“Es war alles Autodidaktik”
Dominik Graf im Interview mit Eskalierende Träume

Rückblende, April 2011: Das Nürnberger Filmhaus widmet Dominik Graf eine ausführliche Werkschau. Zum Auftakt läuft als double feature seine hypnotische FAHNDER-Episode NACHTWACHE (1993) mit Maja Maranow und natürlich Klaus Wennemann, sowie DER SCHARLACHROTE ENGEL (2005) aus der Reihe POLIZEIRUF 110. Zu diesem Doppelprogramm ist auch Graf selbst in Nürnberg anwesend. Im Anschluss an NACHTWACHE gelingt es vier eskalierten und noch völlig von dieser Wahnsinnsepisode berauschten Träumern, den inoffiziellen ET-Lieblingsregisseur ins Kommkino-Büro zu locken und auszufragen. Aber lesen Sie selbst: Weiterlesen…

Lieblingsfilme 2008 und 2009 Alex P.

2009:

1. L’ENFER D’HENRI-GEORGES CLOUZOT
2. TWO LOVERS
3. GRAN TORINO
4. DAS WEISSE BAND
5. WENDY AND LUCY
6. 35 RHUMS
7. KYNODONTAS
8. BELLAMY
9. KINATAY
10. LAKE MUNGO

Nachrücker:

THE HURT LOCKER; PUBLIC ENEMIES; HALLOWEEN II; PINK; FUNNY PEOPLE; LE PÈRE DE MES ENFANTS; IN DREI TAGEN BIST DU TOT 2; GANGS; DIE TÜR; THE WRESTLER; INDEPENDENCIA; IN THE ELECTRIC MIST; TWO-LEGGED HORSE; WHERE THE WILD THINGS ARE; THE MAN FROM LONDON; Z32; JERICHOW; SHERLOCK HOLMES;

2008:

1. WE OWN THE NIGHT
2. UNITED RED ARMY
2. DAS GELÜBDE
4. THE HAPPENING
5. STELLET LICHT
6. SCHMETTERLING UND TAUCHERGLOCKE
7. LET THE RIGHT ONE IN
8. BUDDHA COLLAPSED OUT OF SHAME
9. INTO THE WILD
10. [REC]

Runners Up:

JCVD; PARANOID PARK; LOOS ORNAMENTAL; RR; AUDIENCE OF ONE; KNOCKED UP; SMILEY FACE; HUNGER;

Gesammelte Jahreslisten 2010

Letztes Jahr verliefen alle Bestrebungen zu einem gemeinsamen Posting mit unseren gesammelten Jahreslisten im Sande. Diesmal haben wir uns fest vorgenommen, es nicht noch einmal so weit kommen zu lassen, sondern einige Tage nach unseren Entdeckungslisten dann auch die Jahreslisten mit unseren Favoriten des aktuellen Film- und Kinojahrgangs (weitgehend ungeachtet der häufig verzögerten regulären Starttermine, stattdessen am tatsächlichen eigenen Sichtungsjahr orientiert, ob Festival, Kinostart oder DVD-Import) folgen zu lassen – und das nicht weniger umfangreich und ausufernd. In einem nachgerade wahnwitzigen Kraftakt ist dieses Unterfangen diesmal ausnahmsweise tatsächlich geglückt, weshalb wir nun nachfolgend das neue Jahr gebührend mit der krönenden Fortsetzung des zum Abschluss des alten Jahres begonnenen Listenwahnsinns einleiten wollen…

Gleich geht's los...
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Ältere Filme, erstmals gesehen: Entdeckungen 2010

Eine weit ausholende Einleitung dürfte sich an dieser Stelle erübrigen. Wie offensichtlich sein sollte, handelt es sich um die Fortführung der letztes Jahr eingeführten gesammelten Entdeckunglisten, dieses Jahr jedoch wohl noch einmal eine Spur umfangreicher und maßloser (was sich auch daran zeigt, dass es nun gleich mehrere zusätzliche Ergänzungslisten gibt und vermutlich noch mindestens eine weitere folgen wird), und erfreulicherweise diesmal sogar mit sechs statt fünf Teilnehmern. Bliebe vielleicht nur noch etwas zu sagen zur letztjährigen Ankündigung, dass “demnächst” nach den Entdeckungslisten mit älteren Filmen auch die Jahreslisten mit den Favoriten des aktuellen Jahrgang folgen würden, was dann aufgrund jämmerlichen Versagens aller diesbezüglichen Vorhaben leider nun auch ein knappes Jahr später noch immer nicht passiert ist.
Wir geloben jedoch Besserung und möchten die nun folgende, exzessive Sammlung von Zeugnissen unserer unerschrockenen Leidenschaft für Listen als Beweis für unsere nimmermüden guten Vorsätze betrachten. Nun sind wir gefeit für die listologische Aufarbeitung des Jahrgangs 2010…
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Fantasy Filmfest 2010 – Wertungen und Fazit

Ähnlich wie bereits beim Fazit zum Filmfest München, gibt es nun auch zum Fantasy Filmfest wieder eine Wertungstabelle, die während des Nürnberger Festivals laufend aktualisiert wird. Leider fehlen ausgerechnet unsere beiden einzigen regelmäßigen Filmbewerter Christoph und Alex S. diesmal beim FFF. Trotzdem sind immerhin vier regelmäßige Teilnehmer dabei (darunter auch unser zukünftiger Gastautor Marian), wobei die Filmausbeute allerdings nicht mit dem Filmfest München vergleichbar sein wird, nachdem niemand von uns eine Dauerkarte besitzt. Viel wird daher wohl von spontaner Lust und Stimmung abhängen…

Abkürzungen wie gehabt:
() = unter Vorbehalt (wegen Sichtungsumständen, Müdigkeit o.ä.)
* = vorher abseits des FFF gesehen
** = wiederholt gesehen
sowie:
B/C/AS/S = Benjamin/Christoph/Alexander S./Scott

 Filmtitel Alexander P.  Andreas  B/C/AS/S  Marian  Sano 
 AMER
 (Hélène Cattet, Bruno Forzani)
 6.5 * 8 ** 9 * (C)
 8 (AS)
 8 5
 EVIL – IN THE TIME OF HEROES
 (Yorgos Noussias)
 * (B)
 THE PACK
 (Franck Richard)
 6 (B) 5
 OUTRAGE
 (Takeshi Kitano)
 8 7 (B) 8 6
 FROZEN
 (Adam Green)
 2.5 4 5 4
 THE APE
 (Jesper Ganslandt)
 6 7 6
 DER DOPPELGÄNGER
 (Christopher Lenke, Philip Nauck)
 4 2 4
 KABOOM
 (Gregg Araki)
 8.5 5 7.5
 THE LOVED ONES
 (Sean Byrne)
 8 7 8
 THE KILLER INSIDE ME
 (Michael Winterbottom)
 4 3 7
 METROPIA
 (Tarik Saleh)
 6 (S)
 SOLOMON KANE
 (Michael J. Bassett)
 3
 MONSTERS
 (Gareth Edwards)
 6 7 7 (S) 7
 THE HUMAN CENTIPEDE
 (Tom Six)
 9 3.5 2
 CENTURION
 (Neil Marshall)
 1 1 6
 GALLANTS
 (Derek Kwok, Clement Cheng)
 8.5
 BLACK DEATH
 (Christopher Smith)
 5.5
 14 BLADES
 (Daniel Lee)
 4
 LOVE CRIME
 (Alain Corneau)
 8.5 1.5
 RED HILL
 (Patrick Hughes)
 4
 WE ARE WHAT WE ARE
 (Jorge Michel Grau)
 6 6 8
 IP MAN 2
 (Wilson Yip)
 6 7
 RUBBER
 (Quentin Dupieux)
 7
 REYKJAVIK WHALE WATCHING
 MASSACRE
 (Julius Kemp)
 4.5 5
 FOUR LIONS
 (Chris Morris)
 3 3
 SYMBOL
 (Hitoshi Matsumoto)
 6.5 8
 HARRY BROWN
 (Daniel Barber)
 5



Das Fazit in bewährter Listenform:



***

Alexander P.

Top 5:

1. THE HUMAN CENTIPEDE (Tom Six)
2. CRIME D’AMOUR (Alain Corneau)
3. KABOOM (Gregg Araki)
4. THE LOVED ONES (Sean Byrne)
5. BLACK DEATH (Christopher Smith)



***

Andreas

Top 5 (den zuvor schon in München gesehenen AMER ausgeklammert):

1. GALLANTS (Derek Kwok, Clement Cheng)
2. OUTRAGE (Takeshi Kitano)
3. MONSTERS (Gareth Edwards)
4. RUBBER (Quentin Dupieux)
5. THE LOVED ONES (Sean Byrne)

Flop 3:

1. CENTURION (Neil Marshall)
2. LOVE CRIME (Alain Corneau)
3. FOUR LIONS (Chris Morris)

Wobei FROZEN und REYKJAVIK WHALE WATCHING MASSACRE nüchtern betrachtet noch weitaus lausiger als FOUR LIONS waren, sich aber durch ihre spaßigen ersten Hälften einen deutlichen Trash-Bonus verdient haben.



***

Marian

Top 5 (alphabetisch):

AMER (Hélène Cattet, Bruno Forzani)
THE LOVED ONES (Sean Byrne)
OUTRAGE (Takeshi Kitano)
SYMBOL (Hitoshi Matsumoto)
WE ARE WHAT WE ARE (Jorge Michel Grau)

Flop 3:

1. CENTURION (Neil Marshall)
2. THE HUMAN CENTIPEDE (Tom Six)
3. FOUR LIONS (Chris Morris)



***

Sano

Top 3:

1. KABOOM (Gregg Araki)
2. THE KILLER INSIDE ME (Michael Winterbottom)
3. IP MAN 2 (Wilson Yip)

Flop-Liste gibt’s keine, weil ich zum ersten Mal auf dem FFF keinen schlechten Film gesehen habe. Enttäuschend waren höchstens einzelne Aspekte bestimmer Filme, insgesamt war es aber ein überraschend tolles FFF.

Filmfest München 2010: Fazit – Kurzbewertungen und Listen

Schon bei der vorletzten Berlinale hatten wir eigentlich geplant, abschließend eine Wertungs-Übersicht aller von ET-Autoren gesehenen Filme zu erstellen, was damals und auch sonst seither (wie so vieles) dann aber doch bei jeder Gelegenheit aufs Neue im Sande verlief. Beim diesjährigen Münchner Filmfest, bei dem wir zu dritt wohl letztlich rund ein Drittel des über 200 Filme umfassenden Programms abgedeckt haben, klappt es nun aber doch endlich mal. Genauere Anmerkungen zu einzelnen Filmen folgen demnächst vielleicht noch in gesonderten Beiträgen, hier soll es zunächst nur um ein nicht weiter erläutertes Fazit in Form von Wertungen und Listen gehen.

Anmerkung: das 10er Wertungssystem wird von allen drei Bewertern in der Verteilung recht unterschiedlich ausgelegt (die 6 drückt beim Einen womöglich eine ähnliche Wertschätzung wie die 7 eines Anderen aus etc.) und ist insofern natürlich nur bedingt vergleichbar, sondern jeweils vor allem im Kontext der jeweiligen Auslegung zu sehen. Und wie sich von selbst verstehen sollte, ist das alles natürlich auch nicht in Stein gemeißelt.

Abkürzungen:
() = unter Vorbehalt (wegen ungünstigen Sichtungsumständen bzw. starker Müdigkeit)
* = bereits gesehen gehabt (und beim Filmfest nicht nochmal gesehen)
** = wiederholt gesehen

Filmtitel (gemäß Filmfest-Ankündigung)Alexander P.AndreasChristoph
36 VUES DU PIC SAINT LOUP
(Jacques Rivette)
78*8
ACCIDENT
(Cheang Pou-Soi)
-7.5*9
AMER
(Hélène Cattet, Bruno Forzani)
6.589
DIE AUTOBIOGRAFIE DES NICOLAE CEAUSESCU
(Andrei Ujica)
98.59.5
BELAIR
(Bruno Safadi, Noa Bressane)
-7-
BERGBLUT
(Philipp J. Pamer)
--1
CAFÉ NOIR
(Jung Sung-Il)
-(5)-
CARLOS
(Olivier Assayas)
9.5-10
COPIE CONFORME
(Abbas Kiarostami)
43-
THE DARK HOUSE
(Wojtek Smarzowski)
-3-
DES HOMMES ET DES DIEUX
(Xavier Beauvois)
6.58-
DEUX DE LA VAGUE
(Emmanuel Laurent)
7--
DEV. D
(Anurag Kashyap)
-68.5
THE DOUBLE HOUR
(Giuseppe Capotondi)
--7
DRAQUILA – ITALY TREMBLES
(Sabina Guzzanti)
--6.5
UN DÍA MENOS
(Dariela Ludlow)
-7-
EIGHTEEN
(Jang Kun-jae)
-77.5
THE FOUR TIMES
(MIchelangelo Frammartino)
67.5-
GREETINGS FROM THE WOODS
(Mikel Cee Karlsson)
-3.5-
HOTEL ATLÂNTICO
(Suzana Amaral)
-4.5-
I TRAVEL BECAUSE I HAVE TO, I COME BACK BECAUSE I LOVE YOU
(Marcelo Gomes, Karim Aïnouz)
-7-
I WISH I KNEW
(Jia Zhang-Ke)
-6.5-
ILLÉGAL
(Olivier Masset-Depasse)
-3(3)
IN THE WOODS
(Angelos Frantzis)
6910
JE SUIS HEUREUX QUE MA MÈRE SOIT VIVANTE
(Claude & Nathan Miller)
969.5
LOS JÓVENES MUERTOS
(Leandro Listorti)
78.59
KHARGOSH
(Paresh Kamdar)
5.53.5-
DER LETZTE ANGESTELLTE
(Alexander Adolph)
6.5-7
DAS LETZTE SCHWEIGEN
(Baran Bo Odar)
5.5-6.5
LIFE DURING WARTIME
(Todd Solondz)
-4.5-
LIKE YOU KNOW IT ALL
(Hong Sang-soo)
-8*7.5
LITTLE BABY JESUS OF FLANDR
(Gust Van den Berghe)
-5-
LOLA
(Brillante Mendoza)
-7*-
LSD: LOVE, SEX AUR DHOKHA
(Dibakar Banejee)
5.5-5
MR. NICE
(Bernard Rose)
-68
MUNDANE HISTORY
(Anocha Suwichakornpong)
-76.5
MY SON, MY SON, WHAT HAVE YE DONE?
(Werner Herzog)
6.568.5
PAJU
(Park Chan-ok)
-7.58.5
PERSÉCUTION
(Patrice Chéreau)
6.55-
THE PORTUGUESE NUN
(Eugène Green)
49.54
POSSESSED
(Yong-Joo Lee)
--6
DIE PRINZESSIN VON MONTPENSIER
(Bertrand Tavernier)
9.5--
REDLAND
(Asiel Norton)
668.5
LE REFUGE
(Francois Ozon)
6.5--
THE ROAD
(John Hillcoat)
-7-
SHIT YEAR
(Cam Archer)
7--
THE STRANGER’S LAND
(Xavier Marrades)
-7-
TE CREÍS LA MÁS LINDA… (PERO ERÍS LA MÁS PUTA)
(José Manuel Sandoval)
-8-
TETRO
(Francis Ford Coppola)
7.579
TODOS VÓS SODES CAPITÁNS
(Oliver Laxe)
-8-
TRANSIT
(Philipp Leinemann)
--6
UNCLE BOONMEE WHO CAN RECALL HIS PAST LIVES
(Apichatpong Wheerasethakul)
4.593.5
UNTER DIR DIE STADT
(Christoph Hochhäusler)
379
VALHALLA RISING
(Nicolas Winding Refn)
6.569.5
DER WANDERER
(Avishai Sivan)
-7-
WHITE MATERIAL
(Claire Denis)
7.57.5-
A WHITE NIGHT
(Masahiro Kobayashi)
-24.5
WOMAN ON FIRE LOOKS FOR WATER
(Ming Jin Woo)
-8-
ZAPPING-ALIEN@MOZART-BALLS
(Vitus Zeplichal)
--2
***
Ältere Filme, erstmals gesehen:
DER BALL
(Ulrich Seidl)
7.5--
BRÜDER LASST UNS LUSTIG SEIN
(Ulrich Seidl)
7.5--
DER BUSENFREUND
(Ulrich Seidl)
-67
COPACABANA MON AMOUR
(Rogério Sganzerla)
-9.510
EINSVIERZIG
(Ulrich Seidl)
7--
GOOD NEWS: VON KOLPORTEUREN, TOTEN HUNDEN UND ANDEREN WIENERN
(Ulrich Seidl)
5--
ICH WILL DOCH NUR, DASS IHR MICH LIEBT
(Rainer Werner Fassbinder)
8.5--
DIE LETZTEN MÄNNER
(Ulrich Seidl)
--8.5
LOOK 84
(Ulrich Seidl)
7.5--
DER WIND WIRD UNS TRAGEN
(Abbas Kiarostami)
-(5)-
ZUR LAGE: ÖSTERREICH IN SECHS KAPITELN
(Ulrich Seidl, Michael Glawogger, Barbara Albert, Michael Sturminger)
8--
***
Unsere inoffiziellen Eröffnungs- und Abschlussfilme in Münchner Kinos abseits des Festivals:
THE HILLS HAVE EYES
(Wes Craven)
88**9
JAGDSZENEN AUS NIEDERBAYERN
(Peter Fleischmann)
9.58.59

Und im Folgenden in Listenform…

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Vorschau Filmfest München: SHIT YEAR (Cam Archer)




SHIT YEAR ist ein Film des amerikanischen Independentregisseurs Cam Archer, sein zweiter Spielfilm nach dem von Gus van Sant produzierten WILD TIGERS I HAVE KNOWN, der 2006 seine Premiere auf dem Sundance Festival feierte. Seitdem entwickelte der Film sich zu einem kleinen Independent-(Festival-)Hit, der im Juni 2008 von Salzgeber sogar einen kleinen deutschen Kinostart und eine anschließende DVD-Veröffentlichung spendiert bekam. Näheres zu TIGERS hier und hier, einen ersten Eindruck vermittelt auch der Trailer:





SHIT YEAR (zu dem es leider noch keinen Trailer gibt) scheint noch einmal ein ganzes Stück experimenteller geworden zu sein. Der Film wurde auf 16mm und in Schwarz-Weiß gedreht und handelt, so liest man, von einer erfolgreichen Schauspielerin, die ihre Karierre aufgibt und sich in ihre Haus in die Berge zurückzieht – und in der dortigen Isolation feststellt, dass sie mit ihrer Schauspiellaufbahn auch sich selbst aufgegeben hat.

Oder wie Archer selbst es im Interview mit dem “Filmmaker Magazine” äußert:

“After making Wild Tigers I Have Known, the first [movie], I started to feel disenchanted by the creative process. I started thinking, what would it be like if I stopped making art. How would that affect my identity? Would I now mean something else? Do I define my work, or does my work define me? Could I exist without it? What I am getting out of it any more? I started to feel that it was losing the thrill that it once had [for me]. I had been obsessed, and I was starting to feel burdened, and that was shitty. I knew I didn’t want to make a movie about a filmmaker [to explore these ideas], but an actress seemed more interesting to me — someone who is already stepping into other identities and removing themselves from themselves. And then I thought, what if that actress is retiring?” (…) Mehr

Die Hauptrolle in SHIT YEAR spielt Ellen Barkin (“played to perfection” – Variety), die in Deutschland leider nicht so bekannt ist wie in den USA – am Ehesten kennt man sie vielleicht noch aus THE BIG EASY (aber auch aus Solondz’ PALINDROMES, aus Hills JOHNNY HANDSOME, aus Jarmuschs DOWN BY LAW). Auch mit Blick auf ihre eigene Karriere eine sicher interssante Besetzung.

Jay Weissberg schwärmt in “Variety” weiter vor allem über die Kameraarbeit:

“Together with d.p. Aaron Platt, he’s [Cam Archer] created a world of striking images that combine elements from such black-and-white photographic masters as Garry Winogrand and Ansel Adams.”

Insgesamt scheint SHIT YEAR in Cannes durchaus gemischt aufgenommen worden zu sein (siehe z.B. Eric Kohn bei Indiewire), es gibt sogar Berichte, dass während den Vorstellungen nicht wenige den Saal verlassen hätten (was in Cannes ja eigentlich nie ein schlechtes Zeichen ist). Für mich klingt SHIT YEAR zunächst aber nach einer sehr spannenden Kombination aus formalem Experimentierwillen und sehr persönlich-reflektivem Inhalt – genug um mir den Film anzusehen.

Links:
SHIT YEAR beim Filmfest München
Ellen Barkin-Porträt der “New York Times” (von 1993)

Vorschau Filmfest München: LA DOPPIA ORA (Giuseppe Capotondi)




Als “Mystery-Thriller in der Tradition von M. Night Shyamalan, erzählt als Liebesmelodram” wird der Film LA DOPPIA ORA auf der Homepage des Münchner Filmfestes beschrieben. Giuseppe Capotondis Regiedebüt gewann auf dem Filmfestival in Venedig 2009 gleich drei Preise, darunter den Coppa Volpi für die beste Darstellerin, der an Ksenia Rappoport ging.

Auch Lee Marshall von SCREEN DAILY gab sich begeistert und sah frischen Wind durchs italienische Genrekino wehen:

“With this tasty genre piece, first-time director Giuseppe Capotondi proves there is life in Italian cinema beyond ponderous glossy dramas and pneumatic sex comedies. Mixing film noir, thriller, love story and supernatural horror, The Double Hour has some of the dour provincial atmosphere and subtly menacing tone of 2007 Italo murder mystery The Girl by the Lake; but it’s more intricately plotted, and takes us into much more intriguing dream-and-reality territory.”

Was auf dem Papier so klingt, als könnte Capotondi versuchen an einige der atmosphärischen, extravaganten italienischen Genremixe (mit Haupteinfluss des Giallo) der 70er anzuknüpfen, sieht im Trailer schon eher nach einem kühlen, unglamourösen psychologischen Thriller mit Euro-Noir-Anleihen aus:



Capotondi hat vor seinem Debütfilm hauptsächlich Musikvideos gedreht, so dass es nicht verwundert, dass der Soundtrack ziemlich ausgewählt ist und etliche Progressive Rock Bands vereint (u.a. “Godspeed You! Black Emperor”). Dazu hat Pasquale Catalano einen Score komponiert, einige seiner früheren Arbeiten (aus LE CONSEGUENZE DELL’AMORE von Paolo Sorrentino) kann man sich bei Youtube anhören. Klingt ein bißchen nach Philip Glass, aber in der Tat erstmal sehr atmosphärisch und viel versprechend.

Ein amerikanisches Remake soll angeblich auch schon in Planung sein.

Links:
LA DOPPIA ORA beim Filmfest München

Vorschau Filmfest München: DAS LETZTE SCHWEIGEN (Baran bo Odar)




Die Reihe “Neue Deutsche Kinofilme” war 2009 am Tiefpunkt, als die Jury um Caroline Link den Förderpreis Deutscher Film in den Kategorien Regie und Drehbuch nicht vergeben wollte – aus Mangel an geeigneten Kandidaten und weil sie sich durch eine Vorschlagsliste bevormundet fühlte. Insofern wird diese Sektion 2010 sicher besonders im Fokus stehen, zumal die Jury mit u.a. Christian Petzold erneut mit Köpfen besetzt wurde, von denen nicht zu erwarten ist, alles unkritisch abzuwinken, was ihnen in der Reihe so vorgesetzt wird.

Mit dem frisch aus Cannes kommenden UNTER DIR DIE STADT von Christoph Hochhäusler, DER LETZTE SCHÖNE TAG von Ralf Westhoff und DER LETZTE ANGESTELLTE von Alexander Adolph sind schon mal drei Hochkaräter im Programm, die allerdings alle nicht für den “Förderpreis Deutscher Film” in Frage kommen dürften, da es sich bei allen dreien um relativ erfahrene Regisseure handelt.

Ein möglicher Kandidat für den Preis wäre dagegen DAS LETZTE SCHWEIGEN des HFF München-Absolventen Baran bo Odar, mit dessen Nominierung den Kuratoren der “Neuen Deutschen Kinofilme” durchaus ein kleiner Coup gelungen sein könnte.

Odars 60-minütiger, in Cinemascope gedrehter Debütfilm UNTER DER SONNE, dessen stylischen Trailer man sich auf der offiziellen Homepage des Regisseurs anschauen kann, war ein Festivaldauerbrenner von Max Ophüls über Sao Paolo bis Slamdance und erhielt hymnische Kritiken der deutschen wie ausländischen Presse (ebenfalls nachzulesen auf der offiziellen Homepage). Ein bißchen wirkt er wie der abgründigere kleine Bruder von Hendrik Handloetgens 80er-Kindheitserinnerung und Beatles-Hommage PAUL IS DEAD. UNTER DER SONNE wurde in Erlangen, dem Ort Odars Kindheit, gedreht.





Im Presseheft schreibt Odar dazu:

“Ich bin in einer typischen, deutschen Kleinstadt in den 80er Jahren aufgewachsen. Ein Ort, der überall in Deutschland wieder zu finden ist: Endlose Reihenhaussiedlungen, spießige Kleingärten, die dicht an dicht gereiht sind, heiße Asphaltstrassen, Steintischtennisplatten, leere Garagenhöfe, schreiende Kinder in Schwimmbädern aus Beton, Schürfwunden am Knie, Lakritzschnecken in weißen Papiertüten, Puffreis… Kindheitserinnerungen, die diese Zeit prägen und das Gefühl des Wohlbehüteten und des Sicheren wiedergeben. Aber auch für die Leere und Langeweile, die für diese Zeit steht. Allen geht es eigentlich gut und dennoch stimmt etwas in dieser heilen“ Welt nicht.

Diese Banalität lag wie eine kuschelige Decke über uns, beschütze uns und lag doch schwer auf unseren Schultern. Tauchte man erst einmal unter ihre Oberfläche, entdeckte man ihre erschreckende und gähnende Tiefe und Leere.

Die Entscheidung in meiner Heimatstadt zu drehen, fiel relativ schnell. Schon beim Schreiben des Drehbuches hatte ich ganz bestimmte Orte und Plätze im Kopf, die mir in meiner Jugend über den Weg liefen. So drehten wir die Reihenhaussiedlung und ihre Häuser, dort wo ich selber gewohnt habe: bei meinen Eltern und bei meiner früheren Nachbarin. Auch das Schwimmbad und die darum liegenden Wälder waren Orte, an denen ich meine Kindheit verbrachte.”



Insofern wirkt DAS LETZTE SCHWEIGEN erstmal wie die verlängerte Version von Odars Erstling. Wieder Nikolaus Summerer als Kameramann, wieder Cinemascope, wieder Erlangen und Umgebung als Drehort (siehe Making Of-Bericht hier), wieder die 80er als Ausgangspunkt, wieder die Provinz, ihre Oberflächen und ihre Abgründe. Diesmal aber mit einer ungeheuer prominenten Besetzung: Ulrich Thomsen, Burghart Klaußner, Kathrin Saß, Wotan Wielke Möhring. Der viel versprechende Trailer ist schon seit Monaten online:





DAS LETZTE SCHWEIGEN basiert auf dem Kriminalroman DAS SCHWEIGEN von Jan Costin Wagner, der Teil einer Trilogie um den finnischen Kommissar Kimmo Joentaa ist (also tatsächlich Skandinavien-Krimis von einem deutschen Autor).

Das Breitwandformat, die erfolgreiche Romanvorlage, die internationale Besetzung (wieder mit einem Dänen) wecken Erinnerungen an Anno Sauls unterschätzten, an der Kinokasse leider völlig untergegangenen Thriller DIE TÜR (der in München zufälligerweise im Rahmen der Hommage an Mads Mikkelsen ebenfalls zu sehen sein wird). Zudem war Baran bo Odar Regieassistent bei Maren Ades knallharter Provinzstudie DER WALD VOR LAUTER BÄUMEN. Diese Kombination in der Verbindung mit Urbildern deutscher Kinogeschichte (von M bis zu ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG) lässt auf jeden Fall hoffen, dass hier ein außergewöhnlicher deutscher Genrefilm entstanden sein könnte.

Links:

DAS LETZTE SCHWEIGEN beim Filmfest München
DAS LETZTE SCHWEIGEN – Filmhomepage
Baran bo Odar
Nikolaus Summerer
Movies & Sports

Vollständige Ulrich Seidl-Werkschau beim Filmfest München



Die erste Retrospektive (mit dem/der CineMerit-Award-Preisträger/in wird noch eine weitere, vermutlich etwas kleinere folgen) des diesjährigen Münchner Filmfest steht fest: Ulrich Seidl. Und zwar mit allen Kurz- und TV-Filmen. Zitat:

Das FILMFEST MÜNCHEN präsentiert in der Retrospektive erstmalig alle Filme von Ulrich Seidl – eine Werkschau, die 30 Jahre umfasst: Von EINSVIERZIG, Seidls erstem Kurzfilm auf der Wiener Filmakademie, und DER BALL, “der Grund, warum man mich aus der Filmakademie rauswarf” – bis hin zu aktuellen Projekten. Neben den Kinofilmen werden auch seine für das Fernsehen produzierten Filme (SPASS OHNE GRENZEN, DER BUSENFREUND, DIE LETZTEN MÄNNER u.a.) sowie einige kaum bekannte Kurzfilme zu sehen sein.

Mehr Informationen hier.

Zur Steigerung der Vorfreude schonmal: Romuald Karmakar über Seidls GOOD NEWS.

Da Cannes-Gewinner UNCLE BOONMEE WHO CAN RECALL HIS PAST LIVES von Apichatpong Weerasethakul eine Co-Produktion des Münchners “Haus der Kunst” ist, stehen die Chancen nicht schlecht, dass auch er in München zu sehen sein könnte. Zumindest die letzten drei Jahre waren die Gewinner der Goldenen Palme (4 WOCHEN, 3 MONATE UND 2 TAGE, ENTRE LES MURS, DAS WEISSE BAND) auch immer beim Filmfest verteten.