Emulsion und Bildträger zu erkämpfen scheint. Weiterlesen…

Drei Ausprägungen des Allergrößten – Heino zum 80sten Geburtstag

(Heino in “Blau blüht der Enzian” [Franz Antel, 1973]: Verweile einen ruhigen Moment mit mir, liebe ET-Leserschaft – denn ich bin es, der Alibi-Filmcontent.)

    Akt I: Der Künstler

    Ob Rap, ob Rock, ob Rock’n’Roll
    Egal, ich find das alles toll
    Doch mein Herz, das hängt, das weiß man ja
    Am Volkslied, das ist doch klar
    Denn wenn Enzian und Edelweiß
    Zum Rhythmus groovt, das ist doch heiß

    (Heino – Schwarzbraun ist die Haselnuss ’89)

Liest man von Heino im deutschsprachigen Raum, so wird sein Bekanntheitsgrad in ebendiesem zumeist mit annähernd hundert Prozentpunkten beziffert – der Mann mit dem Haupthaar aus leuchtendem Stroh und der tiefschwarzen Sonnenbrille ist ein Phänomen, dem kaum jemand je entgehen konnte und weiterhin kann. Ungleich seltener stößt man jedoch auf Texte, die den Eifeler Jungen als über nostalgischen bis despektierlichen Spaß hinausgehend zu rezipieren gewillt sind. Dabei ist es doch nicht zuletzt auch sein Werk, über das sich gegen Ende der 60er Jahre, parallel laufend zur damaligen Jugendkultur ein – in dieser Ausprägung leider recht kurzlebiger – Bruch im System des deutschen Schlagers sowie der sogennannten volkstümlichen Musik vollzog: weg von der reinen Stimme, der ätherischen Präsenz, hin zum Instrument, zur ausgeprägteren Ästhetisierung auch als Künstlerfigur. Hört man Heinos Durchbruchsalbum Keiner schöner Land in dieser Zeit (1967) heute mit offenen Ohren an, erscheint es kaum weniger singulär als jenes der schon seit eh und je auch in sich kunstbeflissener wähnenden Zirkeln ungleich besser gelittenen Alexandra. Weiterlesen…

Vorwärts, Rückwärts, Einerlei – Non ho sonno (2001)

    Diese Straße, dieses Haus
    Ist wie die gute alte Freundin
    Die dich vor langer Zeit verließ
    Jetzt hier zu sein, entlang zu gehen
    Gefilmt wie aus einem Auto, das nicht hält
    Tut weh – so weh
    Tut weh – so weh

    (Mutter – Böckhstr. 26)

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Gott wird euch alle strafen – 1000 dollari sul nero (1966)

    Kneel at the cross, give your idols up
    Look unto realms above
    Turn not away to life’s sparkling cup
    Trust only in His love

    (The Louvin Brothers – Kneel at the Cross)

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Blick zurück ohne Zorn

Wie man plötzlich 80 wird



Film, das ist auch Musik.

Wir tanzten in den 50ern bis zum Koma den Rock’n’Roll. Wir feierten in den 60ern die Beatles und ich noch lieber den geilen Sound der Good Vibrations der Beach Boys. Und als dann die Pink Floyd mit ihrer Single See Emily Play auf den Trip gingen, ging ein ganzer Kosmos auf. Aber erst die Punk- und New-Wave-Genies wie XTC, Devo, David Byrne öffneten mir den Blick auf die neue Welt-to-come.

Wir wurden Teil der Neuen Deutschen Welle der Witt und DAF und Kraftwerk und Rheingold.

Bis dann Rap und Hip-Hop die Welt auch jenseits des Ghetto bewegten und ich die Wu-Tang Claner traf. Und dann, heute, die genialen Reggaeton- Produktionen der Wisin & Yandel, Arcangel, Bad Bunny, Nicky Jam, Plan B … Und auch noch Bachata-Genie Romeo Santos …

Film ist neben Wort und Mode und Kunst auch Film.

Hunderte Male die Preminger-Filme im Kino gesehen, um herauszufinden, wie Preminger so Kamera und Schauspieler führt, um herauszufinden, wie er schneidet, ohne dass man den Schnitt merkt.

Hunderte Nächte durchgesessen, um auf den Spuren der Cahiers und der Nouvelle Vague das Erbe Hollywoods zu entdecken und mit Godard und all den anderen in Frankreich und Italien und in den USA den Mut für Experimente zu entwickeln.

Und dann die Jahre 1960-1963, das Filmwunderland Italien. Die Meisterwerke nur dieser Jahre: LA DOLCE VITA von Fellini, LA NOTTE von Antonioni, SALVATORE GIULIANO von Rosi, ACCATONE von Pasolini, CRONACA FAMILIARE von Zurlini, IL GATTOPARDO von Visconti. Nie in der Filmgeschichte war eine Zeit vielseitiger, explosiver, mutiger! Filme, die mich inspirierten und die mir sagten: Alles ist möglich! Die tragische Schönheit Antonionis, die Grandezza Viscontis, die soziale Abrechnung Rosis, die Erkundung neuer Welten Pasolinis, die Dante-Eloge Fellinis, die mutige Hermetik Zurlinis …

Und dann die großen Amerikaner, die der Vergangenheit wie Sirk, Hawks, Ford und die der 60er Jahre und auch immer wieder der Jahre danach …

Und dann ein Film, den ich seit meiner Filmhochschulzeit nie vergessen werde: Stan Brakhage hat ihn gedreht. Und er handelt davon, wie Brakhage mit seiner bewegten Kamera seinen toten Hund zum Leben zu erwecken versucht …

Und jetzt bin ich kurz vor dem 80sten gelandet. Ich weiß schon, dass ich meine Idole wahrscheinlich nie erreichen kann. Aber eines kann ich sagen: Ich bin noch nie Kompromisse eingegangen und habe immer den Film gemacht, den ich machen wollte und wie ich ihn machen wollte. Und ich habe immer Filme über die Zeit gemacht, in der sie spielten. Sie sind ein Spiegel der Gesellschaft, die ich mit der Musik, den Problemen, der Mode und dem Streben nach Schönheit und Wahrheit durchlebt habe.

Und das ist bis heute so: Die neun Filme meines „Römischen Zyklus“ sind das Porträt einer Generation, die nie allein, aber für immer einsam ist. Und „Der Römische Zyklus 2“ handelt von den Abgründen der Emotionen und einer Gesellschaft ohne Gnade.

Ich genieße in vollen Zügen die Freiheit des Produzierens, die die aktuelle Technologie mit sich bringt. Ich genieße eine Welt, in der alles verfügbar ist.

Und wenn mich etwas zornig macht, dann ist es nicht der Blick zurück, sondern der Blick auf die Kompromisse, die Routine, die Mutlosigkeit, die Experimentier-Feigheit, die heute das Geschehen bestimmen.

Gerade habe ich den Film eines 87-jährigen gesehen: Godards LE LIVRE D’IMAGE. Ein Meisterwerk, das nicht spurlos an mir vorüber gehen wird: sarkastisch, poetisch, böse, phantastisch, politisch, schön, innovativ … eben alles, was Kino kann.

Eckhart Schmidt, Oktober 2018

Erst fang’ se janz dunkel an, aber dann, aber dann…

Sehr weit ist diese Nacht. Und Wolkenschein
Zerreißet vor des Mondes Untergang.
Und tausend Fenster stehn die Nacht entlang
Und blinzeln mit den Lidern, rot und klein.

Wie Aderwerk gehn Straßen durch die Stadt,
Unzählig Menschen schwemmen aus und ein.
Und ewig stumpfer Ton von stumpfem Sein
Eintönig kommt heraus in Stille matt.

Betulich gleitend brechen Maskierungen das Licht, verdecken es horizontal, dann vertikal, versuchen es auf vielfältige Weise auszusperren. Eine Theaterbühne, Stimmen aus dem Off. Bühnenprobe. Wieder und wieder brechen sich die Strahlen an neuen Stellen Bahn, bis die Maskierungen schließlich aufgeben. Ein Lichtquadrat auf der Bühne, zwei Schauspieler treten aus ihm hervor. Hinter ihnen ein distinktiver schwarzer Strich in der Landschaft, zwischen Bühnenboden und -hintergrund, eine Trennungslinie. Wir sind bei einer Theaterprobe, wichtiger als der Text ist jedoch die Inszenierung im Raum. Nicht Sprache, sondern Bewegung. Die Welt als Bühne, das Leben als Inszenierung, und die Menschen als Statisten. In Eva Hillers faszinierend direktem, filmischem Essay geht es um das Funktionieren des Systems, um die technischen Errungenschaften unserer Zivilisation. Um die Geister, die wir riefen, die Dunkelheit zu bannen. Um unsichtbare Tage. Weiterlesen…

Geschlechterkuddelmuddel mit Enzo Girolami: Ammazzali tutti e torna solo (1968)

    Flying through the air
    Side by side we dip bend and climb
    Flying through the air so free
    Feel them left behind below us

    (Oliver Onions – Flying Through the Air)

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Dietrich Schubert – Die Stilistik des Erinnerns: Kriegsjahre in der Eifel (1989)

Aufblende – ein Auto wühlt sich einsam durch die verschneiten Straßen Rescheids, nie versiegende Verwehungen lassen den Blick durch die Frontscheibe ins Ungewisse drängen, es plärrt eine alte Rede, der Sprechern des dritten Reiches so eigene, auch Panzerglas zerschneidende Duktus von der Leinwand. Ist sie Erinnerung, dröhnt sie aus dem Autoradio oder einem fernen Volksempfänger? Allein die Akkustik lässt keine Antwort zu. Man ahnt es schon, Brüche und Kontinuitäten werden es sein, die in “Kriegsjahre in der Eifel” auf den Tisch kommen. So scheint es. Weiterlesen…