14. Hofbauer-Kongress, Aufriss #17

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Von türkischen Früchten haben wir bei einem früheren Kongress bereits genascht und uns Appetit geholt, der nun mit dem richtigen Gespür für Urinstinkte gestillt werden möchte und gewiss nicht der letzte Film von Paul Verhoeven beim Kongress bleiben wird. Zunächst ist aber jener Film an der Reihe, bei dem der Fischer Film Almanach die Rolle von Onkel Fürchtegott einnahm (“BASIC INSTINCT reiht sich in die Orgien von Brutalität und Menschenverachtung ein, die der Zuschauer von einem auf Hochglanz polierten amerikanischen Actionkino leider nur zu sehr und in steigendem Maße gewohnt ist.”) und der dank Sharon Stones berühmten schlüpferfreien Beinüberschlag im Verhörraum wie kaum ein anderer Film mit einer Spalte zu spalten vermochte und unterstrich, dass “Schlitzi-Sightseeing” nicht allein eine rassistische Bemerkung über asiatische Touristen sein muss… Kein Wunder, dass bei solchen Aussichten auch ein Michael Douglas aus dem Gleichgewicht gerät und seine bohrenden Ermittlungen lieber in fleischlichen als moralischen Abgründen fortsetzen würde. Doch der Mord an einem Rocksänger, der in gefesselter Ekstase rabiat von einem Eispickel penetriert wurde, hat Detective Douglas zu jener von Stone verkörperten Schriftstellerin Catherine Tramell geführt, bei der eine Romanfigur unter den gleichen Umstände das Zeitliche gesegnet hat. Und er erliegt rasch den geschickten Verführungskünsten dieses blonden Gifts, das männlichen Hosentigern ebenso zugeneigt ist wie weiblichen Gaumenschlangen… Weiterlesen…

14. Hofbauer-Kongress, Aufriss #16

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„Ferdinand ist ein Bananenmann
Er träumt, er macht’ sich an Damen ran
Doch traut er sich nicht und neigt zum Verzicht,
Kaum kommt es auf handfeste Taten an“

So schrieb schon der mittelalterliche Heiterkeitsgelehrte Hilarius Borscht in seinem lustvoll-nachdenklichen Gedichtband „Keine Minne in meinen Gemächern“. Sicherlich war Borscht nicht der erste, der die altertümliche Sage um den Freiherrn zu Fernstech in derart gefühlvolle Verse kleidete. Dennoch gilt seine Ballade als der bislang einzige überlieferte Text, in dem jener als „Bananenmann“ bezeichnet wird – ein Begriff, der der Mediävistik bis heute Rätsel aufgibt. Worauf spielte Borscht mit dieser Zeile an? Weiterlesen…

14. Hofbauer-Kongress, Aufriss #15

L. Lasso, Ihr FWU-Host
Ganz richtig merkte Gary Vanisian vom “Filmkollektiv Frankfurt” – welches uns im November 2014 zu einem auswärtigen Sondergipfel lud – im Vorfeld selbiger Veranstaltung an, dass die Lehrfilme des FWU (Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht) inzwischen ein unentbehrlicher Teil des HK-Lebensgefühls geworden seien. Eng ans Herz gewachsen sind sie uns in der Tat, jene kleinen, grobkörnigen und wahlweise rührenden, trübsinnigen, amüsanten oder finsteren Schmalfilm-Zeugnisse deutscher Tristesse, die wohlmeinend, aber unvermeidlich steif und altväterlich den Schwierigkeiten des Gefühls-, Familien-, Sexual- oder des Soziallebens im ganz Allgemeinen nachspüren. Viele von uns erlebten diese Filme noch im Kontext ihrer ursprünglichen Bestimmung: Als Anschauungsmaterial im Schulunterricht, mit einem aus dem “Technikraum” herbeigerollten 16mm-Projektor an die Wand des Klassenzimmers geworfen. Heute sind diese Filme aus den Schulen und Sozialeinrichtungen verschwunden. Produktionen jüngeren Datums auf digitalen Datenträgern haben ihren Platz eingenommen. Das ist verständlich, legt aber auch nahe, dass es an der Zeit ist, sich dem über die Jahrzehnte hinweg in enorme Dimensionen aufgedunsenen FWU-Filmkörper aus einer anderen Perspektive zu nähern. Weiterlesen…

14. Hofbauer-Kongress, Aufriss #14

INSEL
Leichtbeschürzte Amazonen scheinen auf einer gar sonderbaren INSEL DER UNBERÜHRTEN FRAUEN nur darauf gewartet zu haben, die müden Recken eines abgestürzten US-Flugzeugs zu umgarnen, um die ein oder andere Berührung herbei zu führen. Was sich dabei so alles zuträgt, gibt Onkel Fürchtegott folgendermaßen zu Protokoll:

„Nach fünftägiger Irrfahrt in einem Schlauchboot irgendwo im Pazifik landen vier Mitglieder einer beim Angriff auf einen japanischen Flottenverband abgeschossenen Bomberbesatzung auf einer unbekannten Insel. Dort werden sie von vierzig schurzbekleideten und speerbewaffneten, aber gut ondulierten Amazonen gefangengenommen. Die Mädchen stellen sich als die letzten Nachkommen der Druiden vor, eines Stammes, der vor 2000 Jahren in Süd-England gelebt haben soll. (Tatsächlich waren die Druiden Angehörige einer Priesterkaste bei den Kelten.) Da ein Teil der Mädchen beim Anblick der Männer ans Heiraten denkt, befreit die Priesterin Sandra die Fremden und schickt sie ins Tal des Todes, wo sich die ganze vorzeitliche Tierwelt mit allen Sauriern versammelt hat. Obwohl diese Riesenechsen Pflanzenfresser waren, machen sie plump-fröhliche Jagd auf unsere Landser. Nur durch beschleunigten Rückzug zu den Druidentöchtern retten diese ihr Leben. Noch bevor die ersten Liebeständel ernst werden, überfallen bärtige Männer à la Neandertaler die Insel, werden jedoch von den Fliegern mit Hilfe ihrer nie zu ladenden Revolver abgewehrt. Aber am Untergang der Insel durch den Ausbruch eines Vulkans können die tapferen Verteidiger nichts ändern. So erlischt alles durch Jahrtausende konservierte Leben. Nur einer bringt die unglaubliche Kunde von der Insel nach Hause. – Tatsächlich ist es unglaublich, welch primitive Geschichte (übrigens reichlich alten Datums) dem Filmbesucher zugemutet wird, nicht nur in der Machart, sondern auch in der Idee. Da wird das Blaue vom Himmel herunter erfunden, nur um auf eine passende Laufzeit zu kommen. Wenn einer der Soldaten den Stamm einer fleischfressenden Pflanze mit dem Dolch bearbeitet und diese unter den Stichen ihr Leben “aushaucht”, kann es nur Hohngelächter im Parkett geben. Das Ganze wird – wie gewohnt – in einer Rahmenhandlung wissenschaftlich verbrämt.“ (Katholischer Filmdienst) Weiterlesen…

14. Hofbauer-Kongress, Aufriss #13

STÜF
“Rumpelstählchen” möchten wir die zentrale Figur unseres von einigen verlorenen Seelen sicherlich schon sehnsüchtig erwarteten ‪#‎StÜF‬, unseres “stählernen Überraschungsfilms” taufen, denn Stillhalten ist seine Sache nicht. Rumpelstählchen ist ein gar rastloses Kerlchen mit dubiosen Idealen, welches sich in seinem schmutzigen und schwachsinnigen Tun von niemandem beirren lässt. Unerbittlich verfolgt er seine kümmerlich patriarchalischen Ziele mit Methoden, unter denen sich das Gebälk der Filmerzählung und die Sinnhaftigkeit der Komik biegen. Stets unter sicht- und leider auch hörbaren Mühen an den Grenzen des Menschenverstands und des Menschenwürdigen entlanghysterisierend, ist Rumpelstählchen eine enervierende Gestalt, mit der nicht gut Nutella essen ist (s. u.). Dies vermochte jenen grundverdorbenen, das Zersetzende stoisch erduldenden Altmeister und Schlüsselregisseur des HK-relevanten Kinos, der für diesen StÜF verantwortlich zeichnete, jedoch nicht davon abzuhalten, Rumpelstählchen in den Mittelpunkt eines seiner infernalischsten Werke zu stellen – eine Prüfung von Film, auf die aus gutem Grund heutzutage keine Hymnen mehr angestimmt werden, dem in internationalen Fachkreisen liederlichen Renommee seines mysteriösen Schöpfers zum Trotz. Weiterlesen…

14. Hofbauer-Kongress, Aufriss #12

ShaolinKungFu_1
Eigentlich sollte unser “keuscher Zusatzfilm” ‪#‎KeuZ‬ dieses Mal nicht, wie bereits im Juli, wieder aus Zentralasien, sondern aus Italien zu uns kommen. Tücken des 35mm-Schicksals und technische Gründe haben uns jedoch dazu bewogen, in letzter Minute Flugtickets nach Taiwan zu buchen, um uns dem SHAOLIN KUNG FU (達摩密宗血神飄 1976) des in der deutschen Fassung titelgebenden gelben Tigers zu widmen. In rasendem Tempo wird er uns aus der Tiefe der Kinoleinwand entgegenrauschen in diesem aerodynamischen Leinwandspektakel à la bonne heure, welches augenscheinlich ein verhinderter 3D-Film ist, der seiner Zweidimensionalität mit übergriffiger Kadrage und entfesselter Flugakrobatik trotzt: Fliegende Grabsteine und messerscharfe Bumerangs werden unmittelbar an uns vorbeischwirren, Falltüren sich öffnen und Gitter vor unserer Nase herabsausen, wenn Peng-Yi Chang seinen wirbelwindigen Hauptdarsteller Carter Wong durch eine abenteuerliche Fabel von Intrige und Verrat aus dem China des 17. Jahrhunderts segeln lässt. Umso größer ist die Freude, als wir möglicherweise die entsprechende Filmkopie, welche uns vor Kurzem zuflog, als Erste zu Gesicht bekommen werden: wie aus dem Ei gepellt hat sie jahrelang auf unsere fiebrigen Blicke gewartet und ist, wie’s scheint, stets den Attacken fahrlässiger Bahnhofskinofilmvorführer (wenn auch nicht dem bei Fuji-Filmmaterial je nach Kopiengeneration unvermeidlichen Fading) entronnen. Weiterlesen…

14. Hofbauer-Kongress, Aufriss #10

Blut, Schweiß und Mädchen
Wenn die Mafia das Bahnhofskino betritt, merkt das Hofbauer-Kommando auf. Zu wonnevoll und eindringlich sind die Erinnerungen an Norbert Meisels DER ZERSTÖRER (MAFIA GIRLS), der sich bei einem der frühen Kongresse auf Anhieb den Weg ins HK-Pantheon geschmiert hat. Glückseligmachende und frei aufatmen lassende, abgrundtief trist-brachiale Verkommenheit und Schäbigkeit, bei der uns nachhaltig wohl um Herz und Hose wurde. Einen ähnlichen Meilenstein erwarten wir freilich nicht, wenn wir uns nun dennoch mit einiger Vorfreude einen anderen Mafia-Sexploitationfilm vornehmen, der kurz vor THE GODFATHER veröffentlicht wurde und dessen Originaltitel THE GODSON die Vermutung nahelegt, dass er bereits mit spekulativem Blick auf Coppolas Film eilig runtergekurbelt wurde, um auf zwielichtigerem Territorium auch ein paar Kneten abzugreifen. Weiterlesen…

14. Hofbauer-Kongress, Aufriss #9

Ich schlafe mit meinem Mörder
“Die Siebziger begannen Ende der Sechziger”. Das stellte Markus Caspers in seinem famosen Buch „70er – einmal Zukunft und zurück“ fest. Und „Dekaden halten nicht immer 10 Jahre und schon gar nicht, was sie versprechen”. Ab 1974 ging es schon wieder bergab. Die regressive Desillusionierungsmaschinerie startete, man flüchtete in Bekanntes und Bewährtes. Folgerichtig, dass schon 1971 die ersten Memoiren Rosemarie Heinikels erschienen, die nicht erst durch ihren Auftritt in Peter Baumgartners …UND NOCH NICHT SECHZEHN zu einem leuchtenden Stern im HK-Kosmos wurde. „Rosy Rosy“ ist eine Gehirnsynapsen sprengende Radikalperformance in
Worten, ein einzigartiges Zeitmonument, das von Seite zu Seite wilder und delirierender, schöner und wahrhaftiger wird. Ein Buch, das lebt.

Von 1969 bis 1971 war in München noch jeder Nerv in fiebriger Erregung. Die Realität lief der Fantasie davon. Und hatte einen großen Vorsprung. Es war ein Schlaraffenland der pikanten Genüsslichkeiten. Ein hedonistisches Karussell der allgegenwärtigen Verlockungen. Frechen Küken und hungrigen Seejungfrauen strömte es heiß durch Mark und Bein, die Luft vibrierte vor Euphorie. Schwabing schien das Zentrum des Universums zu sein. Hübsche Mädchen hießen Hasen. Die Playboys, „Münchner Raben“ genannt, gingen ihnen gerne zur Hand, mehr smart als hart. Noblesse oblige. Schließlich liebte man die Frauen. Und nicht nur eine. München war die Stadt mit offener Bluse und ohne BH. „Was nutzt die schönste Frau, wenn es die eigene ist?” fragte seinerzeit Klatschkönig Michael Graeter, und das nicht zu selten, denn er wusste alles über eine Gesellschaft, „die sich die Hand im fremden Schritt gibt.“ Weiterlesen…

14. Hofbauer-Kongress, Aufriss #8

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“Jedes Jahr kam sie und verbrachte mit ihrer Mutter den Sommer bei uns. Bei Tage tat ich alles, um ihr aus dem Weg zu gehen. Ich hielt mich ihr gegenüber stets bedeckt. Doch Abends, wenn sie nach oben ging, in ihr Schlafzimmer, stand ich oft vor ihrer Tür und stellte mir vor, wie sie dahinter in ihrem Bett lag…”, entsinnt sich schwermütig Marco, einer der Protagonisten von WO, WANN, MIT WEM? (Antonio Pietrangeli, Valerio Zurlini, 1969). Melancholisch und mit rumorender Hose gedenkt er jener Tage, als er von der Kindheit hinüber in die Adoleszenz trübte und erste zarte Knospen des Begehrens ihn umschwirrten und verwirrten. Nun, 40 Jahre und kein bisschen weise, jagt er ihnen immer noch nach, den seltsamen Schatten der ersten Lust, die durch sein Leben und die feudale Villa seiner Eltern geistern.
Jene Trutzburg des Verzichts bewohnt er mit seiner schönen Gattin Paola, doch seit sich in Marcos Kopf der süße Vogel der verflüchtigten Jugend niedergelassen hat, leidet das gutbetuchte Miteinander unübersehbar an Erschlaffungen und erotischer Konzentrationsschwäche. All das ändert sich, als Alberto, ein Jugendfreund von Marco, nach Jahren im argentinischen Exil nach Turin zurückkehrt und sich verständnisvoll Paolas Sorgen annimmt. Weiterlesen…

14. Hofbauer-Kongress, Aufriss #7

Ei ei, was sticht mich denn da?

Anknüpfend an den kleinen skandinavischen Schwerpunkt beim Frankfurter HK-Sondergipfel, verschlägt es uns auch im Januar noch einmal für eine Spielfilmlänge nach Dänemark. Zu einem einstigen Skandalfilm, der bei seinem Erscheinen 1966 für einigen Wirbel sorgte und indirekt als einer der Wegbereiter für die Liberalisierung der Filmzensur in Dänemark gilt, wo bereits 1969 das Verbot von Pornografie aufgehoben wurde – was das Land für einige Jahre zu einer der führenden Exportnationen auf diesem Gebiet machte, bevor nach und nach andere europäische Länder nachzogen. In Deutschland musste man sich noch bis 1975 gedulden und zunächst auf dem florierenden Schwarzmark mit heimlich importierten Materialien der nordischen Nachbarn vorlieb nehmen. Weiterlesen…