STB Robert 2023 I

„[…] if magic is defined as the employment of ineffective techniques to allay anxiety when effective ones are not available, then we must recognize that no society will ever be free from it.“ (Religion & the Decline of Magic)


Wertung: Ich kann nichts mit Zahlen zur Bewertung anfangen. Deshalb gibt es hier ein prosaisches System. Eine Skala ist mit der Qual verbunden, Filme in eine lineare Ordnung zu quetschen. Deshalb hat die Wertung zumindest eine Y-Struktur für freieres Atmen. Die Einstufungen radioaktiv und verstrahlt reflektieren, dass ein Film in seiner eigenwilligen Qualität es einem nicht einfach macht, ihn einfach zu genießen. Wertungen in Klammern verweisen auf das ein oder andere Nickerchen beim Schauen.

Legende: Ist im Grunde selbsterklärend. Wenn hinter der eckigen Klammer eine Zahl steht, dann gibt sie die Anzahl der Sichtungen wieder. Je höher die Zahl, desto mehr ist sie geschätzt. Da ich mit Fernsehen und Kino aufgewachsen bin, wo nur gekennzeichnet wird, wenn ein Film nicht in deutscher Sprache läuft, tue ich das schändlicherweise auch. (OmU=Originalfassung mit Untertiteln, OmeU=Originalfassung mit englischen Untertiteln, OF=Originalfassung, EF= englischsynchronisierte Fassung, OZmeU=Originalzwischentitel mit englischen Untertitel) Hinzu kommen die Zeichen ł, wenn der Film gekürzt war, und ≠, wenn ich mitbekommen haben sollte, dass das Format nicht hinhaute. Ein kleines K hinter einem Titel bezeichnet einen Kurzfilm (bis 20 Minuten), während ein kleines M einen mittellangen Film (21 bis 60 Minuten) kennzeichnet.


Vorangegangene Sehtagebücher:
2012/II | 2013/I | 2013/II | 2014/I | 2014/II | 2015/I | 2015/II | 2016/I | 2016/II | 2017/I | 2017/II | 2018/I | 2018/II | 2019/I | 2019/II | 2020/I | 2020/II | 2021/I | 2021/II | 2022/I | 2022/II

Januar
Sonntag 29.01.

パンダコパンダ / Panda! Go Panda!
(Takahata Isao, J 1972) [DVD] 3

großartig +

Derrick (Folge 261) Das leere Zimmer
(Horst Tappert, D 1996) [DVD]

ok

Sonnabend 28.01.

Young Mr. Lincoln / Der junge Mr. Lincoln
(John Ford, USA 1939) [DVD, OF]

großartig

Mais ne nous delivrez pas du mal / Und erlöse uns nicht von dem Bösen
(Joël Séria, F 1971) [DVD, OmU] 2

großartig

Freitag 27.01.

Windtalkers
(John Woo, USA 2002) [stream, OmeU]

gut

Immer wieder rennt jemand los und versucht einen angeschossenen Kameraden aus der Schusslinie zu retten. Jedes Mal werden sie aber auch angeschossen und beide – der Rettende und der zu Rettende – sterben. Nicolas Cages Figur ist traumatisiert und leidet darunter, dass er in einer Schlacht weder half, noch starb. WINDTALKERS ist zeigt ihn als Grießkram mit Herz aus Gold, der nicht nur seinen Heldenmut immer wieder beweisen darf, sondern irgendwann sogar den Mut findet jemanden zu helfen. Denn auch wenn wir sterben, werden der Krieg und seine Gräuel zumindest für den erträglich, der für seine und mit seinen Mitmenschen lebt. – das Adrenalin geschwängerte Melodrama … das mir vll. einen Tick zu wenig kitschig war.

Donnerstag 26.01.

Im Banne des Unheimlichen
(Alfred Vohrer, BRD 1968) [blu-ray]

verstrahlt

Der ausgelebte Lippen- und Zungen-Fetisch, Farbschangel und (behaupteter) Hippie-Schick, Leute, die grün angemalt werden, weil es erscheinen soll, dass sie aus der Karibik stammen würden, das absurde Halloween-Kostüm des Widersachers, mit dem er zum Schrecken der ihn Sehenden immer wieder durch Fenster schaut: Gegen Ende versiegt die Spiellust etwas, aber größtenteils ist dies nur noch aberwitzig und verspielt … mit einem Spielzeug, dass schon zu ramponiert ist, um noch ordentlich damit zu spielen. Tongue in Cheek … mit Loch in der Wange.

Mittwoch 25.01.

Derrick (Folge 260) Mordecho
(Helmuth Ashley, D 1996) [DVD]

ok +

Reineckers Drehbuch wird angetrieben von der Vorstellung, dass Mörder irgendwann von ihrem schlechten Gewissen eingeholt werden … und dass sich an allen Missetätern, die finden, dass es ihnen sehr gut geht, gerächt werden müsste. Die solide Kunstsprechfolge wird aufgewertet durch die indirekte und zumindest ästhetisch wertvolle Gegenüberstellung einer schwarz-weißen – und damit quasi verblichenen – Videoaufnahme des Mörders vor seiner Selbsterkenntnis und des eindringlichen – und zum Behufe dieser Wirkung wiederholten – Moments der schmerzhaften Erkenntnis von Gut und Böse … sowie die leicht dissonant zueinanderstehende Klaviertastendrücker, zwischen denen zwar keine Pause einer Ewigkeit steht, aber doch das klamme Gefühl des Zweifels und des Leidens an sich.

Montag 23.01.

Orly
(Angela Schanelec, F/D 2009) [DVD, OmU]

ok

Angela Schanelecs NIGHT ON EARTH, wobei sie die Taxis der Welt mit dem Flughafen von Orly austauscht, die Nacht gegen den Tag und die warmherzige Absurdität gegen warmherzige, vielsagende Ausschnitte aus einigen Leben. Und wenn dann von den Leuten im Gewirr des Flughafens aufs Großaufnahmen geschnitten wird, sobald sich Intimität einstellt, dann wirkt der Film umso mehr wie das Klischee des Versuches Schanelecs NIGHT ON EARTH nachzumachen.

Sonntag 22.01.

The Great Mouse Detective / Basil, der große Mäusedetektiv
(Ron Clements, John Musker, et al, USA 1986) [DVD] 18

großartig

Die Tanznummer in der Hafenbar – eine weibliche Maus wirft ihre Kleidung ab und tanzt leichtbekleidet (mit Strumpfband am Oberschenkel) weiter, wobei sie sich vom braven, unschuldigen, hilflosen Mädchen zur taffen, mit allen Wassern gewaschenen, positiven Frau wandelt – zeigt Disney vll. von seiner anzüglichsten Seite. Dazu kommen effektiv inszenierte Noir-Bilder und Jump-Scares, die BASIL in die Nähe eines Horrorfilms für Kinder rücken, sowie ein toller Ohrwurm. Zuletzt war ich von ihm enttäuscht, jetzt würde ich sagen, dass es sich um den besten Disney-Film der – leider zumeist eher euphemistisch benannten – Meisterwerk-Reihe handelt.

Donald’s Crime / Donalds Verbrechen k
(Jack King, USA 1945) [DVD] 3

großartig

Ein Noir-Studie. In nicht einmal zehn Minuten ist alles da, was es braucht. Und deshalb vll. eher: eine Studie der Erzählökonomie. Und noch dazu witzig, voller optischer Ideen und packend.

Clock Cleaners / Die Uhrenreinigung k
(Ben Sharpsteen, USA 1937) [DVD] 5

großartig

Kinetische Energie – der Film. Mickey, Goofy und Donald reinigen eine Turmuhr und werden von Zahnrädern und der sich ein ums anderen Mal unter ihnen öffnenden Tiefe, der es zu entkommen gilt, gefangen genommen. Super simpel, super schön.

Das Geheimnis der gelben Narzissen
(Ákos Ráthonyi, BRD 1961) [blu-ray]

ok +

Christopher Lee spielt in Yellow Face quasi das Unbehagen mit diesen undurchdringlichen Orientalen-die Figur, darf sich aber dafür eine irrwitzige Ladung an fiktiven chinesischen Sprichwörtern ausdenken. Er und Kinski, der in völliger Auflösung spielt, sowie die ständige Belauerung von verdächtigen Figuren erinnern daran, dass dies ein Edgar Wallace-Film ist. Ansonsten ist er eher sachlich und optisch vor allem aufgeräumt, hell ausgeleuchtet und irgendwie nur da. Vll. fehlt aber einfach nur Eddie Arent.

Sonnabend 21.01.

Father of the Bride / Vater der Braut
(Charles Shyer, USA 1991) [stream, OmeU]

ok

Im Vergleich mit Minellis Version fällt auf, wie entspannt diese war und nicht den Lachern und den sentimentalen Gefühlen der Verbundenheit mit diesen Leuten hinterherrennt, und genau deshalb viel mehr von diesen erhält, während Charles Shyers Version so bemüht ist, dass es anstrengt. Und erschreckender Weise ist Steve Martin eher Teil des Problems, weil er – anders als Tracy – um Mitgefühl und Lacher bettelt. (Zumindest als Straight Man für Martin Short taugt er.)

Freitag 20.01.

Father’s Little Dividend / Ein Geschenk des Himmels
(Vincente Minnelli, USA 1951) [stream, OmeU]

ok +

Der etwas biedere Nachklapp zum Thema des Kampfes zwischen den Eltern des Brautpaares um mehr Einfluss, zu deren gegenseitigen Neid und zum Erweichen eines Grummels, der in der Regel das wiederholt und ausbaut, was schon im Vorgänger nur der nette Teil war, und das weglässt, was eben toll an diesem war.

Source Code
(Duncan Jones, USA/CA/F 2011) [stream, OmeU]

ok

UND TÄGLICH GRÜSST DAS MURMELTIER trifft TWELVE MONKEYS. Mir macht es zumindest sehr viel Spaß Jake Gyllenhaals bei seinen vielen (Schauspiel-)Ticks zuzusehen.

Donnerstag 19.01.

Babylon / Babylon – Rausch der Ekstase
(Damien Chazelle, USA 2022) [DCP, OmU]

verstrahlt +

Einen der enthaltenen Filme mag ich sehr und der Rest scheitert mindestens sehr ansehnlich. BABYLON – eine erfreuliche Torture. Mehr dazu bei critic.de.
Im Text werden qualvolle Retakes unter qualvollen Bedingungen erwähnt. Eine der wenigen wirklich überzeugenden Entscheidungen, die Chazelle trifft, ist der Verzicht auf eine Montage von aberwitzig vielen Retakes – durch das Schlagen der Klappe rhythmisiert. Stattdessen sind es nur wenige Versuche, die ungefähr in Echtzeit gezeigt werden. Wie schnell und wie sehr die Nerven blank liegen, offenbaren wie die Selbstverständlichkeit und die Lust, sich auszuprobieren, verloren gegangen ist. Leistungsdruck scheint erstmals Einzug gehalten zu haben. Und die absurd niedrige Anzahl der Takes verhindert schlicht, dass der Film sich zu sehr mit der Erzählung dieses Sündenfalls durch den Ton verbrüdert.

Dienstag 17.01.

Father of the Bride / Vater der Braut
(Vincente Minnelli, USA 1950) [stream, OF]

gut +

Ein Vater (Spencer Tracy) verliert seine Identität als Vater und Nummer 1 im Leben seiner Tochter (Elizabeth Taylor) – eine Protositcom, die sicherlich auf Lacher aus ist, aber dem Vater seine Würde und seinen Schmerz lässt, die eine tolle Alptraumsequenz ihr Eigen nennt und die die 50er Jahre und ihre Wertvorstellungen in a nutshell vorführt … bzw. ein Film, der seinen sehr trinkfreudigen Figuren jede Ausrede lässt, um immer wieder und immer wieder zu saufen.

Montag 16.01.

Derrick (Folge 259) Mädchen im Mondlicht
(Jürgen Goslar, D 1996) [DVD]

ok

Eine junge Frau (Lara-Joy Körner) wird in einem Fort zum Engel stilisiert. Sobald sie auftaucht, geht es nur darum, dass sie aufrichtig ist, herzlich, mitfühlend, unschuldig, rein und im Grunde nicht von dieser Welt. Und das alles nur, um sie dann schänden zu lassen und die Frage in den Raum zu stellen, ob ein Vergewaltiger eines solchen Engels nicht vll. den Tod verdient hat. Doch als Derrick vor dieser Frage steht, flieht die Folge ins Ende. Und wir bleiben mit einer Episode zurück, die zumindest im Wechsel aus ihren drei Örtlichkeiten – ein (erstaunlich expliziten) Stripclub, eine Armenküche und eine weltenthobene Villa, die diesem anderen Dreck zu entfliehen wollen scheint – eine ästhetische wie inhaltliche Spannung sowie einen schönen moralischen Twist erhält und in der Derrick den Täter einfach mal ohne jeglichen Grund anruft und in die Episode holt, die ansonsten aber nur schwerfälliger Aufbau für eine Bildzeitungsschlagzeile ist.

Sonntag 15.01.

Die toten Augen von London
(Alfred Vohrer, BRD 1961) [blu-ray] 3

großartig

Es könnte hier einiges über weiße Augen, Nebel, Totenkopfzigarettenhalter, sehr behaarte Hände, einen schwächelnden Eddie Arent und das Stilprägende für die Reihe stehen, aber es reicht auch Kamil M.s Einschätzung auf letterboxd: The real London never quite lived up to Vohrer’s perverse reimagination. Pure cinema.

Sonnabend 14.01.

Don’t Breathe 2
(Rodo Sayagues, USA 2021) [blu-ray, OmeU]

gut

Mein Lieblingsmoment war, als, wenige Minuten nachdem ich Sabrina Z. sagte, dass mich das so sehr an HOME ALONE erinnert, dass ich nur darauf warte, dass sich jemand an einem Türknauf die Hand verbrennt, sich jemand an einem Türknauf die Hand verbrannte. Mitunter ist DON’T BREATHE auch richtig schön anzusehen, wenn er beispielswiese im Orange eines Sandsturms endet oder weil er allgemein mit faszinierenden – optisch wie moralisch – Antagonisten aufwartet. Meist ist er aber etwas arg ernst dafür, dass er ZATOICHI STIRBT LANGSAM ALLEIN ZU HAUS ist, und schlägt zeitweise arg öde Erklärbär Wege ein.

Freitag 13.01.

座頭市御用旅 / Zatoichi at Large
(Mori Kazuo, J 1972) [blu-ray, OmeU]

großartig

Zatoichi muss mal wieder auf ein Kind aufpassen, Yakuza fallen in ein ruhiges Dorf ein, beim Würfelspiel wird betrogen, und und und: ZATOICHI AT LARGE ist sichtlich der 23. Teil einer Filmreihe, die von Beginn an kaum große Ambitionen zeigte, Neues zu erzählen. Doch Mori umarmt es und macht seinen Film zu einer Art Best-of, das ironischer Weise da glänzt, wo Neuland betreten wird. Wenn ein Kind Zatoichi damit konfrontiert, wer er ist, ein Mörder. Wenn der Endkampf Zatoichi aus der Hölle aufsteigen lässt. Wenn der Kampf mit dem Samurai eine äußerst pointierte Coda darstellt. Zudem ist die Musik toll, es werden Scherze mit Urin gemacht und überhaupt wird der parallel an ansteigenden Welle der Sexploitation Tribut gezollt. Ein alter Wein in einem neuen Schlauch also … und das im besten Sinn des Wortes.

Antebellum
(Gerard Bush, Christopher Renz, USA 2020) [stream, OmeU]

ok

Dass die Vergangenheit nicht abgeschüttelt ist und archaisches Gedankengut in der Moderne steckt, wird hier zum Horrorfilm. Einen netten, sauberen Film über Vergewaltigung und Sklaverei, der kaum mehr macht, als seine interessante Idee in nette, saubere, nicht aufwühlende Bilder von Hilflosigkeit, Rebellion und eine hoffnungsvolle Arglosigkeit zu packen. Aber die Idee ist durchaus nicht schlecht. Nach dem Film erzählte ich Sabrina Z., dass das eben Gesehene auf einer wahren Geschichte basierte, was sie so schnell glaubte, wie mir der Gedanke gekommen war. Als ich Antebellum daraufhin googlete, weil ich mir nicht mehr sicher war, ob es vor dem Krieg oder auf in den Krieg hieß, war die erste Frage in den FAQs, ob der Film auf wahren Begebenheiten beruhe. Es ist erschreckend wie leicht es zu glauben ist.

Donnerstag 12.01.

Don’t Breathe
(Fede Álvarez, USA 2016) [blu-ray, OmeU] 2

gut +

Der Aufhänger – drei jugendliche Einbrecher stecken mit einem blinden Psychopathen im Haus fest und müssen sich teilweise in den selben Räumen vor ihm verstecken – und die Sensibilitäten von Fede Álvarez – am wohlsten fühlt er sich sichtlich, wenn Kugeln durch Schädel schnellen oder wenn Fäuste in Gesichter und Füße gegen Körper krachen – stehen sich ein wenig im Weg. Weshalb DON’T BREATHE, bei all seinen sichtlichen Qualitäten, ein wenig in der Luft hängt … zwischen Ruhe und Übersicht sowie lustvollem Gore. Beides kommt nicht wirklich zu sich und lässt immer im Raum stehen, dass das durchaus noch einen Tick atmosphärischer oder krasser hätte sein können.

Mittwoch 11.01.

Das indische Tuch
(Alfred Vohrer, BRD 1963) [blu-ray]

gut +

Eine Vorform von EINE LEICHE ZUM DESSERT. Zehn Krimikarikaturen – jeder ist für sich exzentrisch, grell und natürlich verdächtig – sitzen in einem Schloss fest und töten sich wegen eines Erbes einer nach dem anderen. Und eigentlich stört nur die Farce des Drehbuchs Vohrers brillianten Horrorschangel.

Dienstag 10.01.

Derrick (Folge 258) Frühstückt Babette mit einem Mörder?
(Eberhard Itzenplitz, D 1996) [DVD]

gut

Aufrichtiges, unschuldiges junges Mädchen schmilzt das Herz des Psychopathen: es könnte eine sehr biedere Folge sein, wäre da nicht Christoph Bantzers Ultrakunst, der die künstliche Sprache Herbert Reineckers zu seiner Waffe macht und in die Performance eines in einer Edgar Allen Poe artigen Zwischenwelt gefangenen Mannes inkorporiert. Jeder Satz, jedes Wort ist der Ausdruck eines Wahnes, den jemanden befallen hat, der in seiner gotischen Luxusvilla den Kontakt zur Realität, zu Menschen und seinen Gefühlen verloren hat. Und Horst Tappert macht das einzig Richtige. Er spielt nicht den Onkel Derrick, den er zuletzt immer gibt, sondern einen Wischiwaschi-Ermittler, der in Anbetracht des ihm gegenüberstehenden Wahnsinns einfach nur eine Comicfigur ist.

05.01.-08.01.: 20. außerordentlicher Filmkongress des Hofbauer-Kommandos
Sonntag 08.01.

Von Haut zu Haut
(Hans Schott-Schöbinger, BRD 1970) [35mm]

gut +

Telepathische Zwillinge, die sich ihre Lust- und Nahtoderfahrungen teilen, ein sinisterer Ladenbesitzer, der einem ein fatales Schicksal verkauft, Lampenschirme und verschnörkelte Inneneinrichtung, ein übernatürlicher und vll. doch ganz normaler Stalker, endlose Gassen in einer verlassenen Stadt: VON HAUT ZU HAUT ist ein Auffangbecken von diversen Ideen, hängt ästhetisch dem Prinzip einer stilvollen Leere nach und ist vor allem sehr genügsam. Leider wird er nie mehr so gut wie in dem Moment, wo weiße Zweige und Blätter vor dem pulsieren Rot – die Kopie war eben auch schon arg rot – einer Sexszene vorbeiziehen und einfach nur Schönheit definieren.

Das Herz durch Wüsteneyen rennt – Arbeitstitel k
(Garegin Vanisian, D 2021) [16mm]

gut

Sichtlich eine Verbeugung – in Wort und Bild – vor dem Kino und den eigenen Lieblingen. Und zwangsläufig liegt deshalb auch ein wenig der frühe Jean-Luc Godard in der Luft, mit etwas weniger Schalk und mehr Kunst. Und gerade, wenn sich zu verfestigen scheint, dass der Film vll. etwas zu viel Verehrung und zu viel künstlerisches Gimmick bereithält, da bricht das Ende mit der Sehnsucht nach Nähe und mehr Emotionen emotional über uns herein.

Sharon’s Rosebud m
(Richard Wilton, USA 1976) [16mm, OV]

großartig

Etwas mehr Cunnilingus ist zu sehen, ansonsten findet sich hier das Bildmaterial eines ottonormalen Pornos aus der Zeit. Und doch ist etwas anders. Statt einer Geschichte, in denen es schnell zum Sex kommt, baut sich hier etwas auf. Eine Pornodarstellerin (Sharon Thorpe als sie selbst) wird interviewt und nach ihrem Lustgewinn befragt. Und auch wenn der Film, wenn sie ein paar ihrer erotischen Phantasien zum Besten gibt, zu handelsüblichen Sexszenen wechselt, ist SHARON’S ROSEBUD ein Film voller Bedacht. Langsam, ganz langsam arbeitet die knappe Stunde des Films auf ihren Höhepunkt hin. Erst ist es nur Thorpe, die sich streichelt und die zeigt und erklärt, wie sie es mag, später kommt ein Darsteller hinzu, der sie leckt, dann kommen erst die Phantasien und irgendwann ihre Penetration. Es ist eben nicht so, dass gleich die Wallung übernimmt und eine schnelle Befriedung gesucht wird, sondern es Genuss ausgebreitet und genossen wird … und überhaupt ist Sharon Thorpes Stimme der Wahnsinn und der Resonanzkörper, der selbst Karottenaction nicht ins Alberne abgleiten lässt.

Lujuria tropical / Tropische Sinnlichkeit
(Armando Bó, ARG 1964) [35mm]

fantastisch

Die Vorstellung von fleischlicher Sünde basiert im Grunde ja darauf, dass Sex zu Kindern führt und Mütter – und vll. das größte Problem: deren Familien – alleine auf den Verpflichtungen sitzen bleiben können. Als ich dieses fiebrige Melodrama sah, befand ich mich seit Tagen in THE WORLD TURNED UPSIDE DOWN von Christopher Hill. Darin wird nun mehrmals der Gedanke geäußert, dass Sünde (im England des 17. Jahrhunderts im Speziellen, aber auch einfach allgemein) nötig war, um Besitz zu legitimieren. Besitz von Land. Besitz von Frauen. Isabel Sarlis Figur hat in TROPISCHE SINNLICHKEIT mit mehreren Männern und oftmals Sex. Die Gefahr Kinder zu bekommen, scheint aber nie zu bestehen. Von diesem Grund für die Sünde getrennt, jagt der Hund hier seinen Schwanz. Männer interessieren sich nicht für die Frau, die sich gerne auszieht und im Meer sich treiben lässt, weil frei sein möchte, sondern nur für ihr üppiges Fleisch. Die Männer sind das Feuer, sie ist das Meer … aber eines das das Feuer speist und selbst verzehrt wird. Sex und Freiheit sind in diesem tropischen, feuchten, heißen weltlichen Paradies – so sieht es zumindest hinterhältiger Weise aus – unmöglich zu vereinen, weil Isabel Sarli einen Körper als Sünde spielt. Unter den heißen, zerstörerischen Besitzansprüchen der Männer bricht sie irgendwann zusammen und möchte mit Gott (auf sich , auf die Lust) verzichten. Aber auch die Religion ist nur eine bittere Fessel, die noch dazu nichts nützt. Die Sünde, der Wahn ist übermächtig in dieser Welt.

Sonnabend 07.01.

Der Kongress tanzt
(Erik Charell, D 1931) [35mm]

fantastisch

Leider hatte ich kurz vor Schluss die Augen geschlossen und bemerkte gar nicht, dass ich weggenickt war … bis mich ein kollektives Raunen über die Brachialität des Endes weckte. Aber auch das Letzte, was ich sah, war eines wunderbaren Endes würdig: Fürst Metternich (Conrad Veidt) ist alleine im Beratungssaal, während alle Gesandten abwesend sind. Er kann Europa seinen Willen diktieren und dirigiert die leeren, durch sein Amüsement wippenden Sitze um ihn. Die Welt ist Tanz und Kater.

ගැහැණු ළමයි / The Girls
(Sumitra Peries, LK 1978) [35mm, OmeU]

großartig

Klassenkampf als überfallartiges Ende eines ruhigen, auseinanderlaufenden Coming-of-Age-Films, der lange mehr an Palmenblättern interessiert zu sein scheint, als daran tragischer Liebe, ihre Kinder verheiratende Eltern, Schul-Mobbing und Mobilitätschancen mehr als individuelle, vorbeiziehende Erfahrungen sein zu lassen.

Madame Hyde
(Serge Bozon, F 2017) [DCP (?), OmeU]

gut +

Ein wenig erinnert es an Kirkegaards PHILOSOPHISCHE BROSAMEN. Eine zurückhaltende, wenig durchsetzungsfähige Lehrerin (Isabelle Huppert) wird vom Blitz getroffen und wird zu einer Mischung aus Superheld und Hexe, die ein Parallelleben führt und nachts glühend durch das Leben ihrer Schüler streift. Wie von Geisterhand verwandelt sie ihre Problem- in Musterschüler und schafft es noch den abgehängtesten Schüler aus dem Banlieue für Wissenschaft statt für Gangsterrap zu begeistern. Gleichzeitig lehrt sie genau diesem Schüler das Nachdenken, indem sie auf Umwege hinweist, auf indirekte Wege etwas zu verstehen, die helfen, wenn es auf direktem Weg nicht geht.
MADAME HYDE ist größtenteils seltsam. Er bleibt völlig opak und möchte keine Zusammenhänge erklären, sondern lässt die Wandel einfach geschehen. Und selbst die Wandel werden nicht moralisch eingeordnet, sondern stehen für sich. Wie Kierkegaard geht es in MADAME HYDE eben darum, dass Dinge indirekt vermittelt werden müssten … während beide – Buch wie Film – ihre Botschaft doch sehr direkt aufsagen. Und vll. ist es das schönste Geschenk von MADAME HYDE: dass wir danach nicht ganz sicher sind können, ob die zuweilen abgestandenen Späße einer Sozialsatire nicht Teil eines auf seiner Metaebene – einem nichts verpflichtet scheinendem Irrens – vorzüglichen Films sind und deshalb doch ganz gut(?).

Amarelo Manga / Mango Yellow
(Cláudio Assis, BR 2002) [35mm, OmU]

gut +

24 Stunden-Short Cuts aus der brasilianischen Unterschicht. Auf der einen Seite: kurze thematische Montagen, wo beispielsweise sehr appetitanregend im Essen gefuhrwerkt wird; ein mit dem Unterleib ausgelebtes Lebensgefühl aus Resignation und Trotz; ein leicht ekliges Gelb in der Farbgebung. Auf der anderen Seite: dann eben doch ein wenig typisches Post-PULP-FICTION-Kino.

Heiter bis wolkig k
(Bruno Sukrow, D 20??) [digital]

großartig

Erste Gehversuche eines verrenteten Maschinenschlossers als Filmregisseur, der ganz scheinbar natürlich die gleichen Entdeckungen macht wie Georges Méliès.

Die wahre Titanic k
(Bruno Sukrow, D 2010) [digital]

großartig

Der beste, allerbesteste Twist der Filmgeschichte … und auch der Rest ein schöner früher Film eines geborenen Künstlers.

Der alte Mann und das Meer k
(Bruno Sukrow, D 2010) [digital]

großartig

Hemingway ohne die große Erzählung des Widerstands des aufrechten Mannes gegen ein einem alles abverlangendes Leben, sondern als knapper Freudentaumel über die zwangsläufige Niederlage. Die poetische Liebeserklärung an das Kleine und Unschöne.

Grolsch m
(Bruno Sukrow, D 2018) [digital]

großartig +

Außerirdische kommen auf die Erde, um ein paar Kästen Grolsch zu besorgen – für sie ein geheimnisvolles Gesöff, dass sie über das Fernsehsignal der Erde kennenlernten –, und legen dabei – anscheinend ausversehen – die Stromversorgung auf der gesamten Erde lahm. GROLSCH bietet mit dieser Ausgangslage ein weltweites Panorama privater Miniaturen aus lakonischer Akzeptanz bis hysterischer Verzweiflung, was denn nun ohne Strom anzustellen sei. INDEPENDENCE DAY nicht als Panoptikum der Sammlung des menschlichen Widerstands, sondern als idosynkratische Collage der Vereinzelung – entstanden aus einem entrückten Blicks auf die Kulturen der Erde.

Ha llegado un ángel / Ein steiler Zahn
(Luis Lucia, E 1961) [35mm]

großartig

Ein Exorzismus mit dem Teufel. Eine dysfunktionale Familie – der Vater ist ein Duckmäuser, die Mutter eine egozentrische Heuchlerin, die nur interessiert, was ihre Freundinnen denken, der älteste Sohn ein Hallodri, der andere ein neurotischer Dauerturner, die älteste Tochter eine egoistische Traumtänzerin und die jüngste ein verzogenes Balg – erhält Besuch von einem verwandten Waisenmädchen (Marisol) und nach und nach heilt dieses die Familienmitglieder von ihren eindimensionalen, selbstbezogenen Identitäten und macht aus ihnen soziale Lebewesen. Sie tut dies mit einem zuckersüßen Lächeln und Flamenco, den sie irgendwo zwischen naiver Übertreibung und wahnhaftem Angriffskrieg gegen Sinn und Verstand singt und tanzt. Mit grenzenloser guter Laune wird aber nicht nur das Aufeinanderprallen einer psychotronisch-humanistischen Positivität mit diversen Formen eines verlorenen bürgerlichen Snobismus zum Reigen der Weltvergessenheit inszeniert, sondern auch der Schwarze Peter der Mutter zugeschoben. Abschließend ist sie die einzige, die keine Rettung erhält. Das Gramm Garstigkeit in diesem Meer aus Fröhlichkeit färbt es ganz unmerklich schwarz und macht dies noch mehr zur sehr eigenen Erfahrung.

Freitag 06.01.

Love’s Places – Plätze der Liebe
(Eckhart Schmidt, D 2019) [digital]

uff

Eine Kamera umkreist Frauen – als Ausdruck von Schönheit, Verzweiflung, Rebellion/Resignation oder Lust. Kalendersprüchen unterbrechen die Bilder und laden sie inhaltlich auf. Die dazu gespielte Musik reicht von Richard Wagner bis zum improvisierten Orgelgedudel. Es ist in seinen Ansätzen sehr schön, grundlegend aber – gerade in der zweiten Episode – zu lang für seinen hypnotischen Fetischblick auf Weiblichkeit als Prinzip und inviduellen Körper.

ポルノ時代劇 忘八武士道 / Bohachi Bushido: Code of the Forgotten Eight
(Ishii Teruo, J 1973) [35mm, OmeU] 2

gut +

Ein unbesiegbarer Kämpfer (Tamba Tetsurō) ist des Mordens überdrüssig und ertränkt sich selbst. Daraufhin erwacht er in einem selbstherrlichen Fegefeuer bzw. in den Armen von nackten Frauen einer hyperkapitalistischen, antitugendhaften Prostitutionsmafia. Diese Mafia möchte ihn als persönlichen Bodyguard in einem Turf War, wo er weiter heroisch töten soll. Gleichzeitig wollen sie ihn am Vergewaltigen – dem Brechen und Zureiten – von Frauen teilhaben lassen, weshalb er auch noch als tugendhafter Verzichter glänzen darf. Der redliche Mörder der Italo Western und Samuraifilme wird hier auf die Spitze getrieben … mit wunderschönen inszenatorischen Ideen, die leider Ausnahmen bleiben, während Menschenverachtung etwas gefällig vor uns ausgebreitet wird.

Scarf of Mist, Thigh of Satin / Verdammt zur Lust
(Joseph W. Sarno, USA 1967) [35mm, OV]

großartig +

Der Film stammt aus dem Jahr 1967, dem Jahr des Summers of Love. Es ist die Zeit der Blumenkinder, aber Joe Sarno zeigt uns lieber ihren Gegenpart: in leeren Wohnungen, in kargen Einstellungen, im übergriffigen Lusthaushalt der Männer gefangene Leute – nicht nur Frauen, sondern die Männer selbst –, die nach den eigenen Vorteilen suchen – oder die zu naiv für diese Welt sind – und sich damit in kalte Orgien der Niedertracht befördern. Ein slow burnender Scheiterhaufen kalter, selbstverliebter oder hasserfüllter Blicke.

Pierrot le Fou / Elf Uhr nachts
(Jean-Luc Godard, F 1965) [blu-ray, OmU] 6

fantastisch

Seitdem ich PIERROT LE FOU das letzte Mal sah, ist viel passiert. Die Liebe zu Godard ist abgekühlt und ein bisschen hatte ich Angst, dass mein damals liebster Godard mir nichts mehr geben könnte. Es war dann so, als wäre ich wie auf eine Ex getroffen, deren mich störende Eigenschaften schon überdeutlich waren, während aber auch deutlich zu erkennen war, warum ich einst verliebt war. Vor allem die Kameraarbeit von Raoul Coutard, dessen Bilder von einer sagenhaften sommerlichen Frische sind, war wunder-, wunderschön..
*****
Wobei ich in dem verlinkten Text mehr über mich zu erfahren vermag, als über PIERROT LE FOU selbst. Ich würde es nicht mehr so unterschreiben, aber doch kommt Diverses herüber, was ich immer noch mag.

Wo der Wildbach rauscht
(Heinz Paul, BRD 1956) [35mm]

großartig

Es gibt süße Tiere und eine symmetrische Struktur der Generationen, die ihr Schicksal wiederholen müssen … oder sich von diesem zu lösen vermögen. Die Erzählgeschwindigkeit ist auch ein wenig dröge – mutmaßlich um abzusichern, dass wir, die Zuschauer, nachvollziehen können. Der immer wieder gezeigte Wildbach mit seinem reißenden Wasser ist schlicht nicht das Element des Films. Das Wilde bleibt ein Ding, dass mehr beschaut als vermittelt wird. WO DER WILDBACH RAUSCHT sorgt ziemlich gründlich für die eigene Zähmung.
Dieser Umstand wird aber auch nur nötig, weil Sex, Wahn und Hass heiß aus den entscheidenden Gegebenheiten und Wendungen des Films glühen. Wenn Andrä Muralt (Walter Richter) beispielsweise trunken mit den Frauen über die Tanzfläche derwischt. Wenn ein ganzer Ort auf den losgeht, der den am wenigsten deutsch klingenden Namen trägt und die am wenigsten gesitteten Sitten hat. Wenn das Drama des Films überhaupt erst zum Melodrama werden kann, weil der romantische Held sich als heißblütiger Schläger offenbart. Der Wildbach rauscht zwar nicht, aber der Film brennt denoch in einer unterdrückten Leidenschaft, die der porträtierten Gesellschaft vll. nicht unähnlich ist.

Christen und Kirchen: Die Taufe k
(Jörg Grünler, BRD 1983) [16mm]

verstrahlt

In den Gesichtern findet sich der Schlüssel dieses Lehrfilms, in dem Kinder und Pfarrer über die (Notwendigkeit der) Taufe sprechen. Denn so neugierig und aufgeschlossen die Dialoge scheinen, so sehr sehen die Kinder aus, als würden sie mit Pistolen neben der Kamera zum Sprechen gezwungen, und die Erwachsenen, als brächten sie ihre unschuldigen Kinder gegen besseres Wissen zum Schafott. Vll. ist es nur Aufregung und schlechtes Schauspiel, mir schien sich darin aber ein sehr sprechender Abgrund aufzutun.

Biggi – eine Ausreißerin
(Charles Köhn, BRD 1980) [35mm]

verstrahlt +

Biggi reißt von zu Hause aus, um Ausschweifungen mit Mann und Frau zu erleben. Sie bringt zwar nur wenige Kilometer hinter sich und doch könnte der Mief, in welchen sie vordringt, dem nur sehr kurz angerissenen Mief ihres Heims kaum diametraler entgegenstehen. Einen Orkan aus Dirty Talk – der Bereich der Grenzerfahrung wird erreicht – und Natursekt wird von ihr ausgelöst und der vom reichen Opa bis zum jungen Lack-und-Leder-Punker einen kleinen Querschnitt der Gesellschaft einfängt. Kurz: Deutschland wird zum sumpfigen Hinterzimmer der sehr eigenen Freude gemacht. Wir bekommen eine Utopie zu sehen.
Faszinierend sind dabei vor allem – neben dem Umstand, dass der lesbische Sex sehr flächendeckend gezeigt wird und dass die Männer nur wenig erotisches Potential besitzen/zu entfachen wissen – die durchweg schlaffen Penisse. Männer sind ziemlich traurige Gestalten in BIGGI, weshalb der Film durchaus als psychotronisches Manifest des Körpersaftfeminismus gelesen werden könnte. Hinzukommt die unansehnliche Mischung aus Pippi-(*Zwinker Zwinker*)-Langstrumpf-Zöpfen und räudiger Vokuhila, welche Biggi den Film über trägt. Um Schönheit geht es dem Film sichtlich nicht.

The City Girl / Die Karrierefrau
(Martha Coolidge, USA 1984) [VHS, ≠]

(großartig )

Leider plauzten die Türen in meinem Hotel über das gesamte Wochenende spätestens ab 8 Uhr frühs regelmäßig, weshalb mein Schlafdefizit eher zu als abnahm. Beim jeweils ersten und letzten Films der Tage hatte ich folglich mit dem Schlaf zu kämpfen. Bei keinem hat es mich aber so arg erwischt wie bei diesem zu Beginn, in der Mitte und am Ende – wenn ich immer mal wieder wach war – entrückt aussehenden Sexverhinderungsthriller, den ich sehr gerne richtig gesehen hätte.

Donnerstag 05.01.

Generation Z – Da war ein Himmel
(Eckhart Schmidt, D 2020) [digital]

großartig

Die ausführlichen Melodramamonologe – dies ist ein Omnibusfilm aus mehreren (zumeist) unabhängigen Kapiteln von Frauen in emotionaler Aufwühlung, die von einer Kamera umkreist (abermals: zumeist) mit der Luft oder einem Telefon reden – sind sichtlich nicht geschrieben, sondern improvisiert. Sie sind folglich nicht geschliffen, sondern bieten viel Raum für Einfalt, grammatikalische Kapriolen und noch mehr Fremdscham evozierende Aussagen. Womit ich mich noch mehr in die Frauen einfühlen konnte, wenn sie einfach vor sich hin erzählen und danach ins Leere starren, weil sie mit Schrecken zu reflektieren beginnen, was sie gerade alles gesagt und getan haben. In der ungeschliffenen Doofheit von GENERATION Z steckt seine treffende, verletzliche Menschlichkeit.
Dazu werden die erzählenden Schauspielerinnen gefilmt, als ob ein Lustgreis mit Handy neben ihnen steht und sie mit einem Handy abtastet – ihnen dabei gnadenlos auf die Pelle rückend. Es wirkt so, weil die Realität der Aufnahmen vielleicht aus einer Perspektive durchaus dem glich. Die vernetzte Welt der sozialen Medien findet darin ein vielleicht gar nicht so verzerrtes Ebenbild, in dem wir von solchen vielleicht sogar manchmal zärtlichen, oft aber auch einfach nur aufdringlichen Blicken verfolgt werden.

Perfect
(James Bridges, USA 1985) [35mm, Omschwe/finU] 4

fantastisch +

Ein Film über die Liebe und über stete Dualität, i.e. unüberwindliche Widersprüche. Das hell ausgeleuchtete 80er Neon der Fitness-Clubs und das schattige, erdige braun des Dramas. Das Schrille, Witzige, Sexuelle vs. das in sich Gekehrte. Die diversen Suchen nach Perfektion vs. die Blicke der Paranoia und das vergnügte Suhlen im Schmutz. Die klaren Genrestrukturen, die aber nicht ganz aufgehen … denen die klare Auflösung verwehrt wird. Und mehr, viel mehr. Womit PERFECT ein reicher, toller Film ist, der nirgendwo richtig ankommt und sich – im Schönen wie in den Abgründen – treiben lässt.

Mittwoch 04.01.

Die Bande des Schreckens
(Harald Reinl, BRD 1960) [blu-ray]

ok

In manchen Einstellungen und einzelnen Miniaturen aus Schatten und Schrecken ganz schön, im Großen und Ganzen als dauerironische Nichtveranstaltung, die immer und immer wieder betont, dass sie nichts ernst nimmt, dann aber etwas anstrengend.

Montag 02.01.

Astérix – Le Secret de la Potion Magique / Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks
(Alexandre Astier, Louis Clichy, F 2018) [3D-blu-ray] 2

gut

Astier und Clichy versuchen sich bei ihrem zweiten Film über das gallische Dorf an einer eigenen Geschichte und greifen nicht auf eine Vorlage zurück. Die erste Hälfte zeigt abermals das Händchen für den Humor der (unter der Mitwirkung von Goscinny entstandenen) ASTERIX-Comics, welches schon den Vorgänger auszeichnete. Mit der Zeit geht aber nicht nur der Drive der Geschichte verloren, sondern auch eben dieser Witz. Running Gags aus dem Vorgänger und die Rivalität von Automatix und Verleihnix werden immer wieder aufgegriffen. Symptomatisch ist, dass Asterix zu diesem Zeitpunkt mehr oder weniger seinen Platz im Geschehen verloren hat. Schafften es Goscinny und Uderzo gerade die Running Gangs gezielt in ihre Geschichten einzuweben, da fehlt Astier und Clichy entweder dieses Gespür, weshalb sie diese überstrapazieren, oder sie nutzten diese inflationär, um den Schiffbruch der Geschichte zu übertünchen. So oder so wird es zunehmend eindimensional und dröge, sobald die Geschichte zusammengepackt werden muss und das Drama seinen Höhepunkt erreicht – überhaupt wird in den Filmen nach ASTERIX BEI DEN BRITEN viel zu viel Wert auf Drama gelegt, als würde höchtens die Rettung des Dorfs vor der fast sicheren Auslöschung noch einen Film rechtfertigen. Und gerade weil sie einem soviel Hoffnung machten, ist diese Entwicklung dann doch ziemlich bitter.

Sonntag 01.01.

Das Rätsel der roten Orchidee
(Helmuth Ashley, BRD 1962) [blu-ray] 2

ok

Leider bergen die wenigen Orchideen, die auch keine Bedeutung für die Handlung haben, kein Rätsel. Und das ist auch schon der größte Aufreger des Films.

Barbarian
(Zach Cregger, USA 2022) [stream, OmeU]

ok

In meinem Text auf critic.de sollen zu viele Spoiler stehen. Wurde mir gesagt. Ich verstehe das Konzept nicht ganz, wenn dem aber so sein sollte, tut es mir ein wenig leid.