Neue Weltordnung – ein Dialog mit Lutz Dammbeck…

Lutz Dammbeck
© Lutz Dammbeck Filmproduktion

…über seinen Film Overgames als nicht abgeschlossene Ermittlung und die Tücken der Fernsehkoproduktion.
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ET Fernsehjuwelen – Liebesgrüße von dahoam

Seid ihr es auch immer Leid: Überall gibt’s Fernsehtipps, aber die wirklich wichtigen Filme verpasst man dann doch. Aber nicht mit Uns! Mit den exklusiven Eskalierende Träume Fernshejuwelen schaffen wir endlich Abhilfe. Wir durchforsten das Fernsehprogramm so gründlich, dass kein Krümel übrigbleibt, und kein Zuschauer vor der Glotze verhungern muss und wollen Ihnen hiermit fortan in lose wechselndem Abstand die persönlichen Empfehlungen der ET-Autoren nahe bringen.
(Alle Angaben ohne Gewähr)

So, nun ist es soweit. Lange spukte mir diese Idee im Kopf herum. Aber so richtig Lust hatte ich selten. Fernsehtipps, wer braucht das schon? Und außerdem besitze ich ja schon fast seit 10 Jahren keinen Fernsehanschluss mehr. Und der Verzicht. Und sowieso. Aber nun habe ich mich überwunden, ja ich musste mich letztendlich durchringen, aber es drängte sich mir einfach auf: Das Filmangebot in den kommenden Tagen ist großartig. Vor allem was deutsche und deutschsprachige Filme betrifft. Da braucht man gar nicht mehr zur Berlinale fahren, auch wenn man dadurch die Retrospektive um das Weimarer Kino verpasst. Denn vor allem in der Glotze gibt es regelmäßig Schönes und Sonderbares aus heimischen Landen zu bestaunen. Ich hoffe ihr werdet mit weit aufgerissenen Augen vor dem Bildschirm sitzen, wenn ihr meinen Ratschlägen folgt. Wenn nicht, Pech gehabt.

Die Auswahl erfolgt strikt nach persönlichen Vorlieben und Sehnsüchten. Und auch bei grenzwertigem neumodischen Schnickschnack ist der Autor im Zweifel für den Angeklagten. Die meisten Filme kenne ich selbst nämlich (auch) noch nicht. Ich lasse mich da gerne von meiner Intuition leiten. Ausgewählt habe ich bevorzugt Filme die im richtigen Bildformat gesendet werden, ohne Werbeunterbrechungen, ohne Kürzungen, und ohne ausländische (sprich: deutsche) Nachsynchronisation. Außnahmen bestätigen die Regel (und vieles bleibt letztendlich Spekulation). Weitere Hinweise oder Berichtigungen der Leser sind wie immer willkommen. Und damit sich niemand über Verpasstes ärgern muss, habe ich erst mit dem Programm von heute Nacht begonnen. Die Filmtitel sind übrigens machmal mit Verlinkungen zu Filmausschnitten oder Anderem ausgestattet.

 

Donnerstag 07. Februar

Solo Sunny
Konrad Wolf, DDR, 1980
MDR 23:35
Ein Film von Konrad Wolf und Wolfgang Kohlhaase.

Ganovenehre
Wolfgang Staudte, BRD, 1966
DAS VIERTE 23:55
Ein Farbfilm von Wolfgang Staudte (Kamera: Friedl Behn-Grund und mit Helen Vita!). Leider auch in der Wiederholung immer noch mit mehreren Werbeunterbrechungen versehen. Weiterlesen…

Jean-Luc Godard in “The Dick Cavett Show”

Ein Besuch von Jean-Luc Godard im US-Fernsehen Anfang der 80er. Er und Dick Cavett sitzen sich gegenüber, und versuchen so lange innerhalb der Fernsehkonventionen zu reden, wie es ihnen die Sendezeit erlaubt. Oder zumindest Cavett versucht es, während Godard sich manchmal darauf einlässt und sich manchmal entzieht. Aus heutiger Sicht erscheint es mir faszinierend zu sehen, wie ruhig und konzentriert diese Unterhaltung scheint, wie wenig inszeniert, wobei Godard an einem Punkt erwähnt, dass das Fernsehen auch größer und komplizierter geworden ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten, und dass der Aufwand, der um sie in diesem Moment betrieben wird wesentlich komplexer ist als früher. Das rückt unsere momentane Aufmerksamkeitsproduktion im Fernsehen noch einmal in eine andere Perspektive, und zeigt auf, wieviel sich in den letzten 30 Jahren in unserem Verständnis vom Umgang mit Zeit und unserer Bereitschaft sich auf ihr Verstreichen einzulassen wirklich geändert hat. Ungläubig reibe ich mir daher auch die Augen, als Cavett Godard fragt, ob er noch einmal in seine Sendung kommen möchte (bzw. sie noch einmal eine Sendung aufnhemen könnten – ich habe den zeitlichen Zusammenhang in diesen Youtube-Ausschnitten nicht ganz verstanden), damit sie sich noch weiter unterhalten können, da er noch weitere Fragen hätte. Hier also die gestückelten Youtublinks der zwei Sendungen, wobei Teil 2/6 leider fehlt, da er aufgrund eines darin verwendeten Filmausschnitts von Youtube gesperrt worden ist.


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Zitat der Woche

Bei der Reichweite des Fernsehens von 95 Prozent ergibt sich daraus eine Zuwendung der deutschen Bevölkerung zum Fernsehen von knapp 100 Milliarden Stunden individuellen Zuschauens pro Jahr. Im Vergleich dazu nehmen sich die ca. 127 Millionen Kinobesuche im Jahr 2005 in Deutschland mit jeweils zwei bis drei Stunden Dauer relativ bescheiden aus: Bereits an anderthalb Tagen wird von der Bevölkerung mehr Zeit vor dem Fernsehgerät verbracht als in einem Jahr im Kino. Diese Nutzungszahlen markieren heute das Verhältnis von Kino und Fernsehen in Deutschland.

zitiert nach Knut Hickethier: Film- und Fernsehanalyse
4. Auflage, Verlag J.B. Metzler Stuttgart, 2007, Seite 12

100 Deutsche Lieblingsfilme #28: Kalter Frühling (2003)

Am Anfang kommt Jessica Schwarz mit ihrem Auto im Hof ihrer reichen Eltern an, und bereits da wirkt sie deplaziert, sich nicht wirklich einfügend in ihre Umgebung. Man spürt sie kehrt heim: das ist ihr Zuhause. Doch sie gehört dort nicht hin. Sie hat es nur noch nicht bemerkt. Am Ende des Films ist davon nichts mehr da. Sie steht im Garten – nach langer Odyssee zurück gekehrt – es ist ihr Garten, ihr Platz. Aber von Heimat, von Zugehörigkeit ist keine Spur mehr. Wir wissen jetzt: diese Heimat trug sie in ihrem Herzen, sie drückte sie in ihren Gefühlen, ihren Gesten, ihrem Blick aus. Nun ist dies Vergangenheit, denn was die Figur sich zurück erobert hat ist die Realität. Besser gesagt der unverstellte Blick auf sie. Heimat als Illusion, als Geschenk der Naiven. Kalter Frühling ist ein Film über den Zerfall. Über den Verlust der Unschuld. Und über den Verlust des Selbst.

In Kalter Frühling, wie in vielen Filmen von Dominik Graf gibt es die Gegenwart nicht. Es gibt nur Vergangenheit und Zukunft, aus denen sich die Gegenwart als Punkt einer Bewegungsachse für uns als Zuschauer konstruiert. Der gegenwärtige Moment gewinnt also dadurch an Bedeutung, dass es für ihn ein davor und danach gibt, dass er also tatsächlich einzigartig ist. Und das zeigen uns die vielen Szenen in Kalter Frühling immer wieder. Die Einzigartigkeit und Unwiederholbarkeit jedes Augenblicks. Die Vergänglichkeit des Lebens. Da die Vergangenheit wie die Zukunft uns leitet, ist auch nichts je so wie es uns erscheint, sondern nur wie es sich uns ständig erschließt. Aus einzelnen Momenten eben.
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Tatort und Tangerine Dream

Bin gerade etwas auf dem Tatort-Trip und versuche mehr über die wunderbar sleazig klingende Folge Der gelbe Unterrock aus dem Jahr 1980 herauszufinden, die nach ihrer Erstausstrahlung im Giftschrank des SWR verschwunden ist. Generell faszinieren mich die Tatort-Folgen aus den Achtzigern, schon allein wegen den so merkwürdig fremd und fern wirkenden Bildern aus der “alten” BRD. Zum Beispiel im Schimanski-Tatort Das Mädchen auf der Treppe, wenn die Kamera über den Tatort schwenkt und sich hinter den klobigen Einsatzwägen und den grauen Mietshäusern vor einer brachen Wiese die riesige Zeche aufbaut. Oder das blinkende, alte Bierschild im Hintergrund der Kneipenszene. Überhaupt wirkt das alles gar nicht so wie die meisten Fernsehfilme, die man heute so sieht, sondern viel filmischer, näher am Kino. Und das nicht nur, weil der Soundtrack wie bei Michael Mann oder Kathryn Bigelow von Tangerine Dream stammt:




(Über das Benutzerprofil des Users bei Youtube findet man noch eine Zusammenstellung des Tatorts Miriam von 1983, bei dem die Musik ebenfalls von Tangerine Dream stammt.)


Übrigens zeigt 3sat nächsten Sonntag (also den 23. August) die Folge Reifezeugnis von Wolfgang Petersen mit Nastassja Kinski aus dem Jahr 1977. Und Dominik Grafs Jubiläumstatort Frau Bu lacht wird am 24. August im SWR und am 10. September im WDR wiederholt.