STB Robert 2021 II

„Walking alone in the desert is wonderful. It’s like walking on the face of a clock that’s stopped.” (Legend of the Lost)


Wertung: Ich kann nichts mit Zahlen zur Bewertung anfangen. Deshalb gibt es hier ein prosaisches System. Eine Skala ist mit der Qual verbunden, Filme in eine lineare Ordnung zu quetschen. Deshalb hat die Wertung zumindest eine Y-Struktur für freieres Atmen. Die Einstufungen radioaktiv und verstrahlt reflektieren, dass ein Film in seiner eigenwilligen Qualität es einem nicht einfach macht, ihn einfach zu genießen. Wertungen in Klammern verweisen auf das ein oder andere Nickerchen beim Schauen.

Legende: Ist im Grunde selbsterklärend. Wenn hinter der eckigen Klammer eine Zahl steht, dann gibt sie die Anzahl der Sichtungen wieder. Je höher die Zahl, desto mehr ist sie geschätzt. Da ich mit Fernsehen und Kino aufgewachsen bin, wo nur gekennzeichnet wird, wenn ein Film nicht in deutscher Sprache läuft, tue ich das schändlicherweise auch. (OmU=Originalfassung mit Untertiteln, OmeU=Originalfassung mit englischen Untertiteln, OF=Originalfassung, EF= englischsynchronisierte Fassung, OZmeU=Originalzwischentitel mit englischen Untertitel) Hinzu kommen die Zeichen ł, wenn der Film gekürzt war, und ≠, wenn ich mitbekommen haben sollte, dass das Format nicht hinhaute. Ein kleines K hinter einem Titel bezeichnet einen Kurzfilm (bis 20 Minuten), während ein kleines M einen mittellangen Film (21 bis 60 Minuten) kennzeichnet.


Vorangegangene Sehtagebücher:
2012/II | 2013/I | 2013/II | 2014/I | 2014/II | 2015/I | 2015/II | 2016/I | 2016/II | 2017/I | 2017/II | 2018/I | 2018/II | 2019/I | 2019/II | 2020/I | 2020/II | 2021/I

Oktober
Sonntag 10.10.

The Golden Blade / Das goldene Schwert
(Nathan H. Juran, USA 1953) [DVD] 9

gut

Wenn Harun (Rock Hudson) von Pfeifenrauch benebelt und mit animalischem Blick in eine irreale Tanzsequenz torkelt, dann offenbart das kunterbunte 1001-Nacht-Vergnügen, dass es ganz selbstverständlich gen Musical tendiert. Dass diese Neigung allzu lange unterbunden wird, ist das große Manko des Films. Es offenbart sich aber auch der Schmier, der nicht allzu weit weggesperrt wird.

Der letzte Sommer
(Harald Braun, BRD 1954) [DVD]

ok

Es hätte ein Heimatfilm sein können, in dem jemand erkennt, dass ein Wald, nicht nur Holz ist, das gerodet und nutzbar gemacht werden muss, sondern auch eine Heimat. Es ist aber ein Gleichnis geworden, zu dem es bald bei critic.de einen Text geben wird.

Sonnabend 09.10.

Moana / Vaiana – Das Paradies hat einen Haken
(Ron Clements, John Musker, USA 2016) [blu-ray] 4

gut

Versteckt im Kurzbesuch in der Welt der Monster und dort auch nur in einem kurzen Moment findet sich die Essenz allen J-Horrors in einer Animefigur von unfassbarem Grusel. In einem Disney-Kinderfilm.

Freitag 08.10.

Iron Man 3
(Shane Black, USA 2013) [DVD, OF] 2

ok +

Wer ist Iron Man? Tony Stark oder der Anzug? Um diese Frage zu beantworten, macht Shane Black IRON MAN 3 zur Buddy-Action-Komödie, in der sich Tony Stark (Robert Downy jr.) zuweilen alleine als Actionstar beweisen muss. Der Anzug sitzt nicht nur demoliert neben ihm, sondern verliert seine Individualität, wenn Stark final eine Armada aus Anzügen befehligt. Die Antwort wird klar ausfallen und die Identitätskrise nur eine kurze Episode bleiben.
Dazu gibt es einen multimedialen Fake-News-Terroristen-Bösewichten, der kluge Andockpunkte für die Kritik der jetzigen Weltordnung bereithält, und eine Kriegsmaschine, die in Blau, Rot und Weiß angestrichen wird und folglich Patriot heißt. Es bleibt aber wie beim Set Piece, bei dem Iron Man ein Dutzend aus einem Flugzeug Fallender retten muss und es zu einer zirkusreifen Choreografie der Fallenden kommt: Es ist eine tolle, ziemlich bekloppte Idee, die ziemlich mau umgesetzt ist.

Donnerstag 07.10.

ホテル強制わいせつ事件 犯して! / Sexual Assault at a Hotel: Rape Me!
(Kurahara Koretsugu, J 1977) [DVD, OmeU]

ok

Die (wohl vor allem männlich geprägte) Vision, was es heißt eine Frau als sexuelles Wesen zu sein, wenn die Männer um einen Schweine sind. Es gibt drei Frauen, eine wild promiske, eine die Lust auf Sex hat, aber die Männer und ihre tendenziellen Vergewaltigungsversuche lediglich erträgt, und eine, die vor Sexuellem zurückschreckt. Zu Beginn ist es Letztere, die durch eingestreute Fetzen von Rückblenden traumatisiert scheint, es läuft aber anscheinend darauf hinaus, dass Lust am Sex nur entsteht, wenn der Verstand nach all den Übergriffen, die es zu überstehen gilt, aussetzt. Sei es wie es sei. SEXUAL ASSAULT AT A HOTEL entwickelt für sein hysterisches Thema kaum Energie und arbeitet seine Die-Welt-der-Frauen-ist-eine-Hölle-durch-Männer erschreckend unaufgeregt ab. Was vll. das Grusligste darin ist, wie sehr es seine Weltsicht nicht als außergewöhnlich versteht.

Mittwoch 06.10.

Le notti di Cabiria / Die Nächte der Cabiria
(Federico Fellini, I/F 1957) [35mm]

gut

Vll. würde er mir in der italienischen Synchronisation mehr gefallen. Die deutsche Stimme von Giulietta Masina unterstreicht in meinen Ohren nämlich aufs brutalste die Zwangsjacke, in die sie von Fellini immer wieder gesteckt wird. Wenn sie tanzt und verschmitzt grinst, spricht eine unvergleichliche Lebenslust aus ihr. In den Filmen ihres Mannes muss sie dann aber auch noch die bittere Seite der Naivität darstellen und sich von einer garstigen, realen Welt ausnehmen lassen und an ihr scheitern. Und die Stimme möchte nun eben nicht einfach nur, dass die Figur wie ein Dummchen, sondern gleich als Kind gelesen wird. Ich verstehe seinen Fetisch einfach nicht, warum er dieser wunderbaren Schauspielerin nicht den Film schenken möchte, der sichtlich in ihr steckt. Vielmehr höre ich stets die Stimme von Fellinis Alter Ego aus ACHTEINHALB, der diese plumpen Gegensätze von Reinheit und Dreck satthat.
Am schönsten ist der Film dann auch, wenn er seinen episodischen Neorealismus hinter sich lässt und in der Bildsprache sich an Romantik, Melodramen und Krimis annähert. Wenn die Welt eben überhöht und nicht nur aussagekräftig die vielseitige Verlorenheit dokumentiert wird, sondern am unterliegenden Wahnsinn und den Möglichkeiten von Freude in diesem angelangt.

Montag 04.10.

八両金 / Eight Taels of Gold
(Mabel Cheung, HK 1989) [blu-ray, OmeU]

fantastisch

EIGHT TAELS OF GOLD erzählt von Slim (Sammo Hung), der als Jugendlicher während der Kulturrevolution China verlies und in die USA floh. Nun kehrt er in das Dorf seiner Kindheit zurück, um zu seiner Familie zurückzukehren … und um zu zeigen, dass er etwas aus sich gemacht hat. Wofür sich der Taxifahrer acht Tael Gold in Form von Uhren, Ketten und Ringen von seinen Freunden leiht. Es beginnt als Roadmovie – einem, der sich zuweilen mit den Sensibilitäten eines ZAZ-Films ausgestattet zeigt –, doch relativ schnell kommt Slim an, um sich dann auf die Suche nach der verlorenen Zeit zu begeben, nach einem Punkt an dem die Reise endlich aufhört.
Von Vertrautheit und Fremde erzählt der Film durchgehend. Parallelen und Differenzen stehen ständig im Bild. Selbst die USA und die Volksrepublik China gleichen sich zeitweise wie zwei verschrobene Geschwister … wenn beispielsweise außerhalb von Autos gänzlich unterschiedliche Welten vorbeijagen, es aber nichts daran ändert, dass Slim unbeeindruckt der Unterschiede andere Verkehrsteilnehmer fröhlich mit Kraftausdrücken bedeckt und wenig auf Regeln und Vernunft im Straßenverkehr gibt. Oder wenn sich der Kampf, um den kleinen Dollar/Yuán sich nur darin unterscheidet, dass Slim in den USA das kleine Schlitzohr ist und in China der übers Ohr gehauene Bonze.
Der Film ist vollgestellt mit diesen bittersüßen Momenten von Entzweiung mit dem Vertrauten oder von Vertrautheit mit der Fremde. Politische, kulturelle, biographische, amouröse Ausdrücke findet EIGHT TAELS OF GOLD dafür und ist so ein Film der Sehnsüchte und des Unerreichbaren, ein Film von Hoffnung und Verlust. Selbst in seinem Aufbau ist es sichtbar. Wenn er als Roadmovie beginnt und dann nur noch lose emotionale Eindrücke ansammelt. Je vertrauter wir mit den Figuren werden, umso unklarer ist, mit was für einem Film wir es überhaupt zu tun haben.
Sammo Hung wird dabei nicht einmal Schläge oder Tritte austeilen oder einstecken. Sein trauriger, verlorener Blick wird so nie einen Ausbruch bekommen. Er ist nur der hilflose Junge, der daran scheitert andere stolz zu machen. Faszinierenderweise ist der Film, indem wir die Figuren Sammo Hungs am klarsten erkennen können, derjenige, in dem das fehlt, was ihn zum Star machte.
Worauf dies alles hinausläuft ist eine unerfüllbare Sehnsucht nach einer Heimat. Gegen Ende wird Hongkong als größte Chinatown der Welt eingeordnet. China wird zum Sehnsuchtsort dieses Heimatgefühls, der sich im Film zu liberalisieren scheint und mehr kauzig als menschenfeindlich erscheint. Und doch gibt es kein Happy End. Seine Premiere in Toronto feierte der Film drei Monate nachdem ein Massaker die monatelangen Proteste auf dem Platz des himmlischen Friedens beendet hatte. Seine Hoffnungen und deren Begräbnis müssen zu der Zeit der Veröffentlichung wie Operationen am offenen Herzen gewirkt haben.

Sonntag 03.10.

Derrick (Folge 246) Teestunde mit einer Mörderin?
(Alfred Weidenmann, BRD 1995) [DVD]

großartig

Die Hauptbewegung ist eine Sympathieverschiebung. Eine Geliebte wird umgebracht, um uns eine dysfunktionale Ehe zu zeigen. Agnes Ortner (Ursula Lingen), ca. 60 Jahre alt und reich, lebt mit Osteoporose in einer Art Märchenschloss fern der Realität. Ihr Ehemann Roland (Thomas Kretschmann) ist viel jünger, gekauft und geht offen mit der Situation um. Nach mehreren Dates mit Derrick wird aus der Hexe Agnes, die ihren Ehemann wie ein kleines Kind behandelte und als Despotin auftritt, aber eine romantische, verlorene Frau, die es sich wohl einen Tick zu bequem in selbstgerechten Idealen von Liebe macht. Sprich: aus ihr wird ein verletzliches Opfer. Roland hingegen wird zum berechnenden Egoisten, der die Menschen um sich quält, ohne es überhaupt zu realisieren.
In der ersten Hälfte wird Agnes dabei mittleidig über Roland erklären, dass er von seiner Emotionalität gerade wieder überfordert sein wird und wohl nichts versteht. Doch schon der oft wiederholte Schnitt auf irgendwelche Blumen, von denen zu den Figuren geschwenkt oder gezoomt wird, spricht eine andere Sprache. Dass nämlich nicht nur Roland seinem Fühlen nichts entgegenzusetzen weiß, sondern die ganze Folge nur der Ratio von Romantik und Gefühl folgt. Blumen, Schlösser, Pferde, Regen, Bücherregale, die wie Vorhänge mit Buchregalaufdruck aussehen, und der zunehmende Anteil von Dialogen über Ideale, Gott und die Rechte, die die Liebe mit sich bringt: Sie sind Ausdruck einer Weltwahrnehmung, die (nur allzu gern) in ihren Gefühlen ertrinken.
Und Derrick versteht als Philosoph zwar, was gesagt wird, er bleibt aber doch der Ritter des Königs Justiz, der, wenn nach seinen Beziehungen und seinem Wissen auf dem Gebiet der Liebe gefragt, unsicher vor allgemeinen Bildbänden und Lexika steht, sichtlich ratlos bleibt. Er ist nur sicher darin, zu ermitteln, wer vor ein Gericht gehört. Wie all das vor einem Gott aussehen muss, weiß er hingegen nicht. Mit Klaus Theweleit gesprochen, ist er der erigierte Penis in der stürmischen Brandung der Emotionen, der anders als eine faschistische Psyche nicht dagegen ankämpft, was er bei den Reibungen spürt, sondern melancholisch all den Sensationen nachspürt, die er sich selbst doch verwehrt. Manchmal scheint er eben doch nicht nur von Kafka erdacht, sondern auch ein Posterboy unserer Demokratie zu sein.

Sonnabend 02.10.

Boogie Nights
(Paul Thomas Anderson, USA 1997) [blu-ray, OmeU] 2

gut

Dass das Porno-Business als krude Familiengeschichte von Ausgestoßenen und Träumern mit wenig Realitätssinn erzählt wird, die sich im zwischenzeitlichen Erfolg, Drogen und den verdrängten Traumata verlieren, ist äußerst faszinierend auf einer Linie zwischen Parodie und Liebeserklärung erzählt. Nur die Inszenierung ist unfassbar showy. Nach der zehnten Plansequenz und noch einer expressiven Kurzmontage u.ä. ist es nur noch nervig.

September
Donnerstag 30.09.

Maximum Risk
(Ringo Lam, USA 1996) [blu-ray, OmeU] 2

großartig

Jean-Claude van Damme spielt Zwillingsbrüder, die sich nie kennenlernten, die als Baby getrennt wurden und zwei völlig unterschiedliche Lebenswege bestritten. Der eine Bruder stirbt in den adrenalingeschwängerten Anfangsminuten. Der andere spürt in Folge dessen Biographie nach, indem er seinen Körper an die Orte seines zweiten Ichs bringt. In dem er den Stress des weniger behüteten Wohnorts der Kindheit des anderen aufsucht, in die gleiche Sauna geht, mit derselben Frau eine Affäre hat. Dabei geht es wie in allen Lam/van Damme-Filmen um die Frage, wie sehr Biographien von den Eindrücken geprägt sind, die Eltern und externe Einflüsse auf sie hinterlassen. Der Film startet in einem beschaulichen Europa, mit alten Gassen und Inneneinrichtung wie bei Oma, sucht us-amerikanische Slums auf, besucht das heruntergekommene Neon der Großstadt, die verzerrten Versionen einer russischen Heimat in der Emigration, modernen Designer-Häusern, um dann wieder in einem beschaulichen, aber moderneren Nizza anzukommen. MAXIMUM RISK handelt so nicht nur von der Wirkmacht von Biographien, sondern auch von gesellschaftlicher Geschichte. Und da es sich um einen Film Ringo Lams handelt, werden alle die Räume, die vom Einfluss auf ihre Bewohner und dem Einfluss der Bewohner auf sie sprechen, als Bühnen einer lustvollen wie dramatischen Zerstörung begriffen.

Mittwoch 29.09.

Mattress Man Commercial k
(Paul Thomas Anderson, USA 2003) [stream, OF]

gut

Nicht so absurd wie die Realität. Aber wie soll auch etwas satirisch überspitzt werden, was sich schon am äußersten Extrem befindet.

Couch k
(Paul Thomas Anderson, USA 2003) [stream, OF]

ok

Adam Sandler wird von Couchen gefressen, der viel zu lange Sketch. Laufzeit: 3 Minuten.

Ballchewer k
(Paul Thomas Anderson, USA 2002) [stream, OF]

ok +

Adam Sandlers Hund, Luis Guzmán und eine Überraschung als nette Pointe.

Davon träumen alle Mädchen
(Thomas Engel, BRD 1961) [DVD] 2

verstrahlt

Eine Schlagerkomödie, die so tut, als wäre Harald Juhnke ein fescher, frecher Jung, auf den die Mädchen fliegen, obwohl in seinem Lächeln so viele Hintergedanken zu stehen scheinen, dass es einen gruseln mag. Tatsächlich schaute Lotti Z. (5 Jahre) in der Mitte eine Zeit lang mit und ihr gefiel es auch etwas. Aber ich machte mir schon Sorgen um sie und was sie aus dem Film mitnimmt. (Vor allem fiel mir die übergriffige Schmierigkeit des Ganzen noch mehr ins Auge, als die Minderjährige mitschaute.)

Montag 27.09.

Das verlorene Gesicht
(Kurt Hoffmann, D 1948) [DVD]

gut

Einmal wird der Titel des Films auch metaphorisch genutzt. Dass jemand Schande über sich gebracht hat. Und tatsächlich ist dieser Film, über den es bei critic.de einen Text gibt, eine Aufarbeitung damals sehr aktueller deutscher Geschichte bzw. des Problems, wie psychologisch mit der Täterschaft umgegangen werden soll.

Sonnabend 25.09.

The Avengers
(Joss Whedon, USA 2012) [blu-ray, OmeU] 3

nichtssagend

Vor der ersten Sichtung 2012 hatte ich einen Text darüber gelesen, wie toll dieser Film Hulk trifft. Bzw. wie gut die Spannung zwischen Banner und Hulk funktioniert, ohne eine der beiden Seiten zu vernachlässigen. Und es stimmt. Darin ist THE AVENGERS wirklich toll. Was ich damals darüber aber völlig übersehen haben muss, ist wie nichtssagend der Film aussieht, was für ein betriebsames Nichts das alles ist. Dies Mal war ich schockiert, als ich endlos wartete, dass der tolle Film anfängt, den ich in Erinnerung hatte.

Freitag 24.09.

La liceale seduce i professori / Jetzt treibt sie’s auch noch mit dem Pauker
(Mariano Laurenti, I 1979) [35mm, ł]

verstrahlt

Die gezeigte Kopie war wohl nicht im eigentlichen Sinn gekürzt. Sie war nur schon sehr oft vorgeführt worden und nicht mehr ganz vollständig. Diese Aneinanderreihung von Sketchen war dergestalt umso holpriger als eh schon. Eine Geschichte konnte nur erahnt werden. Zusammen mit der zuweilen kruppstählernen Härte der Witze ergab dies ein Erlebnis, von dem leider wirklich gesagt werden kann: Sowas gibt es heute leider nicht mehr.

Donnerstag 23.09.

Agent Orange k
(Tony Scott, USA 2004) [stream]

ok +

Sehr, sehr schöne Farben und eine sehr, sehr schöne Unruhe, in den wild geschnittenen Bildern. Aber irgendwie konnte ich den erzählerischen Teil des Films nicht ausblenden, der eine aufbauende Liebesgeschichte erzählt.

Die Sünderin
(Willi Forst, BRD 1951) [DVD] 2

großartig

Eine Sternstunde düster-melodramatischer, schicksalshaft-religiös verbrämter deutscher Miefigkeit, maximale Dosis. Diesen Film können Sie als Deutscher nur verkraften, wenn sie einen ausgeprägten Sinn für Humor oder einen Fetisch für Hildegard Knef haben. Im Idealfall beides. schrub Christoph 2011 in seinem Sehtagebuch. Aber auch ein seltsam gespaltener Film. Auf der Bildebene: das expressive Melodrama eines Schmierfinks, dem es am Ende immer um Sex geht. Aber dann liegt ein Off-Kommentar über den sprechenden Bildern, die wiederholen oder überdefinieren, was zu sehen ist. Geplapper und Geschwätz erfüllt den Film, vll. weil etwas in ihm nicht ins Auge geschaut werden möchte.

Mittwoch 22.09.

In Hell
(Ringo Lam, USA 2003) [DVD, OmU]

gut

IN HELL ist ein Kampfsportturnier-im-Knast-Film irgendwo zwischen PENITENTIARY und UNDISPUTED 2 oder 3. Nur lässt Ringo Lam Jean-Claude van Damme eine Persönlichkeitsentwicklung per Trial-and-Error vollziehen. Repetitiv landet dieser in Einzelhaft. Ein gelber Abfluss zieht dort durch die Ruine einer Zelle, an deren Decke – 8 bis 10 Meter hoch – ein Fenster daran erinnert, dass es etwas wie Freiheit und Hoffnung gibt. Der Geist seiner vergewaltigten und ermordeten Frau hilft ihm dort als Schmetterling. Und drei Stufen durchläuft er. Er ist dort unten als Wrack, als verbitterte Kampfmaschine und als Erleuchteter. Und alles, was im Grunde über den Film gewusst werden muss, ist, dass van Damme in der mittleren Stufe seine Haare wie in KARATE TIGER trägt, dazu aber einen sehr, sehr spitzen Goatee.

Dienstag 21.09.

He Dies At The End k
(Damian Mc Carthy, IR 2008) [stream, OF] 3

gut

Als er beim cellu l’art zu Jena aufgeführt wurde, saß ich erhoben hinter dem Publikum. Beim Jump-Scare, auf den die wenigen Minuten des Films hinarbeiten, ging eine Welle durchs den Zuschauerraum. Es war ein schönes Erlebnis. Ebenso schön ist, dass der Film nur bedingt verliert, sobald die Pointe/der Jump-Scare bekannt ist.

Deuce Bigalow: European Gigolo
(Mike Bigelow, USA 2005) [stream, OF]

gut

Die Fortsetzung hat mehr Punsch als der Vorgänger. Ist witziger und funktioniert tatsächlich stellenweise. Doch dann wird plötzlich doch das Gleiche wieder aufgewärmt. Deuce Bigalow darf wieder eigenwillige Freierinnen glücklich machen. Und in dem Moment wird EUROPEAN GIGOLO zynisch.

Sonntag 19.09.

Redoubt
(Matthew Barney, USA 2019) [DCP]

ok +

Eine russische Matrone war mit ihrem ca. 10-jährigen Sohn/Enkel im Kino. In diesem abstrakten Film, in dem Ausdruckstanz, Symbolismus und Lächeln die Dialoge als Ausdrucksmöglichkeiten der Leute ersetzen. Eine Winterlandschaft. Ein Förster mit Frau, Pickup-Truck, Jagdhunden und Hang zum Kunsthandwerk. Eine Jägerin, laut Abspann Göttin Diane, mit zwei Gehilfen, die im Wald wohnen und einzig Zelt, Hängematte und ein Waffenarsenal als Zeichen der Zivilisation mit sich führen. Beide jagen die Jäger der Wildnis: er Wildkatzen, sie einen Wolf. Diane und ihre beiden Frauen werden zum künstlerisch wertvollen Spannobjekt des anderen. Viel Zeit wird sich für nicht viel gelassen. Details von Schnee, elektrisches Brummen, Klöppeln und minimale Choreographien. Ich weiß noch nicht ganz, ob sich die Kindheit des Jungen als hart oder leicht vorgestellt werden muss.

Stage Struck
(Allan Dwan, USA 1925) [35mm, OZ]

gut +

Die Traum- und Theatersequenzen in STAGE STRUCK sind in einem frühen Farbverfahren aufgenommen. Die schwarzweiße Realität des Films wirkt im direkten Vergleich – trotz aller schönen Slapstickroutinen – farblos. Schon 1925 war zu sehen, wie unvermeidlich Film als Reich der Träume farbig werden musste.

流れる / Flowing
(Naruse Mikio, J 1956) [35mm, OmeU] 3

fantastisch +

Während die (alternden) Cowboys in THE WILD BUNCH, nachdem sie erkannten, dass der Westen ihnen keinen Raum mehr zum Leben lässt, mit einer großen Explosion aus dem Leben scheiden, reagieren die (alternden) Geishas in FLOWING auf dieselbe Erkenntnis mit ihrem Weitermachen. Sie mogeln sich durch ihren nicht akzeptierten Bankrott. Sie ertragen die ständige Demonstration, dass ihre Existenz anachronistisch ist. Die ständige Auflösung von Hoffnungsschimmern. Statt einer Explosion fließt das Drama ohne Stromschnellen und findet in jedem (angestrengten) Lächeln mehr Mut als Peckinpah im Furor des Sterbens.

Sonnabend 18.09.

Dune
(Denis Villeneuve, USA/CA 2021) [DCP, OF]

ok

DUNE ist ein Film der Empfangshallen, Bankett- und Turnräume und anderen Orte eines Zusammentreffens. Gleichzeitig zeigt er sie in verschiedenen Ausprägungen. Mal verfallen im Sand, mal in die Natur eingelassen, oft die Umwelt aussperrend und sich in Metall, Stein und Weitläufigkeit verlierend. Spannend bleibt, ob Villeneuve seinen überdeutlichen bis redundanten Film in seinem zweiten Teil mehr in die Wüste verlegt und damit nochmal ein Konzept mehr bereithält.
Ps: Eines der schönsten/ekligsten Schlammbäder der Filmgeschichte ist zu sehen.

おかあさん / Die Mutter
(Naruse Mikio, J 1952) [35mm, OmeU] 2

fantastisch

Catherine Russell argumentiert in ihrem Buch THE CINEMA OF NARUSE MIKIO: WOMEN AND JAPANESE MODERNITY – eine lesenswerte Film-für-Film-Analyse Naruses Werks –, dass es sich bei MOTHER um das Drama einer Witwe (Tanaka Kinuyo) handelt, die sich in den Kollegen und Freund (Katō Daisuke) ihres verstorbenen Mannes (Mishima Masao) verliebt, aber auf ihn verzichtet, weil ihre Tochter (Kagawa Kyôko) diese neue Liebe nicht akzeptiert. Bei ihr liest sich die Geschichte des Films so eindeutig, als könnte Douglas Sirks Meisterwerk der Macht garstiger Kinder über ihre Eltern THERE’S ALWAYS TOMORROW (1955) eine Variation des Themas von MOTHER sein.
Ein Merkmal von Naruses Vorgehen war, dass er Drehbücher gnadenlos eindampfte. Nebenhandlungen, Szenen, Dialoge: Alles nahm unter seiner Hand ab oder wurde ganz gestrichen. Statt zu reden und ihre Kunst offensiv aufführen zu können, mussten die Schauspieler teilweise nur noch ins Leere schauen. Im ursprünglichen Drehbuch könnte es also deutlich gewesen sein. Im fertigen Film ist selbst die Liebe nur eine Andeutung und es bleibt völlig in der Schwebe, ob sie gegenseitig, ob sie nur ein Schimmer in den Augen oder etwas Handfesteres ist. Und worin die Gründe liegen, dass sie nicht in einer Beziehung/Ehe endet … und ob dies je eine Option war.
Genauso wird eben auch die Geschichte eines sich leerenden Hauses erzählt. Erst stirbt der älteste Sohn, dann der Vater. Dann wird eine noch junge Tochter Verwandten anvertraut, die sich besser um sie kümmern können, die mehr finanzielle Sicherheit bieten … und selbst ihren Sohn im Krieg verloren hatten. Die Heirat der ältesten Tochter kündigt sich ebenso an, wie die Heimkehr des Neffen/Cousins, der mit aufgenommen wurde, bis sich seine Mutter wieder um ihn kümmern kann. Es ist ein Film über Familie und deren ökonomischen Bedingungen. Ein Film über Lebensverhältnisse, der sich in einem Haus abspielt, dessen wenige Räume oft gemeinsam im Bild sind und die Enge und Pragmatismus ins Bild schreiben.
Naruses Kino ist eines der Details – die Tochter verdient zu Beginn nebenher Geld in dem sie Pancakes verkauft; das Eisen, auf dem sie diese brät, wird später unter dem Bügeleisen liegen und dieses Erwärmen, wenn die Familie ihre Wäscherei wiedereröffnet. Explizites wird gerne begrenzt. Es ist ein Kino, das über Räume und Blicke erzählt, das Mensch und Gesellschaft im Widerstreit zeigt, indem die Menschen eben in sprechenden Umgebungen zu sehen sind, die mehr als die Schauspieler zu sagen haben. Expressives wird gemieden und gerne einen Fluss aus scheinbar Unbedeutsamen erzeugt. Das Sterben des Vaters ist beispielsweise größtenteils ein Siechen im Hintergrund, während der Tod und der unmittelbare Eindruck auf die Familie und ihre Mitglieder ausgelassen wird. Der Film verschluckt diese, wie die Leute es schlucken und nicht nach außen tragen. Catherine Russell meint auch, dass dies einer der sentimentalsten Filme seines Regisseurs ist. Was stimmt, aber Greifbarer oder gar Offensiv wird er trotzdem kaum.
Und doch hat MOTHER – ein oft gutgelaunter Film, der sich nicht an Leid labt, sondern zeigt, wie mit diesem gelebt wird – einen Moment, der Naruse als großen kinematographischen Spaßmacher zeigt, der einen Metawitz einbaut, den ich hier nicht erklären werde. Als ich den Film erstmals sah, schaute ich ihn gerade um diesen zu sehen und er wirkte in meiner angespannten Erwartung überhaupt nicht. Dieses Mal im Arsenal war die Verwirrung im Saal spürbar, wobei die Pointe zu einem ruckartigen Spannungsabbau und Lachern führte. Es ist einer der Fälle, wo ausnahmsweise direkt auf die Meisterschaft dieses tollen Regisseurs gewiesen werden kann … und doch ist es eine der Dinge, wo ich tatsächlich den Begriff des Spoilers verstehe und finde, dass eben doch nicht auf ihn gezeigt werden sollte. Es ist ein typischer Naruse.

浮雲 / Floating Clouds
(Naruse Mikio, J 1955) [35mm, OmeU] 3

großartig

Egal, welche Erniedrigung sie sich einander antun, das Liebespaar Yukiko (Takamine Hideko) und Kengo (Mori Masayuki) kommt nicht voneinander los und verglüht langsam in der gegenseitigen Hassliebe. FLOATING CLOUDS tritt dergestalt auf der Stelle und wiederholt das ewig Gleiche, während sich um sie doch alles beständig verändert, … und zeigt, wie zwei Menschen sich nicht von dem Glück lösen können, dass sie zu Filmbeginn zusammen in Indochina erlebten … während Japan dieses im Zweiten Weltkrieg erobert hatte. Wobei der Krieg aber kaum bis nicht zur Sprache kommt oder ins Bild findet. Das Leid ist hier also programmatisch, weil dies eine bittere Abrechnung mit Japan ist, mit dessen Krieg und den Folgen, mit einem depressiven, trüben Land und seinen heimtückischen Möglichkeiten von Glück und Reichtum. FLOATING CLOUDS ist der Nest beschmutzende Film, den Japan (und vll. auch Deutschland) gebraucht hatte/hätte. Und nebenher zeigt der Film, wie schmierig Naruse zuweilen werden konnte, wenn ein Mann beispielsweise erklärt, dass er an Baumharzen schnüffelt, weil er länger keinen Kontakt mehr mit Frauen hatte.

Freitag 17.09.

驟雨 / Sudden Rain
(Naruse Mikio, J 1956) [35mm, OmeU]

großartig +

Gegen Ende wird die Nachbarschaft zu einer Versammlung gebeten. Das Problem der freilaufenden Hunde und ihrer Zerstörungswut soll besprochen werden. Tatsächlich handelt es sich wohl nur um einen Hund, der ab und zu Pantoffeln und Hüte mopst, und eine Frau, die sich darüber echauffiert. Die Teilnehmer driften nach Eröffnung der Problemlage aber schnell ab und bringen alle ihre Sorgen und Nöte zur Sprache, die das Zusammenleben für sie mit sich bringen. Das Grundproblem, selbst wenn zwischendrin um mehr Fokus gebeten wird, will einfach nicht mehr zur Sprache kommen. SUDDEN RAIN findet hier im Kleinen seinen Wiedergänger.
Der Aufbau scheint lange klar. Zwei Ehepaare, direkte Nachbarn, stehen sich gegenüber. Fumiko (Hara Setsuko) und Ryōtarō (Sano Shūji) leben in einer routinierten Ehe und beide ignorieren bzw. ahnen nicht, was die Situation dem anderen an Leid abverlangt. Sie ist ans Heim gebunden und hat keinen Platz für Selbstverwirklichung. Er wird von Geldsorgen und der Kündigung geplagt … auch weil seine Männlichkeit es so verlangt, muss er sich alleine darum kümmern, ohne das Fumiko Bescheid wissen oder helfen darf. Nebenan ziehen Imazatos ein. Sie: jung, attraktiv und egoistisch. Er geht auf Arbeit und hilft notgedrungen zu Hause … als auch Fumiko. Die Ehepartner finden sich schnell von den neuen Nachbarn angezogen … und ein wenig möchte die Passivität, mit der die Partner ins Fremdgehen gezogen gelassen werden, an DIE VERACHTUNG gewahren. Nur wird keine große Geste gesucht oder gefunden.
Schnell ist jedenfalls klar, dass es um Geschlechtermodelle in der Ehe geht, um Tradition und Moderne, um vier holzschnittartige Personen, die für mehr als sich selbst einstehen. Doch wie niemand über den Hund reden möchte, sondern nur über sich, ziehen die Figuren den Film unmerklich an sich und lassen den symmetrischen Aufbau immer mehr hinter ihrer Individualität zurücktreten. Was bei Naruse heißt, dass ihr Leid in Momenten von Sprachlosigkeit aus der Ansammlung kleiner Geschehnisse heraussticht. Das nicht enden wollende Fließband des Films hält aber nicht an. Immer geht es weiter mit Dingen, die nebenher angetrieben werden und so die Nöte der Menschen überlagern, statt auszustellen. Und SUDDEN REIN findet so einen eindrücklichen Ausdruck für den inhärenten Schmerz eines solchen Lebens.
Besonders deutlich wird es im Soundtrack, der größtenteils bis völlig – ich müsste nochmal ein Ohr riskieren – intradiegetisch ist. Völlig unpassend klimpert ein Klavier über die Gefühle der Beteiligten und Situationen hinweg. Nebenan übt jemand Klavier. Oder beginnt halt unvermittelt und hört ebenso auf. Erst bei der Nachbarschaftsversammlung wird es Sicherheit, dass es überhaupt ein Nachbarskind ist, als sich dort darüber beschwert wird. Der Soundtrack jedenfalls ist keine Unterstreichung der Gefühle, sondern stimmt in das ignorierende Nebenher mit ein.
Das Tolle an SUDDEN RAIN ist aber nicht nur der Zusammenbruch eines Konzepts, sondern auch das es sich um eine Komödie handelt. Eine zuweilen sehr bittere, aber auch eine (für Naruse Verhältnisse) sehr angeheiterte, die nicht erst im kindischen Finale sehr verspielt ist.

稲妻 / Lightning
(Naruse Mikio, J 1952) [35mm, OmeU]

großartig +

Kiyoko (Takamine Hideko) arbeitet als Fremdenführerin, die aus dem Bus den Touristen ein sonniges und florierendes Tokio zeigt. Auch in Japan herrscht Wirtschaftswunder. Privat sieht es aber anders aus. Mit ihrer Mutter, drei Halbschwestern und einem Halbbruder wohnt sie zusammen. Und in dieser dysfunktionalen Familie geht es nur um Geld, Ausbeutung, Selbstmord und das eigene Ego. Da wo SUDDEN RAIN seinen Grundriss – seine Geschlechtsthematik – sehr klar legt, da ist LIGHTNING diffuser und bedrückender, obwohl es klar vor uns liegt. Das blühende Tokio ist nur die Klammer, die kurze Momente im Leben von Menschen einrahmt, die es nicht schaffen Ferien vom ich zu machen und schamlos in erster Linie an sich denken. Und wie ein Blitzschlag ist dann die Erkenntnis, dass all dieser mitgeschleppte Sumpf des Films – für Naruse-Verhältnisse ist er noch sehr melodramatisch, weshalb nicht nur Emotionsausbrüche und die damit einhergehende Gewalt im Bild stehen können – nicht durch einen Umzug und schöne, neue Fassaden abgehängt ist … und aus irgendeinen mir noch nicht ganz verständlichen Grund schafft es LIGHTNING dies versöhnlich enden zu lassen, ohne den Fluss der Niederträchtigkeiten zu korrumpieren.

Donnerstag 16.09.

Schachnovelle
(Philipp Stölzl, D/A 2021) [stream]

nichtssagend

Eine Woche vor Kinostart durfte ich SCHACHNOVELLE bereits erleben, damit es auf perlentaucher.de auch etwas über den Film zu lesen gibt. Hier das Ergebnis. (Jochen W. schreibt dort auch über das (neue) Werk von Anders Thomas Jensen, was sich interessant anhört, wobei ich dessen Filme bisher nicht so interessant fand. Vll. demnächst ein neuer Versuch.)

Mittwoch 15.09.

スパイの妻 / Wife of a Spy
(Kiyoshi Kurosawa, J 2020) [stream, OmU]

gut +

Kurosawas Film findet sich gerade exklusiv bei mubi und ich habe diesen Umstand nehmen dürfen, um über ihn für critic.de zu schreiben. Hier das Ergebnis.

Sonntag 12.09.

Ferien vom Ich
(Hans Deppe, BRD 1952) [DVD]

großartig

Industriemogul George B. Stevenson (Rudolf Prack) muss sich von einem Herzschlag erholen und sich Freizeit gönnen. Dafür finanziert er Dr. Hartungs (Willy Fritsch) Traum von einem Ferienressort, den Ferien vom ich. Dabei verliebt sich Stevensons in Gutsbesitzerin Eva von Dornberg (Marianne Hold), in die sich auch Dr. Hartung verliebt, und schlägt nebenher noch die Korruption in der eigenen Firma nieder. Doch FERIEN VOM ICH ist weniger diese Stichpunkte, die einen Plot suggerieren, sondern ist am besten, wenn – was er oft, wenn nicht sogar durchgehend tut – die Implikationen des Titels ernst genommen werden.
Die Liebes- und Eifersuchtsgeschichte ist ebenso nur ein Hauch wie die unholden Machenschaften. Dass der Film optisch mit seiner freudig nachgegangenen Landwirtschaft gut und gerne als Kolchosen-, wenn nicht gar Nazipropagandafilm durchgehen könnte, ist ebenso neben dem Punkt wie der Umstand, dass der Arbeitsethos Stevensons Urbanisierung, Kapitalismus und Amerikanisierung diskreditieren. Es geht in den Landwirtschaftsszenen eben nicht um die Bildung eines glorreichen Landes, sondern um Urlaub. Nicht nur der US-Amerikaner muss loslassen, sondern ebenso die bürgerliche Mitte, die noch tief von Militarismus durchzogen ist und im einfachen Weitermachen nach dem Krieg verloren ist.
Nicht das der Film frei von Ideologie ist, bei weitem nicht, aber in seiner losen Sammlung erzählt er völlig entspannt vom Loslassen und damit von Leuten, die eine kurze Pause davon brauchen, etwas zu sein bzw. etwas sein zu müssen. Vor allem Deutsche nach dem Zweiten Weltkrieg. Und wenn die Flucht vor der Realität zu mehr Entspannung und zarten Annäherung an intensive Emotionen führt, dann ruhig her damit.

珠光寶氣 / Whatever You Want
(Wong Jing, HK 1994) [dvd, OmeU]

großartig +

Auf Empfehlung von David Bordwells PLANET HONGKONG haben wir dies geschaut. Bordwell beschreibt nämlich, dass hierin Wong Jing eine sehr persönliche Vendetta mit Wong Kar-Wai austrägt. In einer Kinoszene läuft u.a. eine sensationelle Persiflage von ASHES OF TIME des Regisseurs Wong Jing-Wai und das Publikum macht nach dem Film Jagd auf den Filmemacher, um sich für ihre Qualen zu revanchieren. Diese Auseinandersetzung ist aber nur ein Nebenschauplatz in einer äußerst idiosynkratischen Liebeskomödie, in der sich ein Filmfan, mit ständig wechselnden Jobs, (Anita Yuen) in einen Lampengeist (Michael Wong) verliebt, den sie ihrer von ihr verehrten Halbschwester Pearl (Christy Chung) zur Paarung anheimstellt. Statt einer geradlinigen Dramaturgie gibt es drei Versionen von SPEED, die einen Film vorantreiben, der zwar genau weiß, wo er hinmöchte, seinen Weg aber nach Lust und Laune wählt.
Vor allem ist WHATEVER YOU WANT dabei ein weiterer Beweis dafür, dass Wong Jing (♥) zwar nicht der ernsteste und begnadetste Regisseur ist, selbst wenn er sich aber auf der dünnen Linie zwischen Bescheuertheit und Genialität bewegt, dann ist er eben doch jemand, der mit seinen Umwegen und Eigenheiten einen emotionalen Kern entwickeln kann, der Wong Kar-Wai in nichts nachsteht.

Der Priester und das Mädchen
(Gustav Ucicky, A 1958) [DVD, ≠]

ok +

Glück ist etwas, von dem man träumt. Erinnerung das Paradies, aus dem man nicht vertrieben wird. So oder so ähnlich lautet ein Zitat aus diesem Verzichtsmelodrama, in dem ein Priester (Rudolf Prack – seit 1952 scheinbar um Jahrzehnte gealtert) eine neue Gemeinde übernimmt und sich dabei in eine junge, traumatisierte Frau (Marianne Hold) verliebt. Sorgsam wird aufgebaut, dass diese Liebe nicht sein kann, … inkl. dörfischen Matronen, die ihren infernalisch verurteilenden Schatten vorauswerfen. Doch wenn es dann zum Verzicht kommt, dann übt sich DER PRIESTER UND DAS MÄDCHEN selbst in einem solchen. Das Dorf wird größtenteils aus der Rechnung gestrichen und Pracks Figur hat einfach das schnell akzeptierte Nachsehen. Die gewaltigen (als auch die trüben) Potentiale des Verzichts werden final unterdrückt. Vll. ist es umso brutaler, weil von den Gefühlen der Figur Marienne Holds abgesehen, die einen expressiven Unfall haben darf, niemandes Emotionen zugelassen werden.

Sonnabend 11.09.

Burg Schreckenstein
(Ralf Huettner, D 2016) [blu-ray]

gut

2013, als sich meine WG auflöste und meine gerade gefundenen Familie in die Wohnung einzog, waren im Interregnum Sano und Christoph zu Besuch, um mit einer Ausgabe des Festivals des miefigen Films eine Art eines Junggesellenabschieds zu feiern. Nun wo ich diese Wohnung (mit meiner Familie) verlasse, weil sie zwar Unmengen Charme hat, aber eben, wie ich an diesem Wochenende merkte, auch sehr viel Gebrauchsanweisung und Toleranz benötigt, schien es nur sinnig, dass sich das Festival des miefigen Films wiederhole. Sano war verhindert und wurde durch David L. von Whoknows Presents und am Sonntag zudem durch Benjamin K. ersetzt. Zudem wurden die Heimatfilme mit Hongkongkomödien angereichert, um das Konzept lustbedingt etwas zu verwässern.
Den Anfang machte nach dem vereitelten Beginn am Freitag ein aktueller Kinderfilm von Ralf Huettner. Einem Film, der deutlich erkennen lässt, dass der Regisseur seine Wurzeln im Horrorfilm hat, und der sich mehr für Röcke interessiert, die durch einen enormen Furz in der Luft stehen, als sich um Dramaturgie und erzählerische Kontingenz zu scheren. Hier und da ist das Ergebnis auf der miefigen Seite, aber im Großen und Ganzen doch sehr schön.

Die Winzerin von Langenlois
(Hans H. König, A 1957) [tv, ≠]

ok

Zu Beginn sitzt ein kleiner Junge alleine und verloren auf seinem Koffer in einem fremden Dorf. Er ist von Berlin in die österreichische Provinz gekommen, um Ferien auf einem Hof zu machen, bei einer Frau, die zwar kein Geld mehr, aber gerne Kinder um sich hat. Sein trauriges Verweilen in der Tristesse eines steinernen Marktes ist früh im Film der erste Höhepunkt. Immer wenn der Film seine Kinder aufgreift, dann wirkt er gleich etwas frischer und … unangenehmer, auch da eines der Kinder des Hofes Blackface trägt, wohl im noblen Willen für mehr Diversität, aber eben mit einer … nicht ganz geglückten Taktik. Oder wenn der Film aus seinen ständigen mittleren Einstellungen ausbricht, in denen sich zwei Figuren unterhalten. Wenn beispielsweise die Frau vom Hof für einen Lehrer entbrennt und sie beim gegenseitigen Kennenlernen an einen Kamin tritt, dessen Flamme den kompletten Platz neben ihr einnimmt. Ansonsten ist DIE WINZERIN VON LANGENLOIS ein eher fades Werk in der Filmografie eines ansonsten sehr bemerkenswerten Regisseurs.

褲甲天下 / King of Stanley Market
(Jamie Luk, HK 1988) [blu-ray, OmeU]

großartig

David L. ist noch nicht der große Connaisseur des Hongkongkinos. Christoph und ich erzählten ihm deshalb vor dem Film (und auch schon vor sicher war, welcher es werden würde), dass Komödien aus dem Landstrich aus der Zeit sehr hochenergetisch und hochgradig albern sind. Wir – was heißt: vor allem Christoph – schworen ihn darauf ein, auf das er nicht überrannt werde. Immer mit dem Hinweis, dass wir nichts über den Film wissen, außer das Richard Ng mitspielt, was auf ein hohes Maß von Albernheit schließen lässt. Und dann kam KING OF STANLEY MARKET, der durchaus quatschig ist, vor allem aber entspannt und herzlich. Zwei Jeansladenbesitzer (Ng und Sylvia Chang), die sich in einer direkten Konkurrenzsituation zueinander befinden, verlieben sich in dieser romantischen Komödie nach diversen Komplikationen ineinander. Doch der Film interessiert sich nicht für ihre Auseinandersetzungen, sondern fokussiert die Liebe, die Nähe, die gegenseitige Anziehung. In den Blicken, den lockeren Figuren und der nicht minder lockeren Struktur.

Sonntag 05.09.

千と千尋の神隠し / Chihiros Reise ins Zauberland
(Miyazaki Hayao, J 2001) [blu-ray] 3

fantastisch

Lotti Z. (5 Jahre) schaut weiter Studio Ghibli und hatte hier etwas mehr mit der Angst zu kämpfen. Am Ende aber war sie doch wieder euphorisiert und ich hatte nicht so ein schlechtes Gewissen, weil ich ihr einen Film empfahl, den ich gar nicht so gruselig in Erinnerung hatte.

Sonnabend 04.09.

Deuce Bigalow: Male Gigolo / Rent A Man: Ein Mann für gewisse Sekunden
(Mike Mitchell, USA 1999) [stream, OF]

gut

Rob Schneiders Selbstrettungsversuch ist nicht unbedingt ein Film, in dem jede Pointe funktioniert – aber es ist schon wieder sehr witzig, wie die Witze vorsätzlich das Konzept von Witzigkeit torpedieren. Dafür ist DEUCE BIGALOW aber grundsympathisch. Deuce Bigalow (Schneider) ist für seine Umwelt und den Film höchstens eine Witzfigur. Durch Umstände wird er zum Sparpreisgigolo und seine Kundinnen sind ebensolche Witzfiguren. Sie sind übergewichtig oder haben Tourette (Amy Poehler). Deuce (Schneider) nimmt sie aber als Personen ernst und hilft ihnen sich als normal zu verstehen. Nur Sex hat er mit ihnen nicht. (Es ist vll. das bitterste Element des Films, dass er eben keinen unromantischen Sex haben kann, ohne sich und andere schon wieder abzuwerten. Denn Promiskuität scheint in dieser hypersexualisierten Welt das Normal, dass es vom Thron zu stoßen und verdammen gilt.) Aber der Punkt ist ja, dass er mit dem Verständnis für die Damen auch Verständnis für sich erbittet. Das wir lieb zu Leuten wie Deuce Bigalow sind, als auch zu jemanden wie Rob Schneider. Eigentlich ist es bei aller naiven Hoffnung auf Liebe auch traurig diesen Film zu sehen, der dermaßen von einem tief internalisierten Selbsthass angetrieben wird.

Freitag 03.09.

Blended / Urlaubsreif
(Frank Coraci, USA 2014) [stream, OmeU]

gut

Mein Urlaub dieses Jahr bestand darin umzuziehen. Zum Zeitpunkt der Sichtung steckten anderthalb Wochen intensivem Umzugs in mir und ich war urlaubsreif. Mir ging es aber besser als diesen wunderbar neurotischen Figuren in BLENDED, die sich im Afrikaurlaub in eine Klischeemaschine zurückziehen, damit Geschlechter, Völker und Paarbeziehungen wieder so sind, wie sie es sich vorstellen. Das Problem, wenn denn der Film eines hat, liegt aber nicht im reaktionären Moment, den die neurotischen Figuren bekommen, um glücklich zu sein, sondern darin, dass der Film nicht greller war.

August
Freitag 27.08.

Leningrad Cowboys Go America
(Aki Kaurismäki, FIN/S 1989) [35mm] 4

gut

Dies Lief im Zuge der Öffentlichen Testsichtung im Schillerhof. Was heißt, dass eine ungesichtete Kopie des Filmarchivs Bögelein zu sehen ist und geschaut wird, ob diese noch Brauchbar ist. Vorher wird aber nicht verraten, was zu sehen sein wird. Als der Film begann und ein Acker in der Tundra zu sehen war, musste ich direkt lachen, weil mir unmittelbar schwante, was auf mich zu kam. Dabei hatte ich es seit bestimmt 15 Jahren nicht mehr gesehen.

Mittwoch 25.08.

Austin Powers: International Man of Mystery / Austin Powers – Das Schärfste, was Ihre Majestät zu bieten hat
(Jay Roach, USA 1997) [35mm] 6

gut

Ich muss tatsächlich nicht mal mehr auf die Leinwand zeigen, damit Leute neben mir lachen, wenn mein Name im Vorspann auftaucht.

Dienstag 24.08.

That’s My Boy / Der Chaos-Dad
(Sean Anders, USA 2012) [stream, OmeU]

gut

Susan Sarandon und Vanilla Ice im gleichen Film gesehen zu haben, muss ich noch verarbeiten. Es ist aber, um zu etwas anderem zu kommen, leider auch etwas bezeichnend, dass die einzigen positiven Frauen mit eigenständiger Sexualität, diejenigen sind, die weggesperrt sind oder sich im höheren Alter befinden.

Montag 23.08.

The Ridiculous 6 / Die lächerlichen Sechs
(Frank Coraci, USA 2015) [stream, OmeU]

uff

Weder funktionieren die Witze, noch die Verbeugungen vor dem Genre. Das Einzige, was mir lohnenswert für ein Verweilen im Gedächtnis scheint und auch das Potential dazu hat, ist Taylor Lautners gnadenlose Selbstvertrashung. Hinzukommt, dass Norm MacDonald in einer Bar zu sehen sein soll … und ich ihn verpasst habe.

Sonntag 22.08.

PAW Patrol: The Movie / Paw Patrol – Der Kinofilm
(Cal Brunker, USA 2021) [DCP]

uff

Mit Mühe und Not schafft es PAW PATROL – DER KINOFILM eine angemessene Laufzeit zu erreichen. Die Eindimensionalität der 3D-computeranimierten Figuren macht es sicherlich auch nicht einfacher, dieser Aneinanderreihung generischer Faulheit etwas abzugewinnen.

Donnerstag 19.08.

Polizeiruf 110 (Folge 393) Bis Mitternacht
(Dominik Graf, D 2021) [stream] 2

großartig

Damit die Qualität des zu erstellenden Textes für critic.de steigen werde, habe ich den POLIZEIRUF abermals geschaut. Es hatte den Vorteil, dass ich mich an die Kraft der Bildschirmschoner erinnerte, die dann auch den Text beenden durften.

Mittwoch 18.08.

The Green Knight
(David Lowery, UK/CA/IR/USA 2021) [DCP, OmeU]

ok +

Sir Gawain (Dev Patel) ist der Neffe des alternden, verstaubten König Artus (Sean Harris). Er bringt seine Tage im Bordell zu und lebt völlig entfremdet von einer Welt der Ritterlichkeit, der Legenden und Mythen, der Geschichten und des Geschichtenerzählens dahin. Bei einem Treffen an der Tafelrunde erzählt ihm der König, dass er es bedaure, wie wenig er an Gawains Leben bisher teilgehabt habe. Prompt erscheint ein Ritter – halb Mensch, halb Baum – und fordert die Tafelrunde auf, einen der ihren zum Zweikampf zu schicken. Wenn der Gegner es schaffe, einen Treffer bei ihm zu landen, bekomme dieser seine Axt als Lohn. Er müsse aber zudem ein Jahr später den gleichen Schlag von ihm empfangen. Sir Gawain nimmt die Herausforderung an und schlägt dem sich nicht wehrenden Ritter den Kopf ab. Was nur Gawain überraschen dürfte, ist, dass der Ritter seinen Kopf danach aufhebt und seinen Widersacher daran erinnert, dass er in einem Jahr auch den Kopf abgeschlagen bekommt.
Größtenteils besteht THE GREEN KNIGHT aus der Odyssee Gawains zu seinem Termin im folgenden Jahr. Er wird dabei von Wegelagerern ausgeraubt, trifft Geister von Ermordeten, versandet fast in der Annehmlichkeit der Burg eines Jägers und Ritters. In wunderschönen Bildern und einer ohne Druck dahinschlendernden Dramaturgie wird in den Episoden Gawains Ritterlichkeit dekonstruiert … bzw. beziehungsweise Ritterlichkeit an sich. Wir bekommen ambivalente, nicht eindeutige Gleichnisse, die jede Bestimmung zu Höherem, eine Quest oder überhaupt den Edelmut des Ritters ad absurdum führen.
Es bleibt aber ermüdende Dopplung, weil Gawain von allen geschehenden Dingen völlig entfremdet bleibt. Seine Pflicht scheint immer von außen oktroyiert, während er dieser lustlos und innerlich unbeteiligt nachgeht. Es geht hier nicht um den ritterlichsten aller Ritter, der im Original einen kleinen Fehler macht und sich Vorwürfe macht, während niemand dafür Grund zu sehen scheint. Jemand völlig unritterliches ist nicht sehr ritterlich, mehr nicht. Es zieht bedeutungsschwanger dahin, ohne dem Punkt, dass das Konzept der Ritterlichkeit einer Lüge entsprungen sein könnte, etwas groß hinzuzufügen, ohne dem Kino Sofia Coppolas mit dem Mehr an Kryptik und Epik Entscheidendes hinzuzufügen.

Montag 16.08.

那夜凌晨,我坐上了旺角開往大埔的紅VAN / The Midnight After
(Fruit Chan, HK 2014) [blu-ray, OmeU] 3

fantastisch +

Laut DeepL heißt der Originaltitel übersetzt: In den frühen Morgenstunden dieser Nacht bestieg ich einen roten Van von Mongkok nach Tai Po. Es ist vll. nicht so griffig wie Die Mitternacht danach, entspricht aber durchaus dem Witz des Films, der im Großen und Ganzen darin besteht, uns (aus filmischer Sicht) banale Dinge (wie Telefonanrufe und J-Horror-Damen) zu zeigen, um dann aber schnell wegzurennen und den Zuschauer mit dem Versuch, schlau daraus zu werden, allein zu lassen. Wie im STB von 2016 (Teil II) schon zu lesen ist: ein Film über das Lebensgefühl im bisherigen 21. Jahrhundert.

Sonntag 15.08.

Yakari : La grande aventure / Yakari – Der Kinofilm
(Toby Genkel, Xavier Giacometti, F/D/B 2020) [DCP]

nichtssagend

Ein durch und durch computeranimierter (und nicht unbedingt schön aussehender) Film, der völlig ironiefrei von der anzustrebenden Einheit mit der Natur erzählt. Und darin leider vor allem nett und ziemlich egal bleibt.

念念 / Murmur of the Hearts
(Sylvia Chang, TW/HK 2015) [blu-ray, OmeU]

großartig

Ein Familiendrama an der Oberfläche ist MURMUR OF THE HEART zuvorderst ein Film über das Meer zwischen Taiwan und der Volksrepublik. Wie es Identitäten schafft und verschluckt. Wie die teilweise Überquerung eine Familie auseinanderreißt und eine neue Annäherung erschwert. Ein Film der Meerjungfrauen und Wellen. Es scheint etwas ziemlich einfach zu Greifendes zu sein, aber doch sind die Bewegungen und die Tiefe des Wassers kaum abzuschätzen.

Sonnabend 14.08.

Fabian oder Der Gang vor die Hunde
(Dominik Graf, D 2021) [DCP]

großartig

Ein Film über den Einbruch des Modernen in eine tradierte Welt und deren Zurückschlagen. Ein Film über die Vergangenheit und Heute. Ein Film der Überlagerungen, der sich in all seinen Programmatiken verkopft anhören muss, der es aber nicht ist. Am besten ist es, sich den Wollmilchcast dazu anzuhören.

Polizeiruf 110 (Folge 393) Bis Mitternacht
(Dominik Graf, D 2021) [stream]

großartig

Statt einen Täter zu suchen sind hier alle überzeugt, ihn schon gefunden zu haben. Er muss nur noch zum Geständnis gebracht werden. Das Beste an BIS MITTERNACHT ist, dass die Frage nach der Schuld nie abschließend geklärt wird, es einfach unter den Tisch fällt … ohne dass es großartig wirkt, als ob etwas fehlen würde. Weil es um Polizisten geht, die aus verschiedensten Gründen einfach Recht haben müssen. Und das ist das Grusligste und Provokanteste, wie egal die wichtigste Frage für die Beteiligten scheinbar ist.

Freitag 13.08.

Captain America: The First Avenger
(Joe Johnston, USA 2011) [blu-ray, OmeU] 3

gut +

Das diegetische Übel des Films ist Hydra, eine von Red Skull geführte, noch fanatischere, auf mythische Weise noch bösere Untergruppe der NSDAP, die das macht, was die SA nicht schaffte (und vll. nie versuchte), nämlich nach der Macht in Hitlerdeutschland und der Welt greifen. Ihr Gruß ist einfach der Hiltergruß mit zwei Armen und Fäusten. Es ist eine sensationelle Idee und passend für diesen Film. Völlig faul und platt wird das Gemeinte gedoppelt, aber tatsächlich vermittelt es sehr griffig einen Sinn für die inwendige Absurdität des Ganzen.

Mittwoch 11.08.

The Ipcress File / Ipcress – streng geheim
(Sidney J. Furie, UK 1965) [35mm] 2

fantastisch

Im Schillerhof lief anlässlich des kommenden Kinostarts des neuen James Bonds eine kleine analoge Filmreihe mit dem Namen Bond ohne Bond. Zwischen NORTH BY NORTHWEST und AUSTIN POWERS war dieser von Harry Saltzman produzierte Spionagethriller zu sehen. Ein etwas anderer Bond-Epigon. Denn da, wo der Erfolg der ersten drei Bond-Filme diverse Nachahmer auf den Plan gerufen hatte, wollte Saltzman etwas raffinierter auf seinen eigenen Zug aufspringen. Er engagierte zwar Leute wie Peter R. Hunt und John Barry von seiner Erfolgsfilmreihe, ließ es aber ansonsten mit den Parallelen bleiben. Lieber wollte er einen Gegenentwurf bieten.
Die Verfilmung des Romans von Len Deighton, der neben Spionageromanen Koch und Geschichtsbücher schrieb, es ist dem Film anzumerken, interessiert sich nicht für Exotik, Sex und Action. Stattdessen sehen wir Abläufe und das Entlanghangeln an den Dienstvorschriften. Der Film besteht aus Büros, Gängen, Meetings, Überwachungen, Formalien, Einkäufen im Supermarkt, Kochen und Warten. Harry Palmer (Michael Caine in seiner ersten Hauptrolle, die direkt seinen Durchbruch bedeutete) ist die schnoddrige Anomalie in einem durch und durch bürokratischen Apparat. Weshalb THE IPCRESS FILE einen Film wie THE FRENCH CONNECTION vorwegnimmt, nur dass wir hier keinem heruntergekommenen Besessenen bei seinem obsessiven Stalking folgen, sondern einem kultivierten Slacker, der sich in einem tristen Schlangennest bewegt. (Es ist auch so ein Unterschied zum Agenten im Dienst seiner Majestät. Der MI6 steht hinter Bond, während Palmer nur Wegwerfprodukt im Kalten Krieg ist.) Wenn das Alltägliche und Unbedeutende des kleinen Lichts Palmer auf dessen trockenes Getrolle trifft, dann ist THE IPCRESS FILE ein eleganter, stilvoller Fluss, der gerade im wenig Besonderen eine essentielle Schönheit in der Ödnis findet.
Erst im letzten Drittel franst der Film dann aus. Er wird aufregend und wild, wenn der Kalte Krieg als Bilderreigen des Wahnsinns über Palmer einbricht. Wenn sein Gehirn gewaschen werden soll. Doch schon das vermeintlich Trockene der Abläufe hatte an dem Thema der audiovisuellen Konditionierung gearbeitet. Wenn beispielsweise zwei Entführungen/Morde sich auf die gleiche Weise vollziehen, dann wissen wir beim zweiten Mal bereits, was uns erwartet. Filmisch wird sich dem Einlullen des bürokratischen Alltags und der Überwältig der Umkonditionierung angepasst. Oder andersherum: Wir sehen u.a. eine Metafilm, der sich den Möglichkeiten seines Mediums auf das Bewusstsein auf zwei Wege annähert.
Kurz: THE IPCRESS FILE ist ein weiteres Meisterwerk eines Regisseurs, der immer zur falschen Zeit am richtigen Platz war. Sein THE LEATHER BOYS (1964) in seiner Sensibilität für Kitchen Sink-Drama und Homosexualität, für Leder- und Motorenfetisch und die Enge der Gesellschaft war zu polymorph in seinen Interessen und zu wenig belehrend, im Gegensatz beispielsweise zum ungleich erfolgreicheren und filmgeschichtlich nachwirkenderen VICTIM (1961). Wäre Marlon Brandos Karriere nicht Anfang der 1970er Jahre wiederbelebt worden, THE APPALOOSA (1966) wären mit seiner lakonischen Genreprätention und seinem leuchtenden Abendrot ein schöner Film gewesen, der dem Verglühen seines Stars würdig war. Durch Budgetgerangel wurde Sidney J. Furie nicht wie geplant Regisseur von THE GODFATHER (1972). THE BOYS IN COMPANY C (1978) war Vorbild für FULL METAL JACKET (1987), ohne dass der Film aber noch groß im Bewusstsein der Filmgeschichte reüssieren würde. Der Jetfliegeractionfilm IRON EAGLE (1986) wurde vom später im selben Jahr veröffentlichten TOP GUN völlig überstrahlt. Oder es war sein SUPERMAN IV (1987), der das Franchise für fast 20 Jahre entgleisen ließ. Das, was ihr an historischer Resonanz fehlt, macht diese Filmografie aber mit ungleich viel mehr Faszination wett.

Montag 09.08.

ヘヴンズ ストーリー / Heaven’s Story
(Zeze Takahisa, J 2010) [stream, OmeU]

großartig

In seinen besten Momenten ist es nicht ganz einfach, schlau aus den Dingen zu werden, die sich hier vollziehen. Viereinhalb Stunden mäandert HEAVEN’S STORY dahin und springt zwischen seinen Figuren hin und her, deren Verbindung untereinander sich erst nach einiger Zeit – wenn überhaupt – erschließt. Ohne expliziten Marker wird mittendrin ein Jahrzehnt übersprungen. Mehrere Leute müssen damit leben, dass ihre Familie umgebracht wurde. Ein anderer muss damit leben, dass er jemanden die Familie raubte. Viereinhalb Stunden ist HEAVEN’S STORY eine Meditation über innere und äußere Leere, über Verlorenheit, über ein unbestimmtes Wirken von Traumata im Alltag, über die Unmöglichkeit mit dem Unaussprechlichen eines kurzen, brutalen Moments klarzukommen. Die Taten werden nicht gezeigt, nur Annäherungen und die langen, sich ziehenden Folgen. In seinen besten Momenten ist HEAVEN’S STORY ein loses Sammelsurium von Eindrücken und Assoziationen. Wenn er sich in der zweiten Hälfte zusammenzieht und auf einen Punkt hinsteuert, an dem sich alles auflöst, verliert er aber ein wenig von seiner sonstigen Kraft, die darin liegt, mit all dem Vagen, den großen Gefühlen, die sich unter einer dicken Schicht von Taubheit verstecken, allein gelassen zu sein.
*****
Die paar Zeze Takahisa-Filme, die ich zuletzt schaute, dienten der Möglichmachung einer Ankündigung der Reihe seiner Filme im Berliner Zeughaus beziehungsweise der Annäherung an Zezes Schaffen für critic.de.

Sonntag 08.08.

Finding Dory / Findet Dorie
(Andrew Stanton, USA 2016) [blu-ray]

ok

Dorie verirrt sich als Kind und verliert ihre Eltern. Dorie verliert auf der Suche nach ihren Eltern Nemo und Marlin. Dorie findet Freunde und verliert sie. Und alle finden sich immer wieder. Verlieren und Wiedersehen, der Film.

Sonnabend 07.08.

ストレイヤーズ・クロニクル / Strayer’s Chronicle
(Zeze Takahisa, J 2015) [stream, OmeU]

ok +

Ein für den japanischen Zweig von TimeWarner produzierter Superheldenfilm von einem (weitestgehend) ehemalige Pinku-Regisseur, in dem es nicht um Materialschlachten geht, sondern Verkrüppelte, die entweder ihre Gaben teuer bezahlten oder für ihre seelischen Narben Gaben erhielten. Onkel Bens Mit großer Macht kommt große Verantwortung ist im Angesicht dessen Hohn, da die Macht nichts Reines ist, was sich einfach an Körper und Geist anschließt, ohne dass diese beeinflusst werden würden. Selbst die Action ist toll inszeniert. Nur verliert es sich etwas in seinen Diskussionen über Moral und Handlungsmöglichkeiten.

猥褻暴走集団 獣 / No Man’s Land m
(Zeze Takahisa, J 1991) [stream, OmeU, ł]

gut

Zeze nennt sich in den Credits Jean-Luc Zezemusch. Die Verbeugung vor STRANGER THAN PARADISE und DOWN BY LAW als auch den Essaytechniken Godards ist kaum zu übersehen. Nur ist das, was von Jarmusch an Bildern zitiert und übernommen wird, gänzlich oberflächlich. Zeze macht damit aber dermaßen eigene Dinge mit Sex, unklaren Zeitebenen und einer zähen Zeit, dass ich kaum nachvollziehen kann, was Zeze an Jarmusch nun so fasziniert, dass er ihn aufgreift. Welchen Einfluss hat er in diesem Werk eines gänzlich anders gelagerten Regisseurs hinterlassen?

Freitag 06.08.

高級ソープテクニック4 悶絶秘戯 / The Dream of Garuda
(Zeze Takahisa, J 1994) [DVD, OmeU, ł] 2

großartig +

Lukas F. schrieb bei letterboxd einen ganz passenden Kommentar, der leider bei der Wertschätzung nicht zu den richtigen Schlüssen kommt. Denn dies mit seinen verlorenen Menschen, die ua. in glitschigen Sexmassagen Sühne suchen, ist sensationell.

黒い下着の女 雷魚 / Raigyo
(Zeze Takahisa, J 1997) [DVD, OmeU] 2

großartig

Von den 1990er Pinkus, die ich von Zeze kenne, ist dies nicht nur der Geradlinigste, sondern auch derjenige, der fast auf Sex verzichtet. Das japanische Ödland steckt dafür in Farbbildern, die wunderschön ungesund leuchten, während die Leute irrlichternd nach Genugtuung und ausgleichende Gerechtigkeit suchen. Oder wie Kamil M. bei letterboxd zu schön schrieb: Desire is a fish riddled with worms that no one wants to eat

Mittwoch 04.08.

North by Northwest / Der unsichtbare Dritte
(Alfred Hitchcock, USA 1959) [35mm, OmU] 2

großartig

Die Blaupause für die James Bond-Filme: Ein Mann (hier: Carry Grant) reist in Spionagedingen umher und tauscht Anzüglichkeiten mit Frauen aus. Leider ist die Doppeldeckerszene einer der größten Spoiler der Filmgeschichte. Als ich NORTH BY NORTHWEST das erste Mal sah, erreichte mich der schön gebaute Suspense der Szene gar nicht, da ich nur auf die mir bekannte Auflösung wartete.

Dienstag 03.08.

トーキョー×エロティカ / Tokyo X Erotica
(Zeze Takahisa, J 2001) [DVD, OmU] 2

großartig

Eine Frau bespritzt einen Mann mit dessen eigenem Sperma, welches sie in eine Wasserspritzpistole füllte. Ein Mann im Plüschhasenkostüm wird nach dem Sex zum Mörder. Eine Frau pisst auf einen Teppich und ein Jahrzehnt früher nehmen die Bewohner der Wohnung plötzlich den Geruch war. Sex und Zweisamkeit sind notwendig und doch Dinge der Unmöglichkeit, wenn die Menschen für kurze Momente in die Absurdität des Lebens abtauchen, dass irgendwo in der Unendlichkeit der Zeit aufblitzt. Ein Gebet mit Körperflüssigkeiten für den modernen Menschen.

Montag 02.08.

Nomadland
(Chloé Zhao, USA/D 2020) [DCP]

ok +

Es ist die Geschichte vom Huhn und vom Ei. NOMADLAND ist Portrait von Leuten, die durch die Vereinigten Staaten ziehen, die in Caravans und umgebauten Bullis leben und die sich saisonal verdingen. Die sozialen Bedingungen kommen aber nur bedingt in den Fokus. Das, was nötig sein muss, damit Leute in Autos wohnen und als mobile Hobos arbeiten, ist größtenteils unausgesprochenes Hintergrundrauschen. Der Auftakt an einem Amazonlager im Schneetreiben muss scheinbar ausreichen, damit das Allgemeinwissen um die dortigen Arbeitsbedingungen auf den Rest vom Film abstrahlen zu lassen. Die Fratze des kontemporären Kapitalismus wird schnell vorgeführt und dann eben Fratze sein gelassen, die nicht ständig aufgezeigt werden muss. In seinen lakonisch-distanzierten Indiebildern interessiert sich NOMADLAND für die Individuen und ihrer Lebensweise. Oder um genauer zu sein für die Romantik des Ganzen. Und so bleibt eben ungeklärt, was hier die Leute auf die Straße zwang: die Not oder das Abenteuer.
Fast ausschließlich wird beim Cast auf reale Nomaden zurückgegriffen. Frances McDormand spielt die Hauptfigur, Fern, und neben ihren realen Konterparts wirkt ihr Schauspiel schrecklich affektiert – vll. liegt es an der Synchro, die ich nach Jahren des O-Ton-Hörens als sehr befremdlich empfand, aber bei den anderen Figuren hat sich dieses Gefühl des Fremdelns nicht auf sie/ihre Figuren übertragen. Während die anderen also ihre kleinen Momente haben, rückt mit Fern eine Liebesgeschichte in den Fokus, was Ferns Ei und Huhn noch diffiziler macht. Immer wieder flieht sie vor Sesshaftigkeit und Liebe, wenn Daves (David Strathairn) Avancen bei ihr nur Flucht und Frust auslösen – trotz der Gefühle, die auch sie zu haben scheint.
NOMADLAND könnte eine sehr ruhige Liebesgeschichte unter modernen Hobos – mit einer Fehlbesetzung – sein. Dass er sich nicht weiter für die Zwänge der Gesellschaft interessiert, ist auch nicht weiter dramatisch. Was es aber ist, ist die fürchterlich säuselnde Klaviermusik, die alles mit ihrer Ramschmelancholie überzieht. Sie vertreibt einem jede Lust über die Macken des Films hinwegzusehen.

Sonntag 01.08.

Spirit Untamed / Spirit – Frei und ungezähmt
(Elaine Bogan, USA 2021) [DCP]

ok

Manchmal bin ich sehr einfach gestrickt und Träume, in denen Pferde durch eine überschwemmte den Himmel spiegelnde Prärie reiten, oder Erinnerungen, in denen Frauen von einer Schwärze voll Feuerwerk verschluckt werden, versöhnen mich etwas mit der wirklich nicht schönen Computeranimation und der klischeehaften, etwas öden Geschichte eines Wildfangs, die, indem sie ein Wildpferd rettet, sich selbst rettet.

ばるぼら / Tezuka’s Barbara
(Tezuka Makoto, J 2019) [DVD, OmU] 2

nichtssagend

Nachdem ich das Manga nun gelesen habe, wirkte dies nochmal etwas öder. Mehr dazu findet sich auf critic.de, wie schon am 24.07. angekündigt.

Juli
Sonnabend 31.07.

Thor
(Kenneth Branagh, USA 2011) [blu-ray, OmeU] 2

gut

Manchmal bin ich sehr einfach gestrickt. Schon die ständig schrägen Einstellungen lassen den Eindruck bei mir entstehen, einen aufregenden Film zu sehen. Und im Gegensatz zu den drei MCU-Filmen davor interessieren mich die Figuren tatsächlich und ich fand schön, dass es so gut wie keine herumstehenden Anknüpfungspunkte an anderes gibt.

Freitag 30.07.

パンダコパンダ 雨ふりサーカスの巻 / Panda! Go Panda!: Rainy Day Circus m
(Takahata Isao, J 1973) [DVD] 2

großartig

Der erste Teil nochmal … dieses Mal mit epischen Überschwemmungen, Tigerangriffen und Zugunglücken. Immer noch ein großes Vergnügen und ein unfassbar niedlicher Film.

Jungle Cruise
(Jaume Collet-Serra, USA 2021) [DCP]

ok

Manchmal scheint es, als würde JUNGLE CRUISE alles scheuen, was weiter entferntet ist als eine nahe Einstellung oder eine Großaufnahme. Als ob er die Welt um das ewige Grinsen von The Rock und Emily Blunt nicht zeigen möchte, weil … vll. weil da zu viel CGI wartet? Weil da Monster warten, wie ein verfaulende Mischung aus Konquistador und Bienenstock oder dem Konquistador, der von Schlangen ausgefüllt ist und unter dessen Haut es schlängelt und aus dem diese hervorschießen, die beide aber neben den zuweilen alptraumhaften Bildern von Einmannzerstörungsmaschinen bei den Leuten im Film keinen Schaden anrichten und deshalb irgendwann impotent wirken? Weil es dem Film Spaß macht, eine Figur (The Rock) als schlechten Witzemacher einzuführen, ihn aber kaum schlechte Witze machen lässt, weil er immer wieder sentimental werden muss … und deshalb immer an den Gesichtern hängen muss? Alles jedenfalls nicht so erfreulich. Und einer dieser Film nachdem Cassevetes‘ FACES vll. in EIN BUNTER STRAUSS AUS VIELEN EINSTELLUNGSARTEN umbenannt werden sollte.

Street Heat / Heiße Verführung
(Ned Morehead, USA 1987) [35mm]

ok

Eine Frau betritt das Büro eines Privatdetektivs. Eine andere Frau ist verschwunden. Er soll sie wiederfinden und klappert deshalb ihre Stationen und Bekanntschaften (u.a. Jamie Gillis) ab. Ein Hardcore-Noir, in dem einmal neben den Sexhabenden ein Schatten die Wirklichkeit düster doppelt, der Schatten eines Kleiderständers mit befüllten Pistolenhalfter an der kahlen Wand. Oder in dem einmal, während vorne in der Einstellung noch ein Stecher alleine am Pool sitzt, hinter seiner Schulter dessen Bodyguard nochmal vom Gehenden zusammengeschlagen wird … wobei STREET HEAT mehr Sinn für Mise en Scène beweist als der von mir davor gesehene JUNGEL CRUISE. Aber es sind nur kurze Momente von Stilbewusstsein, die STREET HEAT gerne auch wieder vergisst und einfach nur den nächsten emotionslosen, gleichaussehenden Fick nachreicht.

Donnerstag 29.07.

パンダコパンダ / Panda! Go Panda! m
(Takahata Isao, J 1972) [DVD] 2

großartig +

Ein wirklich intensiver Mittelfinger gegen die Realität und ihren Schmerz, ihre Ödnis, ihre Gemeinheit, ihre Undurchsichtigkeit. Eine Waise wohnt ein paar Tage allein in einem Haus im Wald, weil ihre Oma zu einer Gedenkfeier muss. Zwei wilde Tiere, Papa-Panda und der kleine Pandi, sind aus dem Zoo ausgerissen und ziehen bei ihr ein. Die Welt ist dabei immer bestens und schön. (Etwas geschliffen wird Miyazaki sein Script dann später als MEIN NACHBAR TOTORO wiederverwenden.)

Old
(M. Night Shyamalan, USA 2021) [DCP, OF]

großartig +

Statt dem naheliegenden Witzen, wie viele Jahre man altert, während man Old schaut, verlässt sich mein Text bei critic.de auf einen noch naheliegenderen Kalauer.

Mittwoch 28.07.

Replicant
(Ringo Lam, USA 2001) [DVD, OmU]

verstrahlt

Ein Essay über Erziehung und den Einfluss der Eltern auf ihre Kinder, in dem ein als ausgewachsener Mann geborener Klon (Jean-Claude van Damme), der von seinem Vaterersatz (Michael Rooker) wiederholt misshandelt wird, weshalb es an einem Wunder grenzt, dass er kein Psychopath wird, sein eigentliches, von seiner Mutter verkorkstes Ich (Jean-Claude van Damme) jagt, dass dem Replikat als abschreckendes Vorbild dient und ihn auf der rechten Bahn hält. Das Ganze als Actionreißer. Ich weiß wirklich nicht, was dieser Film darstellen soll. Aber es ist toll.

Montag 26.07.

Druk / Rausch
(Thomas Vinterberg, DK/NL/S 2020) [DCP, OmU]

ok +

Dreimal kommt RAUSCH an den Punkt, an dem sich Martin (Mads Mikkelsen) zwischen Nüchternheit und Alkohol entscheiden muss. Nur die Implikationen sind jeweils andere. Beim ersten Mal ist es die Wahl zwischen lebloser Verbitterung und Befreiung, beim zweiten Mal zwischen einer neugewonnenen Belebung und Absturz, beim dritten Mal zwischen Aufrechterhaltung seiner bürgerlichen Existenz und einem bunten Leben. Aber im Grunde handelt es sich auch jeweils um die Entscheidung zwischen Familie und Freunden.
Familie ist dabei etwas Kompliziertes, das einen fertigmachen kann, das aber auch beglückt. Und Freunde stehen dagegen für stressfreien Spaß … und Alkohol, der das Leben schöner und einfacher macht, der einem aber ebenso alles andere zerstört. Oder anders: Alkohol macht erst alles besser, schöner und einfacher, bis es eine gewisse Grenze überschritten ist und er zu viel Platz im Leben einnimmt – während der Alkohol und seine Wirkungen die große Bühne bekommt, läuft die Familie nur nebenher. Die Frage ist nur, ab wann es zu viel ist und ob der Alkohol in seinen Grenzen gehalten werden kann.
Dies bildet die Ausgangsannahme und -frage, die RAUSCH für seinen Versuchsaufbau nutzt. Und bekommt dabei heraus, was reingesteckt wurde. Das Leben mit als auch ohne Alkohol sind unmöglich, so wird angenommen und vorgeführt. Und wie sich Martin eben an den drei Wendepunkten immer für den Alkohol entscheidet, so ist RAUSCH trotz eines tollen Mikkelsen sehr schematisch. Hätte es mehr Befreiendes und Unerwartetes gegeben wie die tolle Musicalsequenz, die den Film beschließt, dies hätte etwas sein können.

Sonnabend 24.07.

The Ipcress File / Ipcress – streng geheim
(Sidney J. Furie, UK 1965) [blu-ray, OF]

fantastisch

Beim 35mm-Kino in meiner Heimatstadt wird bald THE IPCRESS FILE gezeigt. Für meine dann stattfindende Einführung habe ich den Film bereits geschaut und diesen Versuch eines Werbetextes geschrieben: Die britischen Filmspione James Bond und Harry Palmer teilten sich zu ihrer Anfangszeit Produzent, Komponist und Cutter. Doch statt Karibik, Frauen und kalten Drinks bekommt Palmer (Michael Caine) in IPCRESS Büros, Papierkram und Supermarktbesuche serviert. Beide haben immer einen Spruch auf den Lippen und improvisieren sich durch ihre Hindernisse, doch Palmer ist nicht Teil eines bunten Pop-Art-Spaßes, sondern eines Paranoia-Thrillers, in dem jegliche Wärme einem steifen, eigennützigen, durchtriebenen Spionagesystem abgekämpft werden muss. Und rettet der Geheimdienstplayboy ihrer Majestät nur die Welt, bekommt es Palmer mit den Mächten des Wahnsinns zu tun, wenn dieser subtile, stillvolle Film eines Spionagealltags schließlich flamboyant durchdreht.

ばるぼら / Tezuka’s Barbara
(Tezuka Makoto, J 2019) [DVD, OmU]

ok

Den habe ich für critic.de geschaut. Ich denke, dass da bald etwas kommt. Vorher besorge ich mir aber noch das Manga, um mich von meinem Eindruck zu überzeugen bzw. abzubringen, dass dies Narrengold ist.

Freitag 23.07.

座頭市喧嘩太鼓 / Samaritan Zatoichi
(Misumi Kenji, J 1968) [blu-ray, OmeU]

ok +

Lukas F. und Filipe F. preisen SAMARITAN ZATOICHI. Ich sehe, was sie meinen, aber ich kann nicht einstimmen. Ein, zwei schöne Momente gibt es, wenn bei einem Jahrmarktswettbewerb einer Frau beispielsweise klar wird, dass die hier so unschuldig vorgeführte Virtuosität die gleiche ist, die ihren Bruder umbrachte, oder wenn ein intimer Ort mit einem Schnitt zu einem überlaufenden wird. Ansonsten folgt der Film dem Mythos der Reihe und der zunehmenden Introspektion. Es wird aber kaum etwas hinzufügt … außer das mehr denn je naheliegt, dass schöne Frauen im damaligen Japan ihre puppenartige Schönheit am besten mit Säure oder Feuer zerstören hätten sollen, um nicht in den Fokus der Missbrauchgierigen zu geraten.

Iron Man 2
(Jon Favreau, USA 2010) [blu-ray, OmeU] 3

nichtssagend

Der erste Teil nochmal, nur etwas umgestellt. So wird der Antagonist früher offenbart und in zwei Personen getrennt, in einen Strompeitschen-schwingenden Superbösewicht (Mickey Rourke) und einen Kapitalistenhampelmann (Sam Rockwell). Oder Agent Coulson (Clark Gregg) wird zu Black Widow (Scarlett Johansson) hochgepimpt. Aus der Wüste Afghanistans werden Autorennen in Monaco. Fast alle Entscheidungen gehen auf und machen die Ödnis erträglicher … aber es bleibt eben ein Film, der krampfhaft nach einem menschlichen Kern in einer Ironiemaschine (was heißt: im Film wie in seiner Hauptfigur) sucht.
Und am schlimmsten ist jeder Versuch, das MCU aufzubauen. S.H.I.E.L.D. und jeder Verweis auf andere Filme (inkl. des kurzen Werbespots für THOR am Ende) fühlen sich überflüssig und umständlich an. Als wolle ein Zeuge Jehovas die Unterhaltung ganz unbemerkt auf das Thema Religion wenden.

Mittwoch 21.07.

Blue Velvet
(David Lynch, USA 1986) [35mm, OF, ł] 5

fantastisch

Als ich BLUE VELVET das erste Mal schaute, hatte ich LOST HIGHWAY und MULHOLLAND DRIVE bereits gesehen. Ich empfand es damals als schrecklichen Rückschritt, dass Lynch hier noch nicht alles in Abstraktion und Surrealismus kippen lies, dass hier am Ende alles erklärt wird. Wenn ich BLUE VELVET heute schaue, scheint es mir, dass mein früheres Ich blind war. Weil die Dualität aus Tag und Nacht, aus sauberen und dreckigen Frauen, aus Normalität und Wahnsinn in seiner von Fetischen getragenen Darstellung schlicht unwirklich ist. Zwar wird alles auf der Handlungsebene aufgelöst und erklärt, die Inszenierung aber und wie sie die Düsternis der Nacht am Ende aus dem Film entfernt und nur das strahlende Licht eines sonnigen Nachmittags belässt, erzählt aber eine andere Geschichte. Dieses Happy End ist das Produkt eines brutalen, irrsinnigen Gewaltakts, der die Nacht und ihre Schatten nicht besiegt hat, sondern die Augen vor ihnen verschließt. Bürgerlichkeit als Leugnung aller Krankheiten, die in andere gepflanzt/gespritzt wurden und des Verlangens dies weiter zu tun. Danach sieht es aus.

Dienstag 20.07.

江戸川乱歩全集 恐怖奇形人間 / Horrors of Malformed Men
(Ishii Teruo, J 1969) [DVD, OmU]

gut +

Hirosuke (Yoshida Teruo) flieht aus einer Irrenanstalt, wo er seiner Meinung nach zu Unrecht festgehalten wird, kommt über den Umweg eines Zirkus in einer reichen Familie unter, die ihn für das verstorbene Familienoberhaupt hält, und reist von dort auf eine Insel weiter, auf der seltsame Gestalten auf ihn warten … warten, um alles zu erklären. Dieses Chamäleon eines Films zieht viele Register in Sachen Wahnsinn, Paranoia, düstere Familien-geheimnisse und deformierte Vor- und Nachfahren, hält oft dezent seine Spannung, indem es unzählige Abgründe andeutet, diese sich aber nicht verwirklichen lässt, setzt trotzdem immer wieder bunt und wild seine Vorstellung eines kinematischen Zirkus um, und endet schlussendlich mit einem ausladenden, lustfeindlichen Erklärbär, der in der letzten halben Stunde alles daran setzt, keine der Wendungen und Entwicklungen ungeklärt zu lassen.

Montag 19.07.

怪談昇り竜 / Blind Woman’s Curse
(Ishii Teruo, J 1970) [DVD, OmU]

großartig

Der Anfang ist hiermit gemacht. Unter der Kritik zu BLIND WOMAN’S CURSE bei critic.de findet sich nun eine knappe Definition des Begriffs Schangel. In wenigen Jahren laufen die Berichte von der Berlinale mutmaßlich unter dem Banner Mit dem Schangel-Shuttle in das Land des Schlocks.

Sonntag 18.07.

秋天的童話 / An Autumn’s Tale
(Mabel Cheung, HK 1987) [blu-ray, OmeU] 2

fantastisch

Einer der zentralen Filme über den heruntergekommenen Chic des Prä- Giuliani New Yorks kommt aus Hongkong und ist eine melancholische Komödie über die Ungleichzeitigkeit der Liebe, die weniger eine Geschichte erzählt als Momente ansammelt, die irgendwann über den Gefühlen der Protagonisten zusammenstürzen.

Sonnabend 17.07.

The Emperor’s New Groove / Ein Königreich für ein Lama
(Mark Dindal, USA 2000) [DVD]

gut +

Seit Wochen versuchte ich Lotti Z. (5 Jahre) zu diesem Film zu überreden. Ich machte ihn dann einfach an und schaute ihn. Kaum lief er, saß sie auch neben mir. Als der Abspann lief, griff sie zur Hülle, schaute darauf und sagte, dass wir den auch mal mit ihrer Mama schauen könnten.

The Incredible Hulk / Der unglaubliche Hulk
(Louis Leterrier, USA 2008) [blu-ray, OF] 2

uff

Verzichtshumor – wenn Bruce Banner (Edward Norton, der den ganzen Film im Dackelblick-Ich-armer-Tropf-Modus verbringt) beispielsweise mit Betty Ross (Liv Tyler) immer intensiver pettet, aber darauf hinweist, dass zu viel Aufregung (Sex) ihn verwandeln würde – ist eines der wenigen Metiers, auf die sich dieser HULK versteht.

Donnerstag 15.07.

The Fate of the Furious / Fast & Furious 8
(F. Gary Gray, USA 2017) [DVD, OF] 2

ok

Ich glaube wirklich, dass eine andere Frisur für Charlize Theron und etwas weniger Hackerkämpfe, in denen die Kontrahenten nur sagen, wie gut ihr Gegenüber ist, mich mit diesem Film aussöhnen könnten. Wo bleibt der digital-enhanced-Cut?

F9 / Fast & Furious 9
(Justin Lin, USA 2021) [DCP, OF]

ok +

Eines der im Text bei critic.de nicht erwähnten Versäumnisse des Films ist, dass die F9-Taste keine Rolle spielt. Dafür ist verlässlichen Quellen des Internets zu entnehmen, dass der nächste Teil FAST10 YOUR SEATBELTS heißen wird.

Mittwoch 14.07.

Judas and the Black Messiah
(Shaka King, USA 2021) [DCP, OmU]

gut

JUDAS AND THE BLACK MESSIAH – oder: der charismatische Fred Hampton (Daniel Kaluuya) und sein nichtssagender Gegenpart (Lakeith Stanfield). Oder noch anders: Auf der einen Seite ein völlig legitimer Kampf gegen einen rassistischen, faschistischen Staatsapparat, für den der Film kein Gegenargument bietet – die Schießereien der Black Panther mit der Polizei sind auch die eines Rebellionsactionepos –, während die Gegenseite nur weniger asketisch eingerichtete Lebenswelten bietet, bessere Kleider, bessere Restaurants. Dem Informant Billy O’Neal (Stanfield), der die Panther fürs COINTELPRO aushorcht, bekommt kaum eine Legitimation für sein Tun.
In meiner Jugend habe ich ALL POWER TO THE PEOPLE: THE BLACK PANTHER PARTY AND BEYOND gesehen. Ich weiß nicht, wie bewusst dies war, aber in dieser Doku kamen die Folgen von COINTELPRO sehr gut heraus. Aus einer einfachen, klaren, einstimmigen Erzählung wird mit der Zeit ein paranoider Wust aus sich widersprechenden Ahnungen, Vermutungen und Hörensagen. Das FBI schaffte nicht nur mit Mord und Gefängnisstrafen einzuschüchtern und zu demotivieren, sondern machte indirekt auch eine Zusammenarbeit unmöglich, da jeder ein Verräter sein konnte.
Und JUDAS AND THE BLACK MESSIAH scheint es u.a. darum zu gehen, wie wenig vonnöten ist, um diesen gerechten Kampf zu sabotieren. O’Neal wird sicherlich eine Haft angedroht, wenn er Hampton nicht ausspioniert. Wenn er aber erklärt, dass sein zuständiger FBI-Agent Roy Mitchell (Jesse Plemons) – auch vom Film als netter Mann gezeichnet, der Angst vor der Radikalität der Black Panther hat und der von J. Edgar Hoover (Martin Sheen) persönlich zu den niederträchtigen, jeder Rechtsstaatlichkeit widersprechenden Maßnahmen des FBIs durch die selben Verhörmethoden eingeschüchtert werden muss, die er an O’Neal anwendet – dass dieser Agent also sein Vorbild sei, weil er sich was leisten kann, ein beschauliches Heim hat und etwas für die USA tut, dann erscheint es wie eine faule Ausrede. Eine Ausflucht, mit der er sich einredet, dass sein Handeln nicht völlig verkommen ist. Es sind eben nur etwas Drohungen hier und eine bürgerliche Einrichtung da, die einer Masse von Gerechtigkeit und Charisma entgegenstehen. Und deshalb ist JUDAS AND THE BLACK MESSIAH in seinen besten Momenten ziemlich bitter.

Montag 12.07.

Justice League The Snyder Cut
(Zack Snyder, USA 2017/2021) [blu-ray, OF]

gut

Es ist kaum zu glauben, aber kaum ist der Bösewicht nicht nur ein ab und zu vorbeischauendes Irgendwas, schon ist das alles gleich viel Faszinierender. Was die beiden Filme zu einem Beweisstück dafür macht, dass wenn ein Filmemacher seinen Film darauf anlegt, ein großes, umfassendes Bild seiner Geschichte zu zeigen, dass dann Kürzungen den Film zwar kürzer machen, der ganze Aufbau der Geschichte und der Szenen aber nicht mehr passt. Hach, was wären die Filme von von Stroheim toll gewesen.
Schön: Aquaman ist nun nicht mehr die Lachnummer des Films. … Trotzdem finde ich nicht wirklich den Zugang zu Snyders Superhelden.

Bad Luck Banging or Loony Porn
(Radu Jude, ROM/L/CZ/CR 2021) [DCP, OmU]

ok

Zuerst ein fiktiver selbstgemachter Porno, der fast in seiner ganzen Pracht ausgehalten wird. Eine Lehrerin hat darin Sex mit ihrem Ehemann. Irgendwie ist dieser ins Internet gelangt und nun eine große Sache an der Schule. Der erste Teil des Films zeigt Lehrerin Emi Cilibiu (Katia Pascariu) beim Laufen durch die Stadt. Sobald sie aus dem Bild gelaufen ist, schwenkt die Kamera und zeigt Plakate, Häuserfronten und anders geartetes Stadtleben. Kurz: wir bekommen Schlaglichter darauf, in welcher Gesellschaft Emi lebt. In welcher Gesellschaft ihr Film entstand und in welcher er skandalisiert wird.
Der zweite Teil zeigt eine großzügige lexikalische Ansammlung von Begriffen, die dieses Gesellschaftsbild als bunte Montage vertieft. Meist ist es etwas mit Nazis oder Sex. Beide Teile operieren in einem Gestus der Freiheit – erst ist es der impressionistische Stil mit sehr wenig Dialogen und Handlung, dann eben eine Sammlung von mehr oder weniger wahllosen Dingen. Doch stets ist der Unterton präsent. Anzügliche Werbung, ignorierte Coronamaßnahmen und blank liegende Nerven im Straßenbild; Niedertracht, Perversion und eine heuchlerische Religion im Lexikon. Die scheinbar freien Diskussionsangebote drängen penetrant in eine Richtung.
Der dritte Teil, der den außerordentlichen Elternabend zeigt, in dem Emi mehr oder weniger vor einem Tribunal sitzt, spielt dann erstmals mit offenen Karten. BAD LUCK BANGING ist eine Groteske. Die Frage nach der Möglichkeit von Zusammenleben wird nicht diskutiert, sondern in einer trolligen Form in Frage gestellt. Sprich alle reden durcheinander, die Wertesysteme und Diskussionskulturen sind höchst divergent und überhaupt ist alles nur ein Karneval in der moderne, wissenschaftliche Selbstverständlichkeit auf eine antimoderne, religiöse, faschistische Selbstverständlichkeit trifft. Und irgendwie fühlt sich der Film eben nie frei an, weil seine Groteske zuvorderst auf die zweite der beiden zielt. Der dritte Teil ist der beste, aber auch nur das Äquivalent von ein paar Minuten Fox & Friends zu einem Streitthema, mit der zu Zirkusmusik gestellten Frage, ob das aushaltbar ist.

Sonntag 11.07.

Godzilla vs. Kong
(Adam Wingard, USA 2021) [3D-DCP]

nichtssagend

Alles was Kongs Kampf mit Godzilla betrifft – vor allem der Punkt, dass ein weinendes Kind die beiden (bzw. Kong) zur Besinnung kommen lässt, woraufhin sich beide aufhören wie Arschlöcher zu benehmen – ist hervorragend. Aber es sind zu viele Menschen, zu wenig, was mit ihnen angefangen wird – weiterhin an Monarch als SHIELD-Ersatz festzuhalten ist eine sich nie rentierende Last –, und der Besuch in der Welt unter der Erde bleibt leider nur ein kurzer Ausflug, so schön, dass es wehtut, dass mit ihm nichts angefangen wird. Was mich aber am meisten störte, war, dass die unwichtigste der vielen unwichtigen menschlichen Figuren, die aber trotzdem sklavisch durch den Film gezerrt und wie eine Hauptfigur behandelt wurde, dass diese mir jedes Mal einen kleinen Schock versetzt, wenn nach längerer Zeit wieder zu ihr geschnitten wurde, da Alexander Skarsgård in diesem Fall immer kurz nach Christian Lindner aussah.

Sonnabend 10.07.

Army of the Dead
(Zack Snyder, USA 2021) [stream, OmeU]

großartig

Ich war auf vieles gefasst, aber nicht auf ARMY OF THE DEAD MODERN DANCERS. Die Zombies rennen nicht nur, sie lassen keine Gelegenheit aus, um zum beherzten Sprung über Dinge anzusetzen, als gäbe es eine Rolle in Cats zu gewinnen. Superb.

Blank Generation
(Ulli Lommel, USA 1980) [DVD, OF]

gut +

Billy (Richard Hell) ist Sänger und Bassist. Sein Agent möchte ihn groß rausbringen, er empfindet es aber schon als Käfig, wenn die Zuschauer irgendwann von ihm erwarten, dass er die Konzerte seiner Band im Überdruss über seine Rolle immer wieder abbricht. Nada (Carole Bouquet), seine Geliebte, macht in durchgedrehten Szenen, wenn sie ihn beispielsweise aus seiner eigenen Wohnung wirft, wiederholt mit ihm Schluss. Und in einem Nebenplot versucht Hoffritz (Ulli Lommel) ein Interview mit Andy Warhol zu bekommen. Szene auf Szene folgt, Bild auf Bild gafft antriebslos: BLANK GENERATION kreist um die Orientierungslosigkeit von Gestrandeten, ohne dabei etwas anzustreben oder zu verdichten, außer selbst ebenso gestrandet zu sein. Ulli Lommel scheint sich als Teil der Blank Generation zu verstehen. Auch sein zweiter Warhol-Film zeigt ihn nicht als Beobachter von Jugendlichkeit, sondern als Teilhaber.

Freitag 09.07.

座頭市果し状 / Zatoichi and the Fugitives
(Yasuda Kimiyoshi, J 1968) [blu-ray, OmeU]

großartig

Dieses Mal wird weniger darüber meditiert, wie das Gute in einer niederträchtigen Welt bestehen kann, sondern wie in der allgemeinen Verbitterung bestanden wird. Selbst der Ausbund der Tugend (Takashi Shimura) wird sich dabei als verbiesterter Miesepeter offenbaren. Und deshalb geht es um doppelte Gangsterfronten, sinnlose Gewalt, Sadismus und abgetrennte Glieder.

Iron Man
(Jon Favreau, USA 2008) [blu-ray, OmeU] 3

uff

Als Sabrina Z. und ich vor wenigen Tagen FAR FROM HOME schauten, verstand sie nicht, was mit dem Blip gemeint war. Sie hatte die letzten MCU-Filme nicht mehr gesehen. Weshalb sie meinte, dass sie die gern mal nachholen wollte. …und ich trage den mir kaum erklärlichen Gedanken mit mir herum, die ganzen Phasen bis zum ENDGAME mal halbwegs hintereinanderweg zu schauen. Weshalb wir das jetzt wohl machen.
Was mich bisher davon abhielt, war das Bore-Fest IRON MAN. Er hat mich nicht ganz so genervt, wie die ersten beiden Male. Aber ich kann wirklich kaum Interesse dafür entwickeln, was darin geschieht und zu sehen ist. Diese Stufe ist nun aber genommen…

Donnerstag 08.07.

The Lion King II: Simba’s Pride / Der König der Löwen 2: Simbas Königreich
(Darrell Rooney, USA/AUS 1998) [DVD]

ok

Ein Film, der von Doppelungen und Spiegelungen besessen ist … und davon Spiegelbilder als Wirklichkeit einzuführen, die sich dann als falsch offenbaren … um zu erzählen, dass niemand in die Fußstapfen von jemanden treten muss … um selbst aus den Fußstapfen des ersten THE LION KING herauszukommen … indem er sich an diesem Vorgänger beständig abarbeitet.

Mittwoch 07.07.

Kronika wypadków milosnych / Chronik von Liebesunfällen
(Andrzej Wajda, PL 1986) [35mm, OmeU]

gut

Es beginnt mit einer Zugfahrt, die Witek (Piotr Wawrzyńczak) für den Sommer vom Internat nach Hause bringt. Der Film erzählt die Geschichte dieses Sommers und macht diese Reise zum Übergang in ein seltsames Reich. So wird Witek beim Blick in ein Abteil eines Gespenstes gewahr, das den Film über immer wieder auftauchen und verschwinden wird, dass mit seinen Erinnerungen ringt und in seinen kryptischen Sätzen von einer bitteren Zukunft kündet. Es handelt sich wohl um Witeks älteres Ich, das sich an seine erste Liebe erinnert. Es könnte sich bei diesem Gespenst aus der Zukunft durchaus um den Träger der Erinnerungen an den Sommer handeln, so entrückt das Geschehen ist, so sehr die Sonne fast durchgängig strahlt und einen verklärenden Blick auf die Jugend präsentiert. Die Bilder und der Verlauf sind aber zu klar für den um Erinnerung Kämpfenden, der da immer wieder durchs Bild läuft.
Innerhalb dieses retrospektiven Sommers wandelt Wittek zwischen zwei Orten. Direkt neben seinem Elternhaus befindet sich das Anwesen einer deutschen/deutschstämmigen Familie. Es sind alte Freunde, die nach ihm verlangen. Dort trifft er auf Medikamentenmissbrauch, Selbstverleugnung/-hass, Todessehnsucht, kurz: den süßlichen Charme des sich überlebt Habenden, eine Party zum eigenen Verfall in Zeitlupe. Er trifft aber auch die Tochter eines Arztes (Paulina Mlynarska), die halb weggeschlossen lebt, die einer besseren Klasse als Wittek angehört, die von einem Hund beschützt wird. Sie verlieben sich, müssen aber auch erst in den Umständen und mit ihrem Stolz zurechtkommen. Es sind Momente von jugendlicher Dummheit und Überschwänglichkeit, von Unsicherheit und Nervenkitzel. Auch hier entsteht Todessehnsucht, aber eher um die Liebe zu verewigen, als das Bestehende hinter sich zu bringen. Und beide irreale Reiche (die Reiche von moralischem Verfall und Glückseligkeit, von Ekel/Verankerung und Frische/Neugier) haben dabei ihre ganz eigene Form von Erotik.
CHRONIK VON LIEBESUNFÄLLEN könnte ein sehr schöner Jugenderinnerungsfilm sein, der feststeckt und nur langsam vorankommt – ein Sumpf lässt Wittek nicht los, während die gleisende Zukunft immer wieder verbaut ist. Nur handelt es sich um den Sommer von 1939 und der Krieg bzw. die Invasion von Polen kündigen sich auch immer wieder an. Soldaten laufen und reiten durchs Bild. Ein Kriegsausbruch wird angesprochen und nicht ernst genommen. Jüdische Leute dürfen immer wieder ernst in die Kamera schauen und werden traurig in ihrer noch bestehenden Welt betrachtet. Als Symbol für den unwiederbringlichen Verlust der Liebe, der Unschuld und eines ganz bestimmten Polens sind diese zeitliche Setzung und gerade die Bilder der jüdischen Bevölkerung etwas zynisch, weil ein unfassbares Leid für ein durchaus fassbares instrumentalisiert wird. Und als Marker der Schrecken des Holocaust sind diese touristischen Bilder – seht, all dies wird zerstört werden – dann ist CHRONIK VON LIEBESUNFÄLLEN etwas uninspiriert und unangenehm.

Dienstag 06.07.

Luca
(Enrico Casarosa, USA 2021) [stream, OF]

großartig

Da es das Schicksal so wollte, folgte, nachdem der Cannes-Zug durchs Dorf getrieben wurde, noch mein Text zu LUCA bei critic.de.

Sonntag 04.07.

Us Again / Noch einmal wir k
(Zach Parrish, USA 2021) [DCP]

gut

Tanzen als Ausdruck von Lebenslust. Im Gegensatz zur Animation von RAYA AND THE LAST DRAGON, bei dem Gesichter zuweilen aussehen, als können die Figuren nach einer Botoxbehandlung ihre Gesichtszüge nicht ändern, als würden sich alle Regungen hinter einer gestraften Haut vollziehen, sind es hier nicht nur die Tanzbewegungen, sondern auch die Gesichter, welche den Film tragen.

Raya and the Last Dragon / Raya und der letzte Drache
(Don Hall, Carlos López Estrada, USA 2021) [DCP]

ok +

Eine Suppe, die erst schmeckt, wenn sie Zutaten aus allen fünf Ländern der Welt von RAYA enthält, ist ein zentrales Symbol. Ein Symbol für das zwingend notwendige Überkommen von Zwietracht und nationalen Vorurteilen, da diese Welt sonst dem (ökologischen) Untergang geweiht ist. Der Abspann offenbart dann auch beim zentralen Stab und Cast einen sehr bunten Strauß aus Namen unterschiedlichster Herkunft. Ein wenig wird darin deutlich, dass bei der Produktion von RAYA AND THE LAST DRAGON sehr viel Wert daraufgelegt wurde, sich keine Kultur anzueignen und die propagierte Einigung der Nationen auch vorzuleben. Mitunter scheint es aber auch, dass sich mehr für den guten Willen interessiert wurde, als dafür tatsächlich eine divergente, aufregende Welt zu kreieren. Denn bei allen Stärken vergisst der Film sein Grundkonzept mit Leben zu füllen und aus seinen fünf Nationen mehr als beiläufige Klischees zu machen, die der Film schnell mal aufsucht und schnell wieder für viel herkömmlich Nett- und Süßigkeiten aus den Augen verliert.

Derrick (Folge 245) Ein Mord, zweiter Teil
(Alfred Weidenmann, D 1995) [DVD]

ok +

Reinecker benutzt mal wieder ein wiederkehrendes Thema: Ein Ex-Ehemann zieht, nachdem er seine Haftstrafe wegen Todschlags am Liebhaber seiner Frau abgesessen hat, bei seiner nun ehemaligen Frau und ihrem neuen Mann ein. Es ist ein Aufeinandertreffen der Gesichter, in dem Wolf Roths liebreizende Dreistigkeit Edwin Noels zaghafte Hoffnung, dass ja doch alles ganz nett gemeint sein könnte, terrorisiert. Es ist eine einfache, effektive Folge, die Reinecker mit einem Diskurs aufbauscht: Gibt es den vollkommenen Verbrecher? Die Antwort der Folge fällt gnädig aus, die Frage allein presst aber die sehr schöne, im Herzen ziemlich romantische Suche nach der Motivation der rothschen Figur in ein moralisches Schema und entkräftet sie etwas.

Sonnabend 03.07.

火燒紅蓮寺 / Burning Paradise
(Ringo Lam, HK 1994) [blu-ray, OmeU]

großartig

Ringo Lams TEMPEL DES TODES steht solitär in seinem Werk. Nicht nur, weil es den Gangsterfilmer Lam in einen Wuxia verschlägt, sondern auch, da diese Produktion von Tsui Hark von anzüglichen Kalauern durchzogen ist. Während die Kamera also immer wieder den häretischen Wahnsinn eines buddhistischen Sex- und Menschenopfertempels durchs Feuer aufnimmt, geht es auch wiederholt um Handabdrücke in Schritten und die möglichen Missetäter. Eine schöne Mischung.

Spider-Man: Far from Home
(Jon Watts, USA 2019) [3D-blu-ray, OmeU]

nichtssagend

Peter Parker wird als Nachfolger Tony Starks aufgebaut. Für das MCU ist es wahrscheinlich wichtig, mich interessiert es nicht so wirklich. Spiderman kämpft zudem gegen die Fake-News und eine Medientechnik, die wahr und falsch ununterscheidbar macht. Dies führt zu einer schönen (surrealen) Sequenz. Ansonsten sind die Dinge auf wenig aufregende Weise nicht das, was sie zu sein scheinen, und wir bekommen Schattenboxen der Illusionen, passenderweise als betriebsame Zeitverschwendung inszeniert, Kämpfe gegen Dronenprojektoren und den eigenen Vater-( bzw. hier: Onkel-)Komplex – der holterdiepolter überwunden sein wird. Und schließlich ist FAR FROM HOME der Film einer Klassenfahrt, der von Jugend und Liebe handelt. Venedig, Prag und London werden darin zu beliebigen Handlungsorten, die bestenfalls kurz als Klischees ihrer selbst durch‘s Dorf getrieben werden. (Zumindest wird nicht LONDON CALLING angespielt.) Hier ist der Film aber tatsächlich witzig und sympathisch … weshalb die Superhelden/-schurken umso mehr nerven, weil sie immer wieder das Eigentliche der Erzählung unterbrechen.
*****
Ich war hundemüde. Aber etwas können diese MCU-Filme wirklich. Es passiert viel und das, was geschieht, bedarf keiner näheren Verarbeitung. Bei so ziemlich jedem anderen Film wäre ich an diesem Abend eingeschlafen. Hier nicht. (Nur war ich gegenüber der Erfahrung FAR FROM HOME vll. etwas verdrießlicher, als wenn ich munterer gewesen wäre.)

Freitag 02.07.

Nobody
(Ilya Naishuller, USA 2021) [DCP]

ok +

Ich hätte gern diesen Film gesehen, in dem ein sachlich denkender Familienvater durch die fanatische Gewaltbereitschaft seiner Umwelt in den Wahnsinn getrieben wird. Oder dieses JOHN WICK ALLEIN ZU HAUS-Film, der NOBODY zu seinen besten Momenten ist. Wenn Bob Odenkirk und/oder Christopher Lloyd sich diebisch darüber freuen, dass Kugeln an ihren Ohren vorbeisausen und dass ihnen die Möglichkeit gegeben wird, Arschlöcher zusammenzuschlagen und selbst zusammengeschlagen zu werden. Wenn Gangster in einen präparierten Baumarkt gelockt werden. Aber bitte ohne die ständigen Zeitlupenmusikvideoactioninszenierungen, die als stilistisches Mittel schon nach dem ersten Einsatz ausgelutscht ist … oder das eben nicht so effektiv wie das Lächeln von Odenkirk respektive Lloyd ist. Zusammen ist es aber eine etwas zu selbstverliebt inszenierte Glorifizierung männlicher Ermächtigung, wenn Odenkirk als entmännlichter Mann endlich wieder das machen kann, zudem er qua Geschlecht berufen ist: Prügeln und Prollschlitten fahren.
*****
Ich hoffe übrigens sehnlichst, dass das Kino hier bald wieder Vorstellungen mit Originalton anbietet. Wenn Odenkirk stöhnte, außer Atem war oder sonst welche gutturalen Laute äußerte, dann war seine wunderbare Stimme zu erahnen … nur um in den Dialogen wieder ins nichtssagende abzugleiten. Es war teilweise kaum auszuhalten.

Donnerstag 01.07.

Monster Hunter
(Paul W.S. Anderson, D/CA/J 2020) [3D-DCP]

großartig +

Ich habe mich so sehr auf den Film gefreut und mich so gerne von ihm mitreißen lassen, dass ich nun auch den neuen Stil wertschätzen kann, wie ich bei critic.de drüben versuche zu erklären.