Videolecture mit Bill Plympton



Plymptons CHEATIN'

Gerade zufällig darüber gestolpert, bei der Recherche über Bill Plympton, habe ich das Video sofort laufen lassen, und will es nun gleich hier teilen, verbreiten, weiterverbreiten. Bill Plympton. Einer meiner liebsten Filmemacher. Ich wollte schon immer über ihn schreiben, oder irgendwas machen. Ok, das ist nur eine Verlinkung, aber ein bisschen was kann ich doch zu Papier bringen. Sozusagen.

Ich glaube auf arte lief mal vor einer kleinen Ewigkeit, aber gar nicht so lange her, vermutlich Ende der 90er, ’99, I MARRIED A STRANGE PERSON!, den ich damals auf VHS aufnahm. Zuvor hatte ich, soweit ich mich erinnere, einen Ausschnitt, mehrmals, auf arte gesehen, Werbung, in dem der Film angekündigt, beworben wurde. Ich glaube es war vor allem der Zeichenstil, der mich neugierig machte, der mich anzog, und vermutlich auch der Schnitt, die abrupten, sehr brutalen Wechsel, die neben den Mutationen, wie Bill Plympton es zu nennen pflegt, einen wichtigen Teil seines Stils als Filmemacher ausmachen. Jedenfalls meiner Meinung nach. Natürlich sind da auch die Kameraeinstellungen, also in diesem Fall die Perspektiven, die Plympton zeichnet, zu Papier bringt, aber der Kontrast zwischen brutalen, harten Schnittfolgen und weichen, zarten, fließenden Übergängen, ist wohl eines seiner prägnantesten Charakteristika. Und die Zeichnungen leben auch, sie atmen, sie bewegen sich, sind immer im Fluss. Wenn ihr einen der Filme seht, oder bereits kennt, wisst ihr was ich meine.

Jedenfalls habe ich den Film dann gesehen, wurde großer Fan, habe danach glücklicherweise weitere Filme von ihm gesehen, HAIR HIGH auf meinem ersten Fantasy Filmfest, in Stuttgart damals (glaube ich), THE TUNE von einer VHS-Kassette in der Amerika-Gedenkbibliothek geliehen, MUTANT ALIENS auf DVD gekauft (es gibt eine tolle – und günstige – deutsche DVD-Veröffentlichung, auf der auch der großartige EAT enthalten ist), später dann noch Kurzfilme im Kino, IDIOTS AND ANGELS wieder auf dem Fantasy Filmfest, diesmal in Nürnberg, etc. pp. Seine Filme sind erhältlich, man kann sie kaufen, er hat auch eine eigene Website plymptoons.com, da kann man das Meiste auch bestellen. Wie auch immer. Was mich aber zusätzlich fasziniert hat, war die Tatsache, dass Plympton alle seine Animationsfilme komplett selbst gezeichnet hat. Auch die Langen. Und auch den vierten, fünften, sechsten Film (und letztes Jahr erfolgreich eine Kickstarterkampagne für seinen siebten abendfüllenden Animationsspielfilm zu Ende geführt hat). Ja, er macht die Tausenden von Zeichnungen allein, er zeichnet einfach gerne, wie er in dem Video sagt, und es ist natürlich günstig. Günstig soviel wie möglich allein zu machen. Und es lässt einem natürlich auch Freiheiten, Dinge so zu machen, wie man sie will. Zumindest, wenn man es sich leisten kann.

Wer mehr und Ausführlicheres über Bill Plympton erfahren möchte, dem empfehle ich das eingebettete Video anzuklicken. Dort redet Bill beinahe eine Stunde lang über sich und seine Animationen, scheinbar vor einer Schul- oder Uniklasse in den USA, und wir können ihm nicht nur beim verfestigen von Gedankenströmen und beim Ratschläge erteilen beiwohnen, sondern es laufen auch noch drei Filme von ihm (einer davon unter dem bezaubernden Titel TIFFANY: DEATH ON THE RUNWAY), in ziemlich guter Bildqualität (ihr könnt, wenn ihr wollt, die Option 720p für das Video auswählen), die Tonqualität ist zwar eher bescheiden (also bei den Filmen), aber zumindest kriegt man sie zu sehen, also einen Einblick (wenn man Plympton noch nicht kennt). Und wenn man bereits mit dem Mann und seiner Arbeit vertraut ist, dann ist es wie Weihnachten im Januar (ja, ok, blöder Witz). Mit am Schönsten fand ich vor allem einen Ausschnitt aus seinem neuesten Langfilm CHEATIN’, die ersten paar Minuten, die Sequenz noch nicht ganz fertiggestellt, mit Tempmusic und Timecode, aber doch die ganze Magie von Plymptons Phantasiekreationen und Hirngespinsten, Neurosen und Obsessionen, in gewohnt maßloser Weise in die Länge gedehnt. Wie immer. Schaut es euch an, und kauft seine Filme! (Ein Buch hat er vor kurzem übrigens auch wieder herausgebracht, diesmal wohl so etwas wie eine illustrierte Autobiographie)

Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, Januar 22nd, 2014 in den Kategorien Blog, Blogautoren, Filmschaffende, Hinweise, Sano, Verschiedenes veröffentlicht. Sie können alle Kommentare zu diesem Beitrag über den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können diesen Beitrag kommentieren, oder einen Trackback von ihrer eigenen Seite setzen.

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