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Der Unerschrockene – Ideen zu Frauen und Männern im 25. Todesjahr des Schauspielers Anthony Steel

    „Immer wieder hat der Künstler, ob er nun mit der Tradition oder gegen sie war, im Bildnis des Mannes das Charakteristische angestrebt und im Bildnisse der Frau das Typische (ich werde den Verdacht nicht los, daß das, was die Menschen einer Zeit jeweils das Ideal nannten, im Grunde nichts war als der Typus). Hinter jeder Kunst irgendeiner Zeit steht die deutliche Absicht, die Männer voneinander so verschieden zu gestalten wie nur irgend möglich und die Frauen einander so ähnlich wie nur irgend möglich. Je mehr ein Mann vom Typus abweicht, je stärker seine individuellen, ihn unterscheidenden Züge hervortreten, desto bedeutender wirkt er, desto interessanter wird er dem Maler. Je mehr eine Frau vom Typus abweicht, je individueller ihre Züge sind, desto uninteressanter wird sie dem Maler, desto häßlicher empfindet er sie. Das Wort häßlich als äußere Kennzeichnung ist ja überhaupt nichts anderes als das Bekenntnis dazu, daß man zu jeder Zeit die Aufgabe der Frau in der Entwicklung der Menschheit darin sah, den Typus ihrer Zeit möglich rein zu repräsentieren.“

    Wie alle weiteren Zitate Lothar Briegers aus: [„Das Frauengesicht der Gegenwart“, Lothar Brieger, Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart, 1930; S. 5]

Auf der Leinwand gehört der Mut den Frauen, kaum ein Mann ist hinter den spezifischen Schauspielereitelkeiten, die bereits im Vorfeld mit ausgewiesen „schwierigen“ Rollen einhergehen, je wirklich mutig. Lothar Brieger schrieb vor bald 100 Jahren über die Kollegin des Schauspielers: „Wir von heute aber empfinden dunkel, daß die wichtigsten kulturellen Entscheidungen der nächsten Zeit gar nicht beim Manne liegen, sondern bei der Frau. Und in diesem instinktiven Gefühl haben wir die Schauspielerin ergriffen und ganz vorn an die Rampe gezerrt, blicken auf sie, verlangen von ihr Antworten auf die Fragen, die dunkel in uns laut werden.“ [S.35] Schauspieler müssen keine Antworten geben, sie stellen Thesen auf, mit ihrem Körper, Thesen über Typen von Männlichkeit, Thesen fern des Selbst, Thesen zu den anderen. Es wird ihnen mehr Distanz zugestanden, eine Distanz, die man heute, wo die Abgeklärtheit an die Stelle der Aufgeklärtheit getreten ist, wohl wieder dem „intelligenten“ Geschlecht zuschreibt. Weiterlesen “Der Unerschrockene – Ideen zu Frauen und Männern im 25. Todesjahr des Schauspielers Anthony Steel” »

André Malberg
24. September 2026 | Kommentieren | Artikel einzeln anzeigen |

An exercise in cinematic comic book style with Pat Boyette and „The Dungeon of Harrow“ (1962)

    „I’d been in love with motion picture-making for a long time,“ Boyette recalls. „When television came in, suddenly there was a big market for films. I thought, ‚This is the thing to do. You can make some schlock and get by with it at this early stage.‘ Not that you purposely go out to make schlock. But the fact is, with limited resources, that’s the best you can hope for.“

    (Pat Boyette quoted in „A fright-fest of films by Pat Boyette“ by Marty Baumann [J. David Spurlock – The Nightstand Chillers – Vanguard Productions; p. 45])

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André Malberg
22. Januar 2026 | Kommentieren | Artikel einzeln anzeigen |

Wacher Ästhet des Dokumentarfilms – Eine Laudatio auf Dietrich Schubert

Ergänzt um einige illustrierende Bilder findet sich hier die Schriftfassung der Laudatio, die ich am 19.11.2025 im Jülicher Kulturbahnhof auf Dietrich Schubert halten durfte. Anlass war die Verleihung des Preises für Zivilcourage, Solidarität und Toleranz der Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz e.V., die sich um eine lebendige Erinnerungskultur bemüht.

    …

Lieber Dietrich, liebe Katharina,
sehr geehrtes Komitee der Jülicher Gesellschaft,
meine werten Damen und Herren,

wo beginnen, wenn man letztendlich auf die ganz großen Dinge der Wirkung, die einem Künstler, seinem Werk, aber auch Film als Medium gerne zugeschrieben werden, hinauswill und soll. Dazu habe ich mir in den letzten Wochen einige Gedanken gemacht. Am besten ganz auf den Anfang zurück, vor Wirkung und Erwartung von Wirkung, zu den kleinen Dingen, im großen Ganzen betrachtet unwesentlichen Erinnerungen. Weiterlesen “Wacher Ästhet des Dokumentarfilms – Eine Laudatio auf Dietrich Schubert” »

André Malberg

Versunkene Perlen aus dem Eskalierende-Träume-Archiv #01: No Man’s Land (1964)

Es ist wahrlich verlockend leicht, diesen offensichtlichst im extremen Maße kostengünstig (oder kosteneffizient, wie ich meinen möchte) zusammengeklöppelten Koreakriegsreißer als das zu verlachen, was er ist. Eine extensive Sammlung sich teils auch noch frech wiederholenden Archivmaterials von echten Kampfhandlungen, das sich mit sicherlich 75 Prozent der Gesamtlaufzeit um eine narrativ dürftigst herausgearbeitete Handlung und minimalistische Heldenreise geradewegs in die filmische Ausflucht erstreckt. Dies würde allerdings schnöde verkennen, dass er sich selbst am allerwenigsten dafür interessiert, was ist, und lieber in dem verharrt, was hätte sein können. Früh wird deutlich, dass vielerorts keinerlei Raumbegrenzungen existieren und andere gleichzeitig von größter Bedeutung sind. Weiterlesen “Versunkene Perlen aus dem Eskalierende-Träume-Archiv #01: No Man’s Land (1964)” »

André Malberg
31. Dezember 2025 | Kommentieren | Artikel einzeln anzeigen |

Zeitnah gesehen: Amrum (2025)

Gemeinhin pflegt man heute nicht mehr über den Tod des Führers zu weinen. Und dennoch geht er einem in Stellvertretung ganz nah zu Herzen, wenn man Zeuge wird, wie er sich hier über die Ohren in die Mimik der Menschen schleicht. Der kleine Nanning (Jasper Billerbeck) ist gerade zum Brunnen gegangen, als der Propagandasender im Haus die Nachricht vom furchtlosen Heldentod in Berlin berichtet und rasch von den markerschütternden Verzweiflungsschreien seiner Mutter überlagert wird. Eine ganze Weile lang interessiert sich die Kamera nur für sein Gesicht, auch die filmhandwerkliche Welt dreht sich nicht mehr. Starre Augen und Lippen lassen uns in die Seele sehn – hier bricht das einzige Universum zusammen, das man versteht, in dem man sich zu orientieren gelernt hat. Weiterlesen “Zeitnah gesehen: Amrum (2025)” »

André Malberg
24. November 2025 | Kommentieren | Artikel einzeln anzeigen |

„Weiter Weg, was?“ – Erinnerungen an Bernhard Marsch (1962 – 2025)


©Albrecht Fuchs

Es gibt eine Anekdote, die ich in der etwas über einen Dekade, die Bernhard Marsch den cinephilen Teil meiner Existenz durchaus sehr entscheidend mitprägte, nun wirklich jedem, der sie nicht hören wollte, immer und immer wieder vorgekaut habe. Vermutlich, weil ich früh den Symbolwert dieses ausgemachten Blödsinns spürte, sie ohne lange Episteln reich an distanzloser Schwärmerei viel preisgab über das, was den Filmclub 813 insbesondere als Ort zwischenmenschlichen Erlebens auszeichnet. Sie verweist ganz zurück auf den Anfang unserer Beziehung zueinander, somit gleichzeitig auf den Beginn meiner cinephilen Sozialisierung. Weiterlesen “„Weiter Weg, was?“ – Erinnerungen an Bernhard Marsch (1962 – 2025)” »

André Malberg
16. Oktober 2025 | Kommentieren | Artikel einzeln anzeigen |

Wunder gibt es immer wieder: Über Brigitte Horney, Kurt Waitzmann und Teddy Naumann in Alfred Vohrers „Neues vom Hexer“ (1965)

„Neues vom Hexer“, neben Harald Reinls in seiner wundervollen Heimatfilmseligkeit im Grunde viel besser zu dieser Zäsur passendem „Der unheimliche Mönch“ der zweite Film des abschließenden Wallace-Doppelschlags der ersten, der argloseren Hälfte der 60er Jahre, markiert in gleich zweifacher Hinsicht sowohl ein Ende als auch einen Neuanfang. Für die langlebigste Filmreihe der alten Bundesrepublik, jedoch ebenso für Alfred Vohrer, ihren vielbeschäftigsten Regisseur. Waren die Filme ab 1962, beginnend mit Vohrers großem Kassenschlager „Das Gasthaus an der Themse“, bereits graduell weniger vorlagengetreu geworden, ist dieser der erste, dessen Drehbuch sich in Gänze von den Situationen, Grundkonflikten sowie Figurenkonstellationen eines Wallace-Romans löst und stattdessen schlicht seinen Titel von dem der deutschen Übertragung der Kurzgeschichtensammlung „Again the Ringer“ (1929) borgt. Vohrer hingegen, seit seinem Einstand mit dem modernen deutschen Horrorklassiker „Die toten Augen von London“ (1961) stilistisch prägender Impulsgeber der Reihe, wurde mit dem Serienausstand des stets zuverlässigen Regiehandwerkers Franz Josef Gottlieb und des dem ernsthaften make believe amerikanischer Vorbilder ungleich stärker verpflichteten Harald Reinl im vorherigen beziehungsweise selben Jahr über weitere Jahre hinweg beinahe alleinig federführender Auteur. Zwischen 1966 und 1969 hatte allein die britische Ko-Produktion „Das Geheimnis der weißen Nonne“ (1966), einer unter sagenhaften acht Filmen innerhalb dieses neuerlichen Ausstoßhöhepunktes also, einen anderen Regisseur. Weiterlesen “Wunder gibt es immer wieder: Über Brigitte Horney, Kurt Waitzmann und Teddy Naumann in Alfred Vohrers „Neues vom Hexer“ (1965)” »

André Malberg

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