Kommende Filmfestivals: Berlinale & Fantasy Filmfest Nights

Nachfolgend eine etwas umfassendere Vorschau auf zwei kommende, überregional bedeutende deutsche Filmfestivals: die im Februar stattfindende Berlinale und die an drei März-Wochenenden durch sieben deutsche Städten tourenden Fantasy Filmfest Nights.

Zu letzterem Festival sind auf der Homepage von den insgesamt acht (an zwei Abenden gezeigten) Filmen bereits die ersten vier bekannt gegeben worden (wobei die bisherigen Titel überwiegend den Anschein von eher konventioneller Thriller/Horror-Kost machen und mich einzig THE GOOD, THE BAD, THE WEIRD wirklich anspricht, den ich mir, obwohl ich bei den letztjährigen Nights von SUKIYAKI WESTERN DJANGO ziemlich enttäuscht wurde, wohl nicht entgehen lassen werde, denn letztlich gilt halt dann im Zweifelsfall doch, dass ich alles, was irgendwie nach Western aussieht, nach Möglichkeit gerne im Kino sehe, weil man dazu im Allgemeinen mittlerweile sowieso nur noch viel zu selten Gelegenheit hat), die überraschend hinzugefügte Kartenpreisangabe für 3-D bei einigen der Städte lässt darüber hinaus eine Aufführung von MY BLOODY VALENTINE 3D als indirekt bestätigt erscheinen, was allein wegen des Formats durchaus eine spannende Sache wäre (ich bin vor allem neugierig, wie Real D im Vergleich zur Doppelprojektion alter 3D-Filme wirkt). Immer unwahrscheinlicher wird dagegen wohl leider, dass EMBODIMENT OF EVIL (ein neuer Coffin-Joe-Film!) und BLACK DYNAMITE (der Trailer verspricht eine stilechte Blaxploitation-Hommage) im Programm auftauchen, auf die ich gehofft hatte und die ich mir in vieler Hinsicht auf den FFF-Nights gut hätte vorstellen können. Aber vielleicht gibt es unter den noch nicht bekannten Titeln ja noch Überraschungen. Für aktuelle Informationen zu den Nights ist die inoffizielle Fan-Seite f3a, das von einem Festival-Mitarbeiter betreute FFF-Unterforum der Plattform Cinefacts sowie der News-Bereich der Horrorpage Blairwitch zu empfehlen. (Nachtrag: während des Schreibens dieser Zeilen ist auf der FFF-Homepage mit LONG WEEKEND bereits ein fünfter Film offiziell angekündigt worden. Rechnet man die sehr wahrscheinliche 3D-Vermutung noch dazu, fehlen nur noch zwei Filme.)

Die Berlinale wiederum wird ihren genauen Spielplan mit den Aufführungszeiten sämtlicher Filme am kommenden Dienstag (27.1.) vorstellen, allerdings sind die Filme der einzelnen Kategorien in den vergangenen Wochen bereits nahezu komplett bekannt gegeben worden. Der Wettbewerb bietet ein paar interessante Namen, ist in seiner Gesamtheit unter filmischen Gesichtspunkten aber erfahrungsgemäß eher durchwachsen (gelegentlich lässt sich zwar Großes dort finden, aber weil bei der Auswahl vermutlich häufig eher Prestige und Themen zählen, ist gepflegtes Mittelmaß oder weitaus schlimmeres allzu häufig die Folge) und ist aus meiner persönlichen Sicht dann doch eher Lückenfüller als Zentralanlaufstelle, schon allein durch den Umstand, dass vergleichsweise viele der dort gezeigten Filme im Verlauf des Jahres auch einen regulären deutschen Kinostart erhalten werden. Das ist wiederum bei den Filmen des Forums deutlich seltener der Fall (und wenn, dann meistens nur mit einer langsam durchs Land tourenden Kopie im Verleih der Freunde der Deutschen Kinemathek), wobei im diesjährigen Programm besonders der südkoreanische Schwerpunkt und die US-Indies (Stichwort: Mumblecore; zu einigen Titeln des Forum-Programms findet sich übrigens eine sehenswerte und neugierig machende Zusammenstellung von Trailern und Interviews auf dem Blog von Thomas Groh) aufmerksam machen und ungewöhnlich viele deutsche Filmemacher vertreten sind (Schmid, Ottinger, Farocki, Heise, Schipper), während einige Projekte von „Forum expanded“ eine spannende Beschäftigung mit filmischer Materialität und den filmischen Grenzbereichen in Richtung Installation und Videokunst versprechen. Etwas schade einzig, dass die Forum-Specials in Sachen ältere Filme und Hommagen (letztes Jahr sehr toll: Kôji Wakamatsu) dieses Jahr offenbar vergleichsweise dünn aufgestellt sind. Liegt vielleicht auch ein bisschen daran, dass dieses Jahr das Panorama zum dreißigjährigen Jubiläum der Kategorie umso stärker mit zahlreichen Specials wirbt. Noch nicht genauer beschäftigt habe ich mich bislang mit dem Programm von Generation, wo die Orientierung aufgrund des manchmal (gerade in den Beschreibungen) etwas irreführenden Zuschnitts aufs junge Zielpublikum nicht immer einfach fällt. Eine feste Bank in diesem Jahr und zweifelsohne persönliche Pflichtveranstaltung Nummer Eins ist indes die 70mm-Retrospektive, die obendrein den Vorteil bietet, dass sich hier schon aufgrund des Formats praktisch jede Vorführung lohnen dürfte (dass man sich indes über Kinoausstattungen, Vorführprämissen und Kopienqualitäten gerade bei diesem Thema ausgiebig streiten kann, beweisen die seitenlangen und leider auch häufig etwas unübersichtlichen Diskussionen und Auseinandersetzungen im entsprechenden Bereich des Filmvorführer-Forums). Die ausgewählten Filme der Hommage an Maurice Jarre sind bislang noch nicht bekannt gegeben worden, neben den großen Leinwandepen von David Lean befinden sich hoffentlich auch einige selten gezeigte Raritäten darunter. Die Sonderreihe „Winter adé – Filmische Vorboten der Wende“ werde ich, obwohl sie einige rare Entdeckungen verspricht, vermutlich weitgehend auslassen und auf das in Aussicht gestellte Nachspiel in kommunalen Kinos hoffen. Im Berlinale Special sind neben einigen aus meiner Sicht verzichtbaren Premieren von ohnehin bereits im regulären Startplan terminierten Großprojekten auch einige interessante neue Spätwerke alter Kino-Heroen wie Rudolf Thome, Manoel De Oliveira oder Ermanno Olmi vertreten. Fehlt bei der Kategorien-Rundschau im Wesentlichen nur noch „Perspektive Deutsches Kino“ und die „Berlinale Shorts“, die aber aus diversen Gründen wohl beide auch 2009 eher außerhalb meines Radars laufen werden. Es scheint, so ist wohl bereits deutlich geworden, dieses Jahr ohnehin eher ein Über- als ein Unterangebot an reizvollen bis unerlässlichen Filmen zu geben (jedenfalls unter der Voraussetzung, dass man ältere Filme und Aufführungsbesonderheiten miteinbezieht).

Noch ein Festival-Hinweis von zwangsläufig nur regionaler Bedeutung: die alljährlichen StummFilmMusikTage Erlangen zeigen kommenden Samstag (24.1.) in einem vorübergehend eigens dafür ausgestatteten Theatersaal drei Stummfilme mit erfahrungsgemäß meist aufwendiger Musikbegleitung (alle zwei Jahre sind es sogar deutlich mehr Filme über vier Tage verteilt, dieser Fall tritt aber erst 2010 wieder ein).

Die 14 Erscheinungsformen des Films

Als ich letzens ein vorbestelltes Buch in der Universitätsbibliothek abholen wollte, musste ich zu meinem Ärgernis feststellen, dass mir mal wieder das falsche geliefert worden war. Autor und Titel stimmten zwar, doch ich hatte extra um die Erstausgabe gebeten. Auf dem Umschlag stand jedoch „Band 2: 1946-1955“, und die Innenseite beteuerte mir nochmal „München 1981“. Da hatte ich mich schon gefreut an Alfred Bauers Erstauflage des Deutschen Spielfilm Almanachs zu kommen, und dann so was.

Wie auch immer, auf den ersten Seiten fand ich eine gleichfalls interessante wie gewagte Einteilung des abendfüllenden Spielfilms in 14 Kategorien. Die 14 Kategorien, sowie Einleitung und Schlußbemerkung habe ich im folgenden (fast) vollständig abgetippt. Die Erläuterungen zu den einzelnen Kategorien schienen mir aber doch zu lang (und meine Zeit zu knapp) um mit ihnen genau so zu verfahren – falls Interesse besteht kann ich aber natürlich jederzeit noch ein paar Erläuterungen von Herrn Bauer hinzufügen (jedenfalls solange ich das Buch noch habe). Das Diskussinswürdige sind ja zunächst einmal auch die Auswahl und die Benennung der Kategorien, und ich wollte herausfinden, was ihr dazu meint. Ich frage mich einerseits, ob die Westdeutsche Filmkritik damals wirklich so naiv war (Dr. Alfred Bauer war u.a. auch der erste Festivalleiter der Berlinale), oder ob es einfach nur eine größere Vielfalt an Filmen gab.  So absurd diese spezifische Einteilung auf den ersten Blick erscheinen mag, bin ich doch der Meinung, dass sie aus der Zeit heraus verständlich und leicht anwendbar gewesen sein muss. Für mich dennoch ein Kuriosum.

„Der Film ist eine Kunst, die, wie andere Kunstarten auch, darauf bedacht ist, Menschenschicksale wiederzugeben, und das Leben sinnblidlich darzustellen. Als die jüngste unter den Künsten ringt der Film immer wieder mit dem Problem der Form und erprobt, um seine eigenen Gesetze zu entdecken und weiter zu entwickeln, alle Gestaltungsmöglichkeiten die sich ihm bieten. Die Erscheinungsarten des Films sind sehr mannigfaltig und können in ihrer Fülle nicht festgelegt werden. Aus der Vielzahl der Spielarten lassen sich jedoch folgende 14 nach stofflich-inhaltlichen Kriterien gegliederten Hauptgruppen des abendfüllenden Films herauskristallisieren

1. Der dramatische Film

2. Der zeitnahe Film

3. Das Lustspiel

4. Das Volksstück

5. Der ernste Musikfilm

6. Der heitere Musikfilm

7. Der historische Film

8. Der Kriminalfilm

9. Der Abenteuerfilm

10. Der Science-Fiction-Film

11. Der Märchenfilm

12. Der Experimentalfilm

13. Der Trickfilm

14. Der Dokumentarfilm

Die genannten 14 Erscheinungsformen des Films könnn auch als Mischform auftreten, z.B. als Kriminalkomödie, musikalisches Abenteuerlustspiel, märchenhaftes Volksstück. Maßgebend für die Einordnung eines Films in eine der 14 Gruppen bleibt immer das überwiegende Charaktermerkmal des Films.“

Nicht der Intellektuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt

Über Zitate im Film, in Cinephilenkreisen grassierendes verbales Intellektuellenbashing und einen verkannten britischen Regisseur

„Ihr Menschen! Ihr Ungeheuer!“
…um gleich mit einem Zitat zu beginnen, hach ihr Leser werdet nie darauf kommen von welcher semifeministischen österreichischen Dichterin (Jelinek: falsch! Ätsch!) das ist *evil laughter*! Ihr seid ja auch größtenteils so minderwertig ungebildet, bä, bä, bä *ausspuck*!
Achja, immer diese Zitate, furchtbar. Diese Anmaßung, dieser Pomp, diese p-p-p-p-p-problematische Ausweitung des Bedeutungsspielraums eines Films durch Fremdanleihen, die auch noch als bekannt vorrausgesetzt werden. Puh, dieser Burton zum Beispiel mit seinen widerlich-arroganten Romantikanleihen, wie der alle Unbelesenen vom vollen Verstädnis seiner Filme ausschließt… Und dann erst dieser Argento, der seine Sets mit Escherbildern tapeziert und auch noch geschmackloserweise die Handlung in Straßen wie der Escher- oder der Fritz-Lang-Strasse spielen lässt, widerlich!

Doch halt! Nein!!! So ist es ja gar nicht, Burton, Argento und andere gutgeheißene Zitatschleudern spielen ja „unprätentiöse“, versteckte und subtile Art auf ihre Vorbilder und Referenztexte an, während Mr. P. G. aus UK, scheinbar der bescheidenste von allen, der von sich selbst sagt ein Zwerg auf den Schultern von Riesen zu sein, es wagt ein Gemälde (!!! *keuch*), zudem ein barockes (ogott! gehts schlimmer?) mehr oder weniger auffällig in die Mise en Scéne zu integrieren und dann auch noch einige Figuren so zu kostümieren wie die Leute, die darauf abgebildet sind: IIIIIIIIIIIIHHHHHHHHHHHHHHHHHH!!!!! Wie furchtbar!!! Dabei darf man sich doch nicht auf sowas derart elitäres, gossen- und kneipenfernes wie bildende Kunst, und schon gar nicht auf solche die in Museen hängt beziehen!!! Das DARF man halt nicht. Warum? Weil die halt nunmal prätentiös ist, nur was für arrogante eitle Bildungsbürger, die sich daran ergötzen wie gut sie selbst daneben im Museum oder wenn sie reich sind im eigenen Wohnzimmer aussehen. Und das geht natürlich keineswegs auf so etwas wie eine den Geist der Kunst vergewaltigende Aneignung von Malerei als Prestigesymbol zurück, sondern es ist eben einfach so, dass vor der Entstehung des Bildmediums Films, alle bildenden Künstler und unter ihnen vor allem die kanonisierten (Merke: Kanon=böse!), realitätsferne, menschenverachtende Arschlöcher waren und ihre Kunst dementsprechend die furchtbare Duftmarke des Dünkels trägt, gelle?

Und wer dann noch einen Schritt weitergeht wie dieser britische Schnösel und das Bildmedium Film mit dem Jahrhunderte lang dominanten Bildmedium Malerei und dessen Sprache vergleicht und sich gar demutsvoll in dessen Schatten stellt, der ist natürlich endgültig zum Dr. Mengele des Bildererzeugens geworden, der mit widerlichen, abstoßenden Formexperimenten am Zuschauer nichts anderes im Sinn hat, als dem armen, bescheiden auf leichtgemachte emotionale Involvierung hoffenden Durchschnittsrezepienten vorzuführen wie unvollkommen er doch ist, weil er nicht über den erlauchten Geheimcode der selbsternannten und -verliebten Bildungselite verfügt, die sich an ihrer Exklusivität und vermeintlichen menschlichen Überlegenheit gar köstlich berauscht und sich mit hochgezogegen Augen und zur Rosette gespitzten Lippen selbst auf die Schulter klopft, wenn sie ein Zitat aus dem Schatz des Bildungskanons erkannt hat und sich als Teil der Elite begreifen kann. Ja, so haben wir sie gern unsere geliebte Intellektuellen- und Bildungsbürgerabziehfolie, die ja so rein gar nichts gemeinsam hat mit den Judenkarikaturen im „Stürmer“ und gewissen Abhandlungen über „Neger und andere Tiere“ aus dem 19. Jahrhundert, nein, im Gegenteil, DIE sind ja die Faschisten, die Intellektuellen, weil die sich ja einbilden, sie wüssten wie und was man zu denken hat und es vorschreiben und vordenken, als selbstherrliche Vordenker, gelle?

Achjeh, zu schlimm dieser P. G., den vollen Namen wollen wir gar nicht ausschreiben um nicht unnötig Prätentionsdämonen zu invozieren. Künstlichkeit? Ja! Aber dann doch bitte bonbonfarben und alle sollen singen, das ist volksnah, bodenständig und gut und wahr und schön. Bitte ja nichts was nach Theater oder klassischer Malerei riecht und aussieht, das ist nur was für Snobs und hatte noch nie was mit dem wirklich wahren echten Leben zu tun. Dann auch noch Sex & Cannibalism? Jetzt hörts aber auf, is‘ ja widerlich, jedenfalls in diesem eitlen Gewand, fast schon eine Ästhetisierung…oh gott…gewalt…ästhetisiert??? FASCHISMUS!!!!! Können wir das Böse denn nicht bitte anstandshalber auch hässlich zeigen. Oder doch bonbonfarben, wenn’s denn unbedingt bunt sein muss.

Tja, leider bin ich ihm völlig verfallen, auf ihn rein gefallen, den großen Hochstapler Peter G. Ich dummer, unmündiger Rezeptionsdiletant habe mich einwickeln lassen in die Leichentücher der menschlichkeitsabtötenden Intellektualität, und mir jahrelang eingebildet beim Anschauen seiner Filme in einzigartige, rauschhafte Welten einzutauchen, die meine tiefsten Bewusstseinskeller zu durchdringen und ja, noch zu erweitern schienen. Oh glückliche Zeit der Sünde! Vorbei, vorbei! Nun muss ich schmerzhaft Buße tun, denn ich habe gefehlt. Nun muss ich von berufener Seite des Chewbacca und der Prinzessin Leia erfahren, dass ich all die Jahre in Selbsttäuschung verbrachte und das alle Tränen, die ich in Mr. Grünforts Cineversum geweint und gelacht habe vergeudet waren, dass ich gar nichts hätte fühlen dürfen, da die Filme gefühllos und kalt sind. Wie Josef K. im „Prozess“ werde ich von meinen gerechten Richtern in den Steinbruch der Reue geführt. Noch reichen sie einander immer wieder das lange Messer, unschlüssig wer die Strafe und zugleich Befreiung nun vollziehen soll, wartend, dass ich es mir, ihnen die Last nehmend, es selbst ins Herz stoße, meinem Abgott abschwöre, und mich endlich hingebe der einfachen, bescheidenen und liebevollen Umarmung von E. T.

Tulse Luper (*11.06.1985 +20.01.2009) R.I.P.

Neues von… Benedek Fliegauf

Der junge ungarische Regisseur Benedek Fliegauf (Jahrgang 1974) hat zur Zeit einen neuen Spielfilm in Produktion. Ich bin das erste Mal vor ca. vier Jahren auf ihn aufmerksam geworden, als einige interessante Rezensionen und Artikel zu seinem Film Dealer (Ungarn / 2004) erschienen sind. Leider musste ich einige Zeit warten, bis der Film in Deutschland ins Kino kam. 2007 hatte ich fast schon wieder vergessen von Fliegauf gelesen zu haben, als am Ende des Jahres ‚Dealer‘ überraschenderweise doch noch einen ofiziellen Kinostart bekam. Ich habe den Film zweimal in seiner Originallänge(?) von 160 Minuten gesehen (die DVD vom Deutschen Filminstitut ist leider um 25 Minuten kürzer, aber sicher dennoch mehr als nur einen Blick wert), und war nachhaltig beeindruckt.

Fliegauf hat seitdem neben einigen Kurzfilmen auch einen weiteren Spielfilm fertiggestellt, Tejút (Milky Way / Ungarn / 2007), den ich aber leider noch nicht sehen konnte. Sein neuestes Projekt heißt ‚Womb‘ und ist anscheinend eine deutsch-ungarische Koproduktion mit zusätzlichen Geldern aus London und Paris. Eurimages förderte das Projekt im Oktober 2008 mit einer Summe von 440.000 Euro. Geplante Drehzeit war im Oktober und Dezember letzten Jahres. Da die Razor Film Produktion GmbH aus Berlin an dem Projekt beteiligt ist, könnte der Film möglicherweise einen deutschen Kinostart bekommen. Zu wünschen wäre es ihm alle Mal.

Dealer beweist meiner Meinung nach, dass Fliegauf nicht nur einer der begabtesten und ehrgeizigsten zeitgenössischen Regisseure ist, sondern was die Ästhetik und den Rhythmus dieses Filmes angeht auch einer der eigenwilligsten und exzentrischsten. Im Besten Falle also eine singuläre Erscheinung im europäischen Kino, dessen Filme es außerhalb von Ungarn und einschlägigen Filmfestivals noch zu entdecken gibt.

Auf Youtube gibt es als Anregung einen kleinen Ausschnitt aus Dealer zu besichtigen:  Mother’s Grave

Trailervergleich: Revolutionary Road (2008)

Habe gerade eine empörte Mail von einem Freund erhalten, der sich über den deutschen Trailer zu Sam Mendes neuem Film ‚Revolutionary Road‘ (im deutschen als „Zeiten des Aufruhrs“ betitelt) beschwert. Da ich den Originaltrailer bereits mehrfach gesehen habe, und mich aufgrund dessen sehr auf den Film freue, war ich gespannt, wie der Film in Deutschland beworben wird.

Ich muss sagen – obwohl der ofizielle Amerikanische Trailer einer meiner absoluten Favoriten ist, und ich (nicht zuletzt wegen Nina Simones wunderschöner Musik) immer noch Gänsehaut bekomme, wenn ich ihn sehe – der deutsche Trailer gefällt mir sehr gut. Im Vergleich zum üblichen Brimborium, sticht der deutsche Beitrag immer noch weit über den Durchschnitt hinaus. Interessant ist jedoch die veränderte Musikauswahl, und der schwülstige Kommentar am Ende des Films. Ich hätte ja eigentlich angenommen, dass der Amerikanische Trailer mehr Pathos heraufbeschwören würde. Falsch gedacht.  

Weisen die Unterschiede vielleicht darauf hin, dass Sam Mendes in den USA einen Einfluß auf die Bewerbung seines Films ausüben konnte, der ihm hierzulande versagt blieb? Lauflänge und Szenenauswahl unterscheiden sich bei beiden Trailern nur gering voneinander.

 
Leonardo di Caprio und Kate Winslet umarmen sich und schauen sich in die Augen

Amerikanische Version                      Deutsche Version

 

Filmtagebuch (1)

Eigentlich sollte ich ja gerade meine Jahresendliste Verfassen. Ihr wisst schon, beste Filme 2008,etc., blablabla, pp. Ist bei mir aber nicht so interessant. Hab letztes Jahr einfach zu wenig aktuelle Filme gesehen (oder vielleicht war ich auch nur schlecht drauf?). Jedenfalls hab ich mich entschlossen, (scheiß neue Rechtschreibung – schreib ich das jetzt mit ß oder ss – nicht mal mehr bei Scheiße bin ich mir sicher…) lieber ein Filmtagebuch zu beginnen. Ist ja neues Jahr, gute Vorsätze, und so was. Ja, ein Filmtagebuch. Hmm, was schreibt man da wohl so rein? Noch eigentlicher sollte ich ja jetzt für Kunstgeschichte lernen. Und nicht auf nem blöden Blog rumschreiben. Ich glaub jetzt hab ich mich verzettelt.

Fangen wir nochmal an. Da neues Jahr ist, hab ich mal den guten Vorsatz gefasst 2009 wieder mehr über Filme zu schreiben. 2008 war da wirklich wenig los. Neben dem wenigen Film gucken auch noch weniger schreiben. War nicht so doll. Damit es dieses Jahr ganz anders wird (oder einfach mal so wie früher), hab ich mir mehrere Strategien überlegt. Eine davon ist dieses Filmtagebuch. Muss ja nicht immer ein anspruchsvoller Essay sein. Kann auch mal sinnloses vor sich hin Getippe werden. Was das jetzt alles mit Film zu tun hat? Vielleicht sollte ich nicht so viel mit mir reden, sondern auf den Punkt kommen. Eloquent sein. Wenigstens hier. Naja, wems nicht passt, der kann sch ja in den Kommentaren darüber beschweren. Schön dass es so was gibt. 🙂

Dieser Zeilenumbruch macht mir aber noch zu schaffen. Die Typographie gestaltet sich nicht wie ich möchte. Muss wohl noch mal mit dem Admin plaudern.

Wie auch immer, war im Urlaub, mal wieder in Slowenien, diesmal jedoch nicht über Weihnachten und Silvester, sondern nur über Silvester. Trotzdem einige Filme aufgetrieben. Am 3. Januar war ich mit meiner Freundin im Kaufhaus, und während sie Klamotten einkaufte, musste ich natürlich in die DVD Sektion laufen. In Slowenien gibt es leider keine spezialisierten DVD Läden. Und selbst die meisten Videotheken sind eher kümmerlich, in guter deutscher Tradition, mit dem besten der letzten 2 Jahre Filmgeschichte ausgestattet. Oder dem was sie dafür halten. Meinungen variieren schließlich. Scheiße – jetzt hab ich doch noch ein Kunstgeschichtsseminar.

Interview mit Philip Kaufman


Copyright © Fox Searchlight

Hab grad zufällig ein Interview mit Kaufman im Netz gefunden.

Da ja ein paar von euch sich „Quills“ beim BDSM Festival angeschaut haben, hier der Link.

Otto; or, up with Dead People

So, nun kommt sie endlich, meine langversprochene Kritik zu „Otto; or, up with Dead People“ des kanadischen Undergroundregisseurs Bruce LaBruce. Wie ihr meinem letzten Post entnehmen konntet hat dieser Film sogar seinen Weg in meine 100 Lieblingsfilme gefunden… So soll dieser Post eigentlich auch weniger eine Kritik im klassischen Sinne einer (sei es noch so illusorisch) um Objektivität bemühten Bewertung des Films sein, sondern eher meine persönlichen Assoziationen zu dem Film schildern (die natürlich sehr, sehr „p“ sind 😉 ).

Spätestens seit sich Zombies in „Dawn of the Dead“, dem zweiten Teil der legendären Zombiefilmreihe von Altmeister George A. Romero, in einem Einkaufszentrum auf die Wühltische stürzten, musste auch dem Letzten aufgehen, dass die Wiederkehr der Toten ins Leben, dass das Phänomen des „Untotsein“ auch im Sinne einer Gesellschaftskritik verstanden werden konnte. In „Otto…“ klärt uns gleich am Anfang des Films die Stimme der Regisseurin Medea Yarn (Katharina Klewinghaus) darüber auf, dass die Geschichte des Zombies Otto in eine Zeit (unsere?) fällt, in der Zombies nichts Außergewöhnliches mehr darstellen und die Begegnung mit Untoten in ihrer Alltäglichkeit jeglichen Schrecken verloren hat. Obwohl sich Zombies ja bekanntlich nicht auf biologischem Wege fortpflanzen gibt es scheinbar auch eine eigenen Gesetzen folgende Evolution der Zomies, von denen immer mehr rudimentäre Sprech- und Denkfähigkeit aufweisen. Eine neue Welle schwuler Zombies überschwemme zur Zeit Berlin, erfahren wir, während wir zu herrlich schaurig-poppiger Musik den jungen und auch als Zombie noch hübschen Otto (Jey Crisfar) aus seinem Grab emporsteigen und über den Friedhof wanken sehen. Im Laufe des Films wird uns immer wieder die Diskriminierung der Zombies durch die „Menschen“ vor Augen geführt, bis hin zum „Zombie Bashing“, dessen Opfer auch Otto einmal wird.

Der Film könnte nun in eine relativ plumpe Analogie abdriften, zwischen den (noch immer) gesellschaftlich außenvorstehenden Homosexuellen, deren Existenz von manch Einem ja bekanntermaßen ebenso gründlich verdrängt wird, wie die des Todes, bzw. der an den Tod erinnernden Verstorbenen. Die Wiederkehr der Begrabenen, dem Vergessen Anheimgegebenen wäre dann als sarkastisches Zerrbild der öffentlichen (heteronormativen, wenn man so sagen will 😉 ) Wahrnehmung der Schwulen und Lesben (oder der Gay Pride) im Sinne einer allzu lehrstückhaften Gesellschaftskritik zu verstehen.

Glücklicherweise schlägt der Film eine völlig andere Richtung ein, wobei es ihm gelingt die angesprochene Thematik dennoch, allerdings auf ungleich subtilere Weise mit einzubringen. Medea Yarn ist eben nicht die Erzählerin des ganzen Films, den bald schon erkennen wir, dass sie eine in scharzem Gewand auf Friedhöfen lustwandelnde, politisch engagierte Regisseurin ist, die gerade einen ebenso politisch engagierten Zombiefilm namens „Up with Dead People“ dreht. Obwohl sie durchaus als sympathische Person gezeigt wird, ist ihr Film (im Film) quasi als Parodie auf oben dargestellte Platitüden zu verstehen.  Durch diese ständige Ironisierung und Selbstreflexion des übertrieben Gesellschaftskritischen, bleibt es im Film zwar als Perspektive erhalten, wird jedoch zugleich in den Kontext einer wahrhaftigen und äußerst gefühlvollen Darstellung allgemein menschlicher existenzieller Problematik eingebettet.

Für ihren Film castet Medea eine ganze Reihe von Zombiedarstellern, denn ihre Ausführung über die Alltäglichkeit von Zombies bezogen sich anscheinend auf die Welt ihres Films…oder doch nicht? Auf ihre Anzeige hin meldet sich auch Otto, der…nun, anders ist als die „Darsteller“. Otto scheint ein echter Zombie zu sein, ein schwuler noch dazu, der zwar (da er vor seinem Tod Vegetarier war) keine Menschen aber immerhin rohes Fleisch (von überfahrenen Hasen zum Beispiel) verspeist, nach Leiche riecht und aussieht, durch die Gegend torkelt und nur mit ausdrucksloser Stimme kurze Sätze hervorbringt…

Manchmal schießen Erinnerungen an die Zeit als Lebender wie Blitze durch Ottos untoten Geist, an glückliche Momente, an seinen Ex-Freund… Nun ist Otto längst nicht mehr Angehöriger der Gemeinschaft der Lebenden, die aus seiner untoten Perspektive zu einer einzigen Person verschmelzen „…and I don’t like that person very much.“ Walter Benjamin schrieb einmal über die Melancholie: „Produkton einer Leiche ist das Leben, vom Tode her betrachtet.“ Produktion eines Zombies sind Leben und Tod, vom Wiedergängertum her gedacht, könnte man antworten. Diese Zeit, dieser Ort (oder vielleicht jede Zeit, jeder Ort?) produzieren Wesen, die schon gestorben sind und dennoch weiterlaufen und sprechen und denen nichts anderes übrigbleibt als wie Otto am Ende des Films einen „new way of death“ zu suchen. So liegt über dem ganzen Film eine (trotz Hardcoreszenen) ungeheuer sanfte, durch den augenzwinkernden Humor fast heitere Stimmung der Melancholie, die nicht weiter zu beschreiben, sondern nur zu erleben ist.

Die Virtuosität und spielerische Leichtigkeit des Films geht nicht zuletzt auch darauf zurück, dass hier gekonnt mit Perspektivwechseln gespielt wird. Einige Szenen, die wir zunächst für die (filmische) Realität halten, entpuppen sich später als film(im film)ische der Medea Yarnschen Vision. Viele Szenen scheinen wir durch die Augen von Otto zu sehen, in unnatürlichen Farben und aus schiefen Blickwinkeln. Das Geniale dabei ist allerdings, dass der Film keine letzgültige Aussage über die jeweilige Ebene der „Wirklichkeit“ des Gezeigten trifft. Selbst ob Otto nun ein „echter“ Zombie ist bleibt ungeklärt, deutet doch einiges darauf hin, dass dies nur eine Wahnvorstellung Ottos sein könnte. Auch Medea Yarns bezaubernde Lebenspartnerin Hella Bent (Susanne Sachße), die von klimpernder Musik umhüllt, schwarz-weiß und nur in hübschgerahmten Untertiteln redend, wie sie ist, direkt einem Stummfilm entstiegen zu sein scheint, könnte letzlich eine Phantasie ihrer melancholisch-nostalgischen Freundin sein.

Es gäbe sicherlich noch viel mehr über diesen Ausnahmefilm zu sagen, aber ich hoffe allen Lust gemacht zu haben, die den Film noch nicht sehen konnten. Bei meiner im Prinzip uneingeschränkten Empfehlung wäre vielleicht noch anzufügen, dass dieser Film einige Szenen enthält, die die Ekelschwelle von allzu empfindsamen Menschen im wahrsten Sinne des Wortes durchstoßen könnten. (Sorry, das konnt ich mir jetzt nicht verkneifen 🙂 )

Listenwahn, die Zweite…

So…nun ist mir Sano also doch mit dem Posten zuvor gekommen. Und da er mit dem Listenwahn wohl mich mitgemeint hat werde ich hier auch meine „Top 100“-Liste präsentieren, die ich mittlerweile bereits mehrfach überabeitet habe und die trotzdem als vorläufig anzusehen ist, nicht nur, weil wir ja alle unentwegt Filme in uns aufsaugen, sondern auch weil ich einige der Filme, ide jetzt auf der Liste sind, wie auch einige der, die knapp nicht drauf gekommen sind dringend wiedersehen müsste.

In der Form habe ich die Liste dem, wie ich finde, sinnvollen Konzept Christophs angepasst: grundsätzlich chronologisch geordnet aber in zwei Teillisten aufgeteilt, also quasi die Top 50 (A) und dann die Ergänzung zur Top 100 (B).

Viel Spaß beim drauf Rumhacken ;-)!

A)

1. Friedrich Wilhelm Murnau: „Nosferatu“, 1922

2. Billy Wilder: „Sunset Boulevard“, 1950

3. Alfred Hitchcock: „Vertigo“, 1958

4. Federico Fellini: „8 ½“,1963

5. Vera Chytilova: „Sedmikrasky“ / „Tausendschönchen“, 1966

6. Stanley Kubrick: „2001 – A Space Odyssey“, 1968

7. Pier Paolo Pasolini: „Teorema“, 1968

8. Sergio Leone: „C’era una volta il West“ / „Spiel mir das Lied vom Tod“, 1968

9. Federico Fellini: „Satyricon“, 1969

10. Michelangelo Antonioni: „Zabriskie Point“, 1970

11. Werner Herzog: „Auch Zwerge haben klein angefangen“, 1970

12. Ken Russell: „The Devils“, 1971

13. Stanley Kubrick: „ A Clockwork Orange“, 1971

14. Roman Polanski: „Che?“ / „Was?“, 1972

15. Alejandro Jodorowsky: „The Holy Mountain“, 1973

16. Shunya Ito: „Joshuu sasori: Kemono-beya“ / „Sasori : Den of the Beast“, 1973

17. Nicolas Roeg: „Don’t Look Now“ / „Wenn die Gondeln Trauer tragen“,1973

18. Roman Polanski: „Le Locataire“ / „Der Mieter“, 1976

19. Rainer Werner Fassbinder: „Chinesisches Roulette“, 1976

20. Alain Resnais: „Providence“, 1977

21. Dario Argento: „Suspiria“, 1977

22. Luis Bunuel: „Cet obscur objet du désir“ / „Dieses obskure Objekt der Begierde“, 1977

23. Nobuhiko Obayashi: „Hausu“, 1977

24. David Lynch: „Eraserhead“, 1978

25. Francis Ford Coppola: „Apocalypse Now“, 1979

26. Andrej Tarkowskij: „Stalker“, 1979

27. Stanley Kubrick: „The Shining“, 1980

28. Andrzej Zulawski: „Possession“, 1981

29. Ridley Scott: „Blade Runner“, 1982

30. David Cronenberg: „Videodrome“, 1983

31. Lars von Trier: „The Element of Crime“, 1984

32. Mamoru Oshii: „Tenshi no tamago“ / „Angel’s Egg“, 1985

33. Peter Greenaway: „A Zed and Two Noughts“, 1985

34. David Lynch: „Blue Velvet“, 1986

35. Christoph Schlingensief: „Egomania – Insel ohne Hoffnung“, 1986

36. Stephen and Timothy Quay: „Street of Crocodiles“, 1986

37. Andrzej Zulawski: „Na srebniem globje“ / „Der silberne Planet“ 1987

38. Peter Greenaway: „Drowning by Numbers“, 1988

39. Peter Greenaway: „The Cook, the Thief, His Wife and Her Lover“, 1989

40. Peter Greenaway: „Prospero’s Books“, 1991

41. Derek Jarman: „Edward II“, 1991

42. Jim Jarmusch: „Dead Man“, 1995

43. Stephen & Timothy Quay: „Institute Benjamenta“, 1995

44. David Lynch: „Lost Highway“, 1997

45. Lars von Trier: „Idioterne“ / „Idioten“, 1998

46. Roy Andersson: „Sanger fran andra vaningen“ / „Songs from the Second Floor“, 2000

47. Guy Maddin: „The Heart of the World“, 2000

48. David Lynch: „Mulholland Drive“, 2001

49. Oskar Roehler: „Der alte Affe Angst“, 2003

50. Takashi Miike: „46-okunen no koi“ / „Big Bang Love – Juvenile A“, 2006

B)

1. Luis Bunuel: „L’Age d’Or“, 1930

2. Fritz Lang: „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“, 1931

3. Tod Browning: „Freaks“, 1932

4. Orson Welles: „Citizen Kane“, 1941

5. Alain Resnais: „L’Année dernière à Marienbad“ / „Letztes Jahr in Marienbad“, 1961

6. Roman Polanski: „Repulsion“ / „Ekel“, 1965

7. Ingmar Bergman: „Persona“, 1966

8. Jan Švankmajer: „Rakvickarna“ / „Punch and Judy in the Coffin Factory“, 1966

9. Jean-Luc Godard: „Week-End“, 1967

10. Sergej Paradschanow: „Sayat Nova“ / „Die Farbe des Granatapfels“, 1968

11. Ingmar Bergman: „Vargtimmen“ / „Die Stunde des Wolfes“, 1968

12. Roman Polanski: „Rosemary’s Baby“, 1968

13. Antony Balch: „The Secrets of Sex“, 1970

14. Alejandro Jodorowsky: „El Topo“, 1970

15. John Waters: „Pink Flamingos“, 1972

16. Werner Herzog: „Aguirre – Der Zorn Gottes“, 1972

17. Toshiya Fujita: „Lady Snowblood“, 1973

18. Fernando Arrabal: „J’irai comme un cheval fou“, 1973

19. Stanley Kubrick: „Barry Lyndon“, 1975

20. Pier Paolo Pasolini: „Salò o le 120 giornate di Sodoma“, 1975

21. Robert Moore: „Murder by Death“ / „Eine Leiche zum Dessert“ 1976

22. Federico Fellini: „Casanova“, 1976

23. Sergio Leone: „Once upon a Time in America“, 1984

24. Christoph Schlingensief: „Menu Total“, 1985

25. Terry Gilliam: „Brazil“, 1985

26. Leos Carax: „Mauvais Sang“ / „Die Nacht ist jung“, 1986

27. Wim Wenders: „Der Himmel über Berlin“, 1987

28. Derek Jarman: „The Last of England“, 1988

29. Andrzej Zulawski: „Mes nuits sont plus belles que vos jours“, 1989

30. Alejandro Jodorowsky: „Santa Sangre“, 1989

31. Loriot: „Pappa Ante Portas“, 1991

32. Werner Herzog: „Lektionen in Finsternis“, 1992

33. Sally Potter: „Orlando“, 1992

34. Krzystof Kieslowski: „Drei Farben – Blau, 1993

35. Jean-Pierre Jeunet: „La cité des enfants perdus“ / „Stadt der verlorenen Kinder“, 1995

36. Ulrich Seidl: „Tierische Liebe“, 1995

37. Peter Greenaway: „The Pillow Book“, 1996

38. Emir Kusturica: „Schwarze Katze, Weißer Kater“, 1998

39. Todd Solondz: „Happiness“, 1998

40. Tom Tykwer: „Lola rennt“, 1998

41. David Cronenberg: „eXistenZ“, 1999

42. François Ozon: „Sous le Sable“ / „Unter dem Sand“, 2000

43. Darren Aronofsky: „Requiem for a Dream“, 2000

44. Michael Haneke: „Die Klavierspielerin“, 2001

45. Takashi Miike: „Bijtâ Q“ / „Visitor Q“ 2001

46. Fernando Meirelles: „Cidade de Deus“ / „City of God“, 2002

47. July Taymor: „Frida“, 2003

48. Todd Solondz: „Palindromes“, 2004

49. Wong Kar-Wai: „2046“, 2004

50. Bruce LaBruce: „Otto; or, up with Dead People“, 2008

Ein Versuch

Da sich gerade einige von uns – mal wieder- im Listenwahn befinden, habe ich mich auch hinreißen lassen,  diesem Thema einige Stunden zu widmen um aus meinen zahlreichen Lieblingsfilmen 100 Stück zu destillieren.

Was ein Streß…

Und das schlimmste: Die Nummerierung. Eigentlich unmöglich. Nur: Es besteht eben schon ein großer Unterschied hinsichtlich meiner Wertschätzung eines potentiellen Films auf Rang 1 und eines  potentiellen Kandidaten auf Rang 100. Also war es doch nötig, oder zumindest angebracht, eine Nummerierung zu wagen. So ganz zufrieden bin ich nach Abschluß der Arbeit nun zwar nicht – aber vorläufig lasse ich das erst einmal so stehen. Denn großartig ändern lässt sich da schon mal gar nichts. Aber im Grunde habe ich doch das Gefühl, dass ich noch wesentlich mehr Filme sehen sollte, dass die Liste in dieser Form doch nur ein Anfang sein kann (und wobei ich auch glaube, tatsächlich noch nie versucht zu haben Hundert Lieblingsfilme aufzulisten). Einige der hinterst platzierten Filme verdienen es wohl nicht wirklich, auf so eine exklusive Liste Eingang zu finden. Nichtsdestotrotz handelt es sich hier eben um meinen persönlichen Geschmack – und über den lässt sich zwar bekanntlich viel streiten. Ändern lässt er sich aber um so schwieriger. Und viel schlimmer ist es ja im Grunde meinen mehr als 500 übrigen Lieblingen ergangen, die hier gar nicht erwähnt werden konnten.  Eine Liste von Tausend Filmen wäre da schon weit gerechter, und in anderen Bereichen würden sich die Meisten wohl glatt an den Kopf fassen, wenn jemand versuchen würde die Musikgeschichte oder gar die Kunstgeschichte auf 100 Werke einzuschränken. Aber in der Begrenzung liegt ja bekanntlich die Herausforderung – und eine Liste sagt sowieso mehr über denjenigen aus, der sie angefertigt hat, als über das, worüber sie angefertigt worden ist.

Dennoch: zu viele Neuere Filme, zu wenig Experimentelles, und Kurzes, zu wenig Abwegiges und Kontroverses. Da müsste mich wohl demnächst jemand zwingen etwas abseits meiner ausgetretenen Pfade zu wandern. Hoffentlich recht bald.

Kurzer Nachtrag: Da das Formatieren doch länger dauert als gedacht und es auch noch sehr spät ist, gibt es zunächst einmal nur 20 Filme. Der Rest folgt in Kürze.

.

1. La maman et la putain  Die Mama und die Hure
Jean Eustache  Frankreich  1973
2. Vertigo
Alfred Hitchcock  USA  1958
3. Deus E o Diabo na Terra do Sol  Gott und Teufel im Land der Sonne
Glauber Rocha  Brasilien  1964
4. The Maltese Falcon  Die Spur des Falken
John Huston  USA  1941
5. Barry Lyndon
Stanley Kubrick  UK  1975
6. Goto, l’île d’amour  Goto, Insel der Liebe
Walerian Borowczyck  Frankreich  1968

7. Heat
Michael Mann  USA  1995
8. Les enfants du paradis  Die Kinder des Olymp
Marcel Carné  Frankreich  1945

9. 2001: A Space Odyssey  2001: Odyssee im Weltraum
Stanley Kubrick  USA  1968

10. Mes petites amoureuses  Meine kleinen Geliebten
Jean Eustache  Frankreich  1974

11. The Thin Red Line  Der schmale Grat
Terrence Malick  USA  1998
12. Iko shashvi mgalobeli  Die Singdrossel
Otar Iosseliani  Sowjetunion  1970
13. The Brown Bunny
Vincent Gallo  USA  2003
14. Csillagosok, katonak  Sterne an den Mützen
Miklos Jancso  Ungarn  1967
15. Tikhiye stranitsy  Flüsternde Seiten
Aleksandr Sokurov  Russland  1993
16. Sayat Nova  Die Farbe des Granatapfels
Sergej Paradjanov  Sowjetunion  1968
17. Le Mépris  Die Verachtung
Jean-Luc Godard  Frankreich  1963
18. City Lights  Lichter der Großstadt
Charles Chaplin  USA  1931
19. Un chien andalou  Ein andalusischer Hund
Luis Buñuel, Salvador Dalì  Frankreich  1928
20. Ganga Bruta
Humberto Mauro  Brasilien  1933

.