STB Christoph 2017

“Es ist ein eigenartiger Fetisch, dass viele Menschen im Kino immer nur Dinge sehen möchten, die ihnen gefallen.”
Jochen Werner

“Wer im Kino weint, hat immer Recht.”
– Felix Arnold

n/b = nicht bewertet
Zahlen in eckigen Klammern [2] = Wiederholte Sichtung.
Kommentare zu den jeweiligen Filmen sind purer Luxus und von mir keinesfalls als selbstverständlich zu erwarten. Ob ich einen Film kommentiere oder nicht, steht in keinem Zusammenhang zu meiner Begeisterung (oder das Ausbleiben derselbigen) und entscheidet sich rein willkürlich.
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Meine Sehtagebücher 2016 2015 2013 2012 2011 2010 2009

[K] = Kurzfilm
* In deutscher Synchronfassung
** In englischer Synchronfassung
Bei deutschen Titeln in Anführungszeichen handelt es sich um eigene Übersetzungen

Maart

27.03.2017
Il sole nella pelle / Ein Sommer voller Zärtlichkeit
(Giorgio Stegani, Italien 1971) – Kino (35mm)* – 9/10 (23)

26.03.2017
Da uomo ad uomo / Von Mann zu Mann [2]
(Giulio Petroni, Italien 1967) – Kino (35mm)* – 8.5/10 (21)

25.03.2017
I lunghi giorni della vendetta / Der lange Tag der Rache
(Florestano Vancini, Italien/Spanien 1967) – Kino (35mm)* – 9/10 (23)
La diligencia de los condenados / Rancheros
(Juan Bosch, Spanien/Italien 1970) – Kino (35mm)* – 1/10 (2)

24.03.2017
Sette Winchester per un massacro / Die Satansbrut des Colonel Blake
(Enzo G. Castellari, Italien 1967) – Kino (35mm)* – 7/10 (19)
Hausfrauen-Report 1: Unglaublich, aber wahr
(Eberhard Schröder, BRD 1971) – DVD – n/b

23.03.2017
Violent Saturday / Sensation am Sonnabend
(Richard Fleischer, USA 1955) – Blu-ray – 9/10 (23)

18.03.2017
Bella di giorno, moglie di notte / “Schöne bei Tag, Gattin bei Nacht”
(Nello Rossati, Italien 1971) – VHS – 8/10 (21)
The Italian Experience: Ein Drehbuch für einen im Mittelfeld der Post-68er-Sophistication operierenden Autorenfilm, verfilmt mit den Mitteln des Exploitationfilms, ohne jedoch das eine oder das andere wirklich zu sein (erst hinterher fiel mir auf, wie wenig der Film seine fleischbeschaulichen Möglichkeiten nutzt) – oder sonstwie besonders auffällig. Dass der Kapitalismus vor allem und besonders die Liebe zerstört und ihr ein giftiger Nährboden ist, hämmert (der Debütfilm) BELLA DI GIORNO, MOGLIE DI NOTTE ohne Schnörkel, ohne wesentliche Psychologisierungen oder unerwartete Modulationen in unser Gehirn (welches sich dieses Umstands hoffentlich bereits bewusst war), lässt in nur 80 Minuten ein ganzes Leben kaputtgehen, aber sein stetiges Springen zwischen Gegenwart und Vergangenheit der Narration, bis in die einzelnen Einstellungen hinein, verleiht den kompakten, aber stilvoll inszenierten Abläufen eine beiläufige Brutalität, die den Film als kleine, dunkle Prostitutionsseifenoper überraschend lange nachklingen lässt. Großartig Eva Czemerys in der Titelrolle, die ich sonst fast nur aus deutlich exploitativeren Filmen in undankbareren Rollen kenne und der ich die schauspielerische Reife, die sie hier verströmt, bisher nicht zugetraut hätte.
Due once di piombo / Jonny Madoc
(Maurizio Lucidi, Italien 1966) – DVD – 8/10 (21)
The Ipcress File / Ipcress – Streng geheim [2]
(Sidney J. Furie, GB 1965) – Blu-ray – 10/10 (24)
Offenbar hat Vittorio Storaro sich Sidney J. Furie gegenüber bei einer späteren Begegnung dahingehend geäußert, dass THE IPCRESS FILE zur Zeit seines Kinostarts für ihn und zahlreiche andere junge italienische Kameramänner ein wichtiger Film gewesen sei. Meine Zweitsichtung, nachdem mich eine Erstsichtung in England vor einigen Jahren in complete awe zurückgelassen hatte, erfolgte mit dieser Anekdote im Hinterkopf, und tatsächlich klickte es während des Films hinter meiner Schläfe beständig. Die formpsychologische Revolte, die Furie hier gegen das Mainstream-Kino seiner Zeit einerseits anzettelt, ihm auf diesem Wege andererseits aber auch zu einem beispiellos effektvollen Zenit verhilft, hat im italienischen Kino der späten 60er und frühen 70er zweifellos tiefe Spuren hinterlassen (es dürfte sich immerhin auch um einen der ersten exponierten englischsprachigen Mainstream-Filme gehandelt haben, der Techniscope, das erst 1960 entwickelte, italienische, sphärische “Billig-Scope”-Verfahren verwendete – texturreiche Closeups und scharfe Totalen ohne Aufnahmeverzerrung, von der rabiaten Härte eben jener unnachahmlichen Textur – auf der britischen Blu-ray glücklicherweise weitgehend erhalten – jedoch beständig unterwandert, hach!). Bis heute hat in einem so restriktiven Rahmen kaum je wieder ein Filmemacher das Konzept der Schuss-Gegenschuss-Montage so erfolgreich und konsequent auf den Prüfstand gestellt, niemand – außer eben den Italienern – soviele wichtige, oft bewegungsreiche Halbtotalen mit den allerlängsten Brennweiten durch gerasterte Bildvordergründe hindurch aufgenommen, Gegenstände und Körperteile zu Gebärmuttern langer Einstellungen und ganzer Szenen gemacht und überhaupt so anbetungswürdig selbstverständlich die Frage “Stört das formale Experiment den Genreaffekt?” fröhlich donnernd mit “NEIN!” beantwortet und gleich gezeigt, warum nicht. Furie ist in den ersten 20 Jahren seiner Karriere ganz zweifellos einer der größten visuellen Erzähler (ein reiner Stilist ist er nämlich eben trotzdem nicht) gewesen, die das Kino je gesehen hat – der frustrierend undankbare Verlauf seiner Karriere und THE IPCRESS FILE als einziger seiner Filme, der sich auch wirklich nur in Kanonnähe befindet, belegen (wie auch der trübselige, sich fast ausschließlich der Besetzung widmende Essay im Booklet der britischen Blu-ray), dass uns so insgesamt im Großen und Ganzen verkantete Einstellungen im Kino immer noch soweit irritieren, dass wir sie nur als Gimmick oder dramatische Suggestion, nicht aber als tatsächliches erzählerisches Mittel, begreifen können oder wollen. THE IPCRESS FILE ist ein Film, der uns daran erinnert, wie vulnerabel, wie konditioniert und wie engstirnig unsere filmische Wahrnehmung eigentlich ist, und der just daraus genau jene Affekte zieht, deren Formelhaftigkeit er vehement offenlegt – einer der ultimativen Metafilme also, aber keiner, der auf einem Filmset spielt und in dem Menschen übers Filmemachen reden, sondern einer, indem das Kino sich selbst in seiner eigenen Sprache verhandelt. Und das ist, ich gestehe es anlässlich dieser berauschenden erneuten Begegnung mit THE IPCRESS FILE besonders gerne, ganz generell meine Art von Metafilm.

17.03.2017
Finders Keepers, Lovers Weepers! / Null Null Sex
(Russ Meyer, USA 1968) – Kino (35mm)* – 9/10 (22)
Ließe sich, ohne Meyers oft frenetische Kamera, recht mühelos fürs Theater adaptieren. Das würde ich gerne mal sehen. Nur für die furchteinflößende, grauenvolle, traumatisierende Sequenz, in der ein Freudenmädchen als Teil des Vorspiels dem schmierigen Protagonisten die prächtige Brustbehaarung abrasiert, müsste man sich natürlich etwas einfallen lassen (wehe dem Autor, der sie bei der Adaption unter den Tisch fallen lässt!).
Das Millionenspiel
(Tom Toelle, Wolfgang Menge, BRD 1970) – DVD – 9/10 (22)
Mit der fatalistischen Finsternis von Yves Boissets chef d’œuvre maudit LE PRIX DU DANGER (1983) kann sich Menge und Toelles Verfilmung des Sheckley-Romans nicht messen, aber alleine die Erkenntnis, wie gut bundesdeutsche Piefigkeit mit dem Wahnsinn der Prämisse harmoniert, ist bereits außerordentlich befriedigend.

16.03.2017
Direct Action
(Sidney J. Furie, Kanada/USA 2004) – DVD – 7.5/10 (20)

15.03.2017
Faster, Pussycat! Kill! Kill! / Die Satansweiber von Tittfield [2]
(Russ Meyer, USA 1966) – Kino (35mm)* – n/b
Lo chiamavano Jeeg Robot / Sie nannten ihn Jeeg Robot
(Gabriele Mainetti, Italien 2015) – Blu-ray – 9/10 (22)

14.03.2017
Moonlight
(Barry Jenkins, USA 2016) – Kino (DCP) – 8.5/10 (22)

13.03.2017
Mudhoney / Im Garten der Lust
(Russ Meyer, USA 1965) – Kino (35mm)* – 9/10 (23)
Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, dass Tobe Hooper diesen Film im Hinterkopf hatte, als er THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE schrieb. Russ Meyer reißt hier allerdings ganz ohne Kettensäge mit feister Fröhlichkeit unentwegt einen Abgrund nach dem anderen auf, denn das Grauen ist hier so selbstverständlich, dass seine Partizipanten es selbst dann noch als ein großes Spiel betrachten, wenn in diesem Strom der gutgelaunten Niedertracht Zerstörung und Traumata schwimmen. Eine gewisse Geistesverwandtschaft auch zu Herbert Achternbusch lässt sich nicht gänzlich leugnen.

12.03.2017
Midnight Special
(Jeff Nichols, USA 2016) – Blu-ray – 6/10 (17)
Lucky, el intrépido / Lucky M. füllt alle Särge
(Jess Franco, Italien/Spanien/BRD 1967) – DVD* – 9/10 (22)

11.03.2017
Las orgías inconfesables de Emmanuelle / The Inconfessable Orgies of Emmanuelle
(Jess Franco, Spanien 1982) – DVD – 8/10 (21)
Continuity
(Omer Fast, Deutschland 2012/2016) – Kino (DCP) – 9/10 (23)

10.03.2017
Mr. Majestyk / Das Gesetz bin ich
(Richard Fleischer, USA 1974) – DVD – 9/10 (22)

09.03.2017
Esclavas del crimen / “Sklavinnen des Verbrechens”
(Jess Franco, Spanien 1986) – VHS – 9/10 (23) [falsches Bildformat]
Kino heißt Glauben, Kino heißt Glauben, Kino heißt Glauben, Kino heißt Glauben, Kino heißt glauben, Kino heißt Glauben, Kino…

08.03.2017
Die Engel von St. Pauli [2]
(Jürgen Roland, BRD 1969) – Blu-ray – 10/10 (24)
Jürgen Roland, einsamer Sozialrealist unter Deutschlands Genre-Auteurs. Jürgen Roland, einsamer Genre-Auteur unter Deutschlands Sozialrealisten. Jürgen Roland, Chronist der Gossensprache, siegt über Rolf Olsen, Konrad Kujau der Gossensprache. Rolf Olsen, Pulpschleuder und Touristenführer des St.-Pauli-Films, behauptet sich im Ring hochroten Kopfes mit Faust und Speck gegen die wendigen Moves von Jürgen Roland, grazilem Romancier und Anthropologe des St.-Pauli-Films, doch am Ende muss er schnaufend klein bei geben: Er hat nicht gewusst, was ein Pflaumenbunker und das die Ludenschmiere ist, Roland hingegen schon, denn DIE ENGEL VON ST. PAULI ist für seinen Regisseur nicht nur ein Gangster- sondern auch ein ganz persönlicher Heimatfilm, ein intimes Großstadtpanorama und von einer aus dem Bauch gerissenen rotzigen Energie, wie man sie im industriellen deutschen Genrefilm möglicherweise nie wieder sah, und von einer wahrhaftigen Verdichtung, wie man sie nach Rolands Filmen erst viele Jahre später stellenweise bei Dominik Graf wiederfindet. Ich möchte meiner innigen Hoffnung Ausdruck verleihen, dass Rolands monolithisches Meisterwerk POLIZEIREVIER DAVIDSWACHE eines Tages ebenfalls in einer so liebevollen und doch vorsichtigen Restauration zugänglich werden wird wie dieser Film, mit dem Roland dröhenden Schrittes die 60er verließ. Es ist ungemein traurig, dass die 70er ihm im Kino keinen wirklichen Raum mehr boten, weiterzuentwickeln, was er in diesen beiden Filmen versucht hatte. Übernommen hat diese Rolle vielleicht Roland Klick, dessen SUPERMARKT und LIEB VATERLAND MAGST RUHIG SEIN ein wenig wie New-Hollywood-Repliken auf Rolands Hamburger Sittengemälde anmuten, doch ihr ehrgeiziges Streben nach Pathos machte aus ihnen Kabinettstückchen, die sich nicht wiederholen oder weiterentwickeln ließen. Roland hingegen hat einen riesigen Kosmos angelegt, eine Gebärmutter, die im Stande gewesen wäre, über Jahre hinweg ein sich ständig weiter verästelndes Epos von GODFATHER-Dimensionen zu spinnen, ohne geborgtes amerikanisches Pathos. Eine Vorstellung, die zumindest mich so schnell nicht loslassen wird.

07.03.2017
下衆の愛 / Lowlife Love
(Eiji Uchida, Japan 2015) – Kino (DCP) – 9/10 (22)

06.03.2017
Frauen im Liebeslager
(Jess Franco, Schweiz 1976) – DVD – 6.5/10 (18)

05.03.2017
Tenemos 18 años / “Wir sind 18 Jahre alt”
(Jess Franco, Spanien 1959) – VHS – 9/10 (22)

04.03.2017
Rififí en la ciudad / “Rififi in der Stadt”
(Jess Franco, Spanien/Frankreich 1963) – DVD – 9/10 (23)
Der Alte – Der Pelikan
(Johannes Schaaf, BRD 1978) – DVD – 7.5/10 (20)
Muñecas rotas / Broken Dolls
(Jess Franco, USA/Spanien 1999) – DVD – 9/10 (23)
Mil sexos tiene la noche / “Die Nacht hat 1000 Geschlechter”
(Jess Franco, Spanien 1984) – Blu-ray – 10/10 (24)
Was ich auf Facebook schrieb:
“Lieber Jess, ich hoffe, dass du das lesen kannst, wo auch immer du jetzt bist. Weißt du, ich gucke die ganze Zeit Filme, jedes Jahr ungefähr doppelt so viele, wie du in deinen sechzig filmisch aktiven Jahren gedreht hast. Vom Feinsten, Erlesensten, bis zum Niedersten, Schmutzigsten, ich nehme alles, wate in Ultrakunst, lebe, cinemenschlich gesehen, ein freudiges Leben, und bin klug genug, um zu wissen, dass gewisse Cineepiphanien meiner Jugendtage sich nicht deshalb nicht wiederholen lassen, weil nur die Stanley Kubricks, Orson Welleses und Ingmar Bergmans dieser Welt den Schlüssel zur Transzendenz besaßen, sondern weil die Transzendenz der filmischen Summe mich inzwischen einfach mehr kickt als eine Galerie von Heiligen. Unter den vierundsiebzig Filmen von dir, die ich gesehen habe, Jess, sind zwei bis drei Dutzend, die für mich die ultimative Verkörperung der Transzendenz der filmischen Summe darstellen, du stehst als Filmemacher bei mir weit über solchen Figuren wie Stanley Kubrick, Orson Welles oder Ingmar Bergman und je mehr jener Filme ich sehe, die du für Golden/Manacoa Films in den frühen 80ern gedreht hast, desto bezwingender steigen für mich deine Guru-Qualitäten. Stanley Kubrick, Orson Welles und Ingmar Bergman wären vor Glück im Kreis gesprungen, wäre es ihnen öfter als nur ein paar wenige, nervöse Male gelungen, an der Küchentür deines alles durchdringenden kinematographischen Bewusstseins zu kratzen. Wie macht man nur Filme wie diesen? Wo, sag, findet man solche Cinepoesie, wenn nicht in der tiefsten Felsspalte auf dem Tiefseegrund oder im arktischen Gletscher unter Jahrtausende altem Eis? Nein, du findest sie an den banalsten und unwahrscheinlichsten Orten, in den banalsten und unwahrscheinlichsten Momenten, im Verhältnis des Menschen zu seiner Umgebung und Umwelt, und du findest sie immer, und dann ist der richtige Moment immer der ewige. Meister, ich verneige mich vor dir.”
(…)
“Hineingekrochen oder zumindest den einen Moment des Zusammenwirkens von Subjekt und Umgebung in berauschende Länge zu ziehen. Außerdem Zeitverschiebung, die Ellipse als stichwortgebende Kunstform by itself, Wahrnehmung, und zuguterletzt das Kino selbst, also als Thema. Franco ist auf jeden Fall auch ein Konzeptfilmer, ja. Deshalb hat er auch viele Stoffe immer wieder verfilmt. Sehr faszinierendes Doppel, gerade anhand der Sichtungen der jeweils jüngeren Filme nachvollzogen: LES CAUCHEMARS NAISSENT EN LA NUIT (1970) und MIL SEXOS TIENE LA NOCHE (1984) sowie LA CASA DE LAS MUJERES PERDIDAS (1983) und MUNECAS ROTAS (1999). Von den ungezählten Verfilmungen von “Le philosophie dans le boudoir” ganz abgesehen. Obwohl ich längst darüber hinweg bin, dass Franco ein Heterotomane ist, bedaure ich es immer noch manchmal ein wenig, dass in all diesen Filmen das schwule Element der Vorlage komplett auf der Strecke bleibt. Selbst Joe D’Amato hat sich in zwei seiner Pornos der frühen 80er zu je einer schwulen Sexszene hinreißen lassen. Bei Franco sind die Schwulen immer eher lustige Tunten, was eine gelegentlich bedauerliche teutonische Note in die Geschehnisse bringt. Trotzdem bin ich sehr neugierig auf seine bisher leider nicht in untertitelten Fassungen verfügbaren Komödien der 80er wie etwa LA CHICAS DEL TANGA, die einigen spanischen Franco-Fans als seine besten Filme gelten, und angesichts des eindrucksvoll verschrobenen, urkomischen Testaments, das Franco mit AL PEREIRA VS. THE ALLIGATOR LADIES hinterlassen hat, sollte man ihn unbedingt auch als Komödienregisseur wiederentdecken. Aber zu wieviel düsterer, existenzialistischer Melancholie er im Stande ist, entdeckt man ebenfalls besonders einbrennend in diesen rein spanischen Produktionen der ersten Hälfte der 80er. Wenn diese Filme nicht erst jetzt langsam über das Internet und verstreute DVD-Veröffentlichungen der Welt zugänglich würden und schon seit 20 Jahren in Zirkulation wären, Franco hätte heute eine ganze andere Reputation. Das sind tatsächlich Filme, die ihren ganz und gar eigenen Kosmos beherrschen, ihre ganz und gar eigene Form, ihre ganz und gar eigenen Aufmerksamkeitsspannen für das obsessive Sehen und Sehen lassen, sie sind zutiefst persönliche, reife und trotz ihrer häufigen Finsternis sehr zärtliche Filme, in denen Franco Autor, Produzent, Kameramann, Komponist und Schauspieler ist, die er vollkommen in der gemütlich zur Mulde geformten Hand hat (bis auf die oft etwas sterilen Nachsynchronisationen, die aber auch bisweilen den entrückenden Effekt noch verstärken – vielleicht hat das auch Methode) und die vielleicht wirklich mehr als die Filme irgendeiner anderen Schaffensphase Franco als ultimativen Auteur zu erkennen geben, dem es um sehr viel mehr ging als nur um Frauenfleisch und Geld. Tatsächlich sind gerade die genannten vier Filme eigentlich unmöglich noch als Exploitationkino klassifizieren, sondern gehören leider (weil ich diese Orte nicht mag, aber ich würde sie mehr mögen, würde das Folgende öfter passieren) tatsächlich eher auf die Leinwände der Kinematheken. Zumindest die Cinemateque francaise war bereits einsichtig und hat 2008 eine 70 Filme umfassende Retrospektive abgehalten, aber leider hat der Rest der Welt es wieder einmal verschlafen, darauf angemessen zu reagieren.”

03.03.2017
Durch die Wälder, durch die Auen
(Georg Wilhelm Papst, BRD 1956) – Kino (35mm) – 6/10 (16)
Camino solitario / “Einsamer Weg”
(Jess Franco, Spanien 1984) – DVD – 10/10 (24)

02.03.2017
Es geschah am 20. Juli
(Georg Wilhelm Papst, BRD 1955) – Kino (35mm) – n/b
Dynasty: The Reunion / Denver – Die Entscheidung
(Irving J. Moore, USA 1991) – YouTube – 7/10 (18)
Dynasty / Der Denver-Clan [9. Staffel]
(Diverse, USA 1989) – DVD – 9/10 (23)
Sichtungszeitraum: 22.02. – 02.03.2017

01.03.2017
Jeunesse perdue / “Verlorene Jugend”
(Akramzadeh, Schweden/Dänemark/GB 1961) – Blu-ray – n/b [Originalfassung]


Februari

28.02.2017
Il cittadino si ribella / Ein Bürger setzt sich zur Wehr [2]
(Enzo G. Castellari, Italien 1975) – DVD – 9/10 (17)

26.02.2017
Exorcisme / “Exorzismus”
(Jess Franco, Frankreich 1975) – Blu-ray** – 9/10 (22)

25.02.2017
Scream 2 [3]
(Wes Craven, USA 1997) – Kino (35mm)* – 9/10 (22)
Rosen für Bettina
(Georg Wilhelm Papst, BRD 1956) – Kino (35mm) – 9/10 (22)

23.02.2017
Il demonio nel cervello / “Der Dämon im Kopf”
(Marco Masi, Italien 1976) – VHS – 9/10 (23)

18.02.2017
Vampyros Lesbos [3]
(Jess Franco, BRD/Spanien 1970) – Kino (35mm) – n/b [rotstichige Kopie]
Das Kabinett des Dr. Larifari
(Robert Wohlmuth, Deutschland 1930) – Kino (35mm) – 9/10 (23)
Punishment Park
(Peter Watkins, USA 1971) – Kino (35mm) – 10/10 (24)

17.02.2017
Der Prozeß
(Georg Wilhelm Papst, Österreich 1948) – Kino (35mm) – 8/10 (21)

16.02.2017
Cin cin… cianuro / “Chin…Chin…Zyankali”
(Ernesto Gastaldi, Italien/Frankreich 1968) – VHS – 9/10 (22) [braunstichige Kopie]

15.02.2017
Il cinico, l’infame, il violento / Die Gewalt bin ich
(Umberto Lenzi, Italien 1977) – DVD – 8/10 (21)

14.02.2017
Dynasty / Der Denver-Clan [8. Staffel]
(Diverse, USA 1988) – DVD – 7/10 (19)
Sichtungszeitraum: 08.02. – 14.02.2017

09.02.2017
White Dog
(Samuel Fuller, USA 1982) – Blu-ray – 9/10 (23)

08.02.2017
Dynasty / Der Denver-Clan [7. Staffel]
(Diverse, USA 1987) – DVD – 6.5/10 (17)
Sichtungszeitraum: 03.02. – 08.02.2017

07.02.2017
Giovani, belle… probabilmente ricche / Kommt pudelnackt, das Erbe lacht
(Michele Massimo Tarantini, Italien 1982) – Kino (35mm)* – 7.5/10 (20)

06.02.2017
Personal Shopper
(Olivier Assayas, Frankreich/Deutschland 2016) – Kino (DCP) – 9/10 (22)

05.02.2017
Elle
(Paul Verhoeven, Frankreich/Belgien/Deutschland 2016) – Kino (DCP) – 10/10 (24)

04.02.2017
Resolution
(Justin Benson, Aaron Moorhead, USA 2012) – DVD – 9/10 (23)

03.02.2017
Dynasty / Der Denver-Clan [6. Staffel]
(Diverse, USA 1986/87) – DVD – 6.5/10 (17)
Sichtungszeitraum: 18.01. – 03.02.2017

02.02.2017
龍門客棧 / 龙门客栈 / Die Herberge zum Drachentor
(King Hu, Taiwan 1967) – Blu-ray – 9/10 (23)


Januari

31.01.2017
Split
(M. Night Shyamalan, USA 2016) – Kino (DCP) – 9/10 (23)
The Girl in the Red Velvet Swing / Das Mädchen auf der Samtschaukel
(Richard Fleischer, USA 1955) – DVD – 9/10 (22)

30.01.2017
Club Bizarr
(Wara Video, BRD ca. 1985) – VHS – n/b

29.01.2017
Squirm / Squirm – Invasion der Bestien
(Jeff Lieberman, USA 1976) – Blu-ray – 9/10 (23)

28.01.2017
Tentacoli / Der Polyp – Die Bestie mit den Todesarmen
(Ovidio G. Assonitis, Italien/USA 1977) – Blu-ray – 7/10 (20)

27.01.2017
The Killer Elite / Die Killer-Elite
(Sam Peckinpah, USA 1975) – Blu-ray – 9.5/10 (24)

26.01.2017
Giallo a Venezia
(Mario Landi, Italien 1979) – Blu-ray – 6/10 (17)

25.01.2017
Assassin of Youth / The Marijuana Menace
(Elmer Clifton, USA 1937) – VHS – 7/10 (19)

23.01.2017
Beat Girl / Heiß auf nackten Steinen
(Edmond T. Gréville, GB 1960) – Blu-ray – 9/10 (22)

21.01.2017
Torn Curtain / Der zerrissene Vorhang [5]
(Alfred Hitchcock, USA 1966) – Blu-ray – 9.5/10 (24)

19.01.2017
Manchester by the Sea
(Kenneth Lonergan, USA 2016) – Kino (DCP) – 9/10 (23)

18.01.2017
Dynasty / Der Denver-Clan [5. Staffel]
(Diverse, USA 1985/86) – DVD – 8/10 (20)
Sichtungszeitraum: 15.01. – 18.01.2017

15.01.2017
Et ma soeur ne pense qu’à ça / Die Pornoschwestern
(Henri Xhonneux, Belgien 1970) – DVD – 9/10 (22)
Dynasty / Der Denver-Clan [4. Staffel]
(Diverse, USA 1984/85) – DVD – 7.5/10 (19)
Sichtungszeitraum: 05.01. – 15.01.2017

12.01.2017
Nocturnal Animals
(Tom Ford, USA 2016) – Kino (DCP) – 8/10 (21)

09.01.2017
Der zynische Körper
(Heinz Emigholz, Deutschland 1991) – Kino (35mm)

08.01.2017
Eva nera / Nackte Eva [2]
(Joe D’Amato, Italien 1976) – Kino (35mm)* [rotstichige Kopie]
Das Bad auf der Tenne
(Volker von Collande, Deutschland 1943) – Kino (35mm)
O bem dotado – O homem de Itu / Verflixt nochmal… wer hat? Der hat!
(José Miziara, Brasilien 1979) – Kino (35mm)*
Il ginecologo della mutua / Mit der Pille umso toller
(Joe D’Amato, Italien 1977) – Kino (35mm)*

07.01.2017
Too Much Too Often / Zauberstab zur Selbstmassage
(Doris Wishman, USA 1968) – Kino (35mm)*
暴行少女日記 ♀(メス) / Lustvoll eine Schlange streicheln
(Kan Mukai, Japan 1968) – Kino (35mm)*
Το Συρτάκι της Αμαρτίας / Syrtaki – Erotik ohne Maske
(Giorgos Papakostas, Griechenland 1966) – Kino (35mm)*
Verbotene Spiele auf der Schulbank [2]
(Jürgen Enz, Italien 1980) – Kino (35mm) – [HC-Fassung]
Delizia
(Joe D’Amato, Italien 1987) – VHS

06.01.2017
Heubodengeflüster
(Rolf Olsen, BRD 1967) – Kino (35mm) [rotstichige Kopie]
Der Liebe auf der Spur [Folgen 1 – 4]
(Mietek Lewandowski, BRD 1988) – Kino (16mm)
Amore sporco / Dirty Love [2]
(Joe D’Amato, Italien 1988) – Kino (35mm)

05.01.2017
Weiße Ritter
(Markus Mischkowski, Kai Maria Steinkühler, Deutschland 2016) – Kino (DCP) – 9/10 (22)
Wellenreiter [K]
(Markus Mischkowski, Kai Maria Steinkühler, Deutschland 2009) – Kino (DCP) – 8/10 (21)
Der sanfte Lauf
(Haro Senft, BRD 1967) – DVD – 9/10 (23)

04.01.2017
Beyond a Reasonable Doubt / Gegen jeden Zweifel
(Peter Hyams, USA 2009) – DVD – 8/10 (21)
Der Alte – Ein unkomplizierter Fall
(Dietrich Haugk, BRD 1978) – DVD – 9/10 (23)

03.01.2017
The Lickerish Quartet
(Radley Metzger, USA/BRD/Italien 1970) – Blu-ray – 9/10 (23)
Der Alte – Ein Koffer
(Michael Braun, BRD 1978) – DVD – n/b
Der Alte – Nachtmusik
(Helmuth Ashley, BRD 1978) – DVD – 9/10 (22)
Arrival
(Denis Villeneuve, USA 2016) – Kino (DCP) – 8/10 (21)

02.01.2017
Dynasty / Der Denver-Clan [3. Staffel]
(Diverse, USA 1984) – DVD – 9/10 (22)
Sichtungszeitraum: 29.12.2016 – 02.01.2017
Riti, magie nere e segrete orge nel trecento / “Riten, schwarze Magie und geheime Orgien im 14. Jahrhundert” [4]
(Renato Polselli, Italien 1973) – Blu-ray – 9/10 (23)

2 Antworten zu “STB Christoph 2017”

  1. Robert on Februar 28th, 2017 at 10:57

    Ich war mal so frei die Kommentare an zu machen, weil die ja gerade standardmäßig beim Seitenerstellen aus sind, denke ich, dass du keinen Wert auf Ausschluss der Öffentlichkeit legst und das ok war. 🙂

    Aber zum Thema: Du hast Das Kabinett des Dr. Larifari gesehen. Wow. Wo und wie das denn?

  2. Christoph on März 4th, 2017 at 08:42

    Ja, das war in der Tat keine Absicht, ich hatte das überhaupt nicht gemerkt.

    DAS KABINETT DES DR. LARIFARI habe ich bei einem spontanen Wochenendtrip zum Rhein im Deutschen Filmmuseum gesehen. Ich musste dafür allerdings einen Freund versetzen, mit dem ich an diesem Abend in Nürnberg kochen wollte, der Preis war also hoch.

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