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100 deutsche Lieblingsfilme #73: Schlußakkord (1936)

In Schlußakkord erstrahlt beinahe jeder Schauspieler als Star, fast jeder bekommt seinen ‘Auftritt‘, einen Moment, in dem er glänzen darf; und wenn die Kamera auf dem jeweiligen Körper ruht, tritt die Figur aus dem Dunkel der Handlung und ihrer Zweckmäßigkeit heraus – scheint es, als drehe sich in diesem Moment alles nur um sie. Wie müssen diese Gesichter früher von den Kinoleinwänden geleuchtet haben, in silbrigen Nuancen schimmernd, von den Projektoren mit Kohlelampen durchschienen! —> MEHR LESEN

Sano Cestnik

Zeitnah gesehen: Acid Babylon (2020)

Gemeinhin sollte man annehmen, dass Filme, die derart huldigend von einem bekannten Schauplatz zum nächsten eilen, wie Cosmotropia de Xams jüngst im Würgegriff der Coronakrise gänzlich digital uraufgeführter “Acid Babylon” es handhabt, unwillkürlich zur reinen Fanrevue verkommen müssten. “Build on the cosmic spirit of these places”, heißt es im Abspann über ihn selbst sowie seine durch “Lucifer Rising” (Kenneth Anger, 1980), “Phenomena” (Dario Argento, 1985) oder “Malpertuis” (Harry Kümel, 1971) in nicht unbeträchtlichen Teilen des filmkulturellen Gedächtnisses abgelegten Schauplätze. Ein guter Leitfaden für diese strukturell überwältigende, narrativ oder gar didaktisch jedoch schweigsame Versuchsanordnung. Hier werden sie noch einmal ganz neu angelegt, diese Gedächtnisorte des Abseitigen. —> MEHR LESEN

André Malberg

Die Stadt in 52 Minuten: Il tram (1973)

    Gebären, Tod, gewirktes Einerlei,
    Lallen der Wehen, langer Sterbeschrei,
    Im blinden Wechsel geht es dumpf vorbei.

    (Georg Heym – Die Stadt)

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André Malberg

Seelenwucherungen am Gewebe – Skepp till Indialand (1947)

    I wish I was stronger; I wish I was thinner
    I wish I didn’t have this nose
    These ears that stick out remind me of my father
    And I don’t want to be reminded at all
    The final disappointment

    (Lou Reed – Harry’s Circumcision)

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André Malberg

In den Randbezirken der Lohnarbeit – The Bowler and the Bunnet (1967)

    New system, patent coupling, no welding, two boats and a sealing ring. Annual saving: 4.000 pounds.
    Well, that should appeal to the Scot in everyone.

    (Sean Connery lockert eine Präsentation auf)

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André Malberg

Von der schlummernden Mauer – Freddy und die Melodie der Nacht (1960)

    So geh ich allein und frage mich:
    Gibt’s ein Herz, das mich vermisst?
    Und wo ist der Mensch, der zu mir hält
    der genau wie ich, einsam ist?

    (Freddy Quinn – Melodie der Nacht)

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André Malberg

Belohnte Tugend


In Venedig traf ich einmal im Kinema einen Engländer. Er sass neben mir, und aus der Art, wie er sich hatte, merkte ich, dass auch er ein Afficionado war, so gut wie ich. So sprach ich ihn an, und wir plauderten zusammen. Dann kam ein Rollfilm, der den schönen Namen führte: “Belohnte Tugend“, da winkte er mir zu schweigen. Und er sah dieses Stück nicht -, er trank es mit seiner ganzen Seele. Es war eine etwas larmoyante Sache, die im Bois spielte; eine junge, sehr hübsche Schauspielerin vom Odéon spielte darin. Und dann sagte mir der Engländer, dass er in diese Frau verliebt wäre. Er reise nun schon seit fünf Wochen diesem Rollfilm nach, den er zuerst in Turin gesehen habe, er verfolge ihn durch alle italienischen Städte. Am Ende einer jeden Woche erkundige er sich bei dem Kinemabesitzer, wohin der betreffende Film nun gesandt würde – und dahin reiste er. Ich fragte ihn, warum er dann nicht lieber versuche, das Original kennen zu lernen, er brauche ja nur nach Paris zu reisen und sich nach der Adresse der jungen Dame zu erkundigen, so könne er in spätestens drei Tagen seiner Angebeteten zu Füssen liegen. Doch er schüttelte den Kopf – nein, nein, er liebe das Bild und nicht die Frau. – Vor einigen Wochen jedoch schrieb er mir von seinem Landhause in Devonshire einen überaus glücklichen Brief: er hatte sich einen Kinematograph gekauft und einen einzigen Rollfilm dazu: “Belohnte Tugend“. Nun kann er, wenn er nur will, mit seiner Geliebten allein sein, mit ihr träumen im Dunkeln.

Auszug aus: Hanns Heinz Ewers: Vom Kinema.
zuerst erschienen in: Der Kinematograph (Düsseldorf), Nr. 159, 12.01.1910

Sano Cestnik
12. Februar 2020 | 1 Kommentar | Artikel einzeln anzeigen |

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