Zeitnah gesehen: Acid Babylon (2020)

Gemeinhin sollte man annehmen, dass Filme, die derart huldigend von einem bekannten Schauplatz zum nächsten eilen, wie Cosmotropia de Xams jüngst im Würgegriff der Coronakrise gänzlich digital uraufgeführter “Acid Babylon” es handhabt, unwillkürlich zur reinen Fanrevue verkommen müssten. “Build on the cosmic spirit of these places”, heißt es im Abspann über ihn selbst sowie seine durch “Lucifer Rising” (Kenneth Anger, 1980), “Phenomena” (Dario Argento, 1985) oder “Malpertuis” (Harry Kümel, 1971) in nicht unbeträchtlichen Teilen des filmkulturellen Gedächtnisses abgelegten Schauplätze. Ein guter Leitfaden für diese strukturell überwältigende, narrativ oder gar didaktisch jedoch schweigsame Versuchsanordnung. Hier werden sie noch einmal ganz neu angelegt, diese Gedächtnisorte des Abseitigen. Weiterlesen…

Besonders Wertlos – Das 19 1/2. Festival des deutschen psychotronischen Films zu Halloween in Köln!

Es ist soweit: Unsere Freunde vom Festival des deutschen psychotronischen Films laden, nach den Strapazen eines weiteren Umzuges und der nun – es sei ihnen zu wünschen – endgültigen Einkehr in den vor etwa einem Jahr neueröffneten Kalker Lichtspielen, mit ein wenig Verspätung zur unter dem Zeichen des Kompromisses stehenden und daher nur 19 1/2. Ausgabe ihres ehrwürdigen Festivals.
Doch wer sie kennt, ahnt bereits, dass dies dem geneigten Publikum nicht zum Nachteil gereichen soll. Weiterlesen…

14. Hofbauer-Kongress, Aufriss #11

Lost in Munich Coitus Crash Die blauen Augen des Siegfried Rauch vlcsnap-2014-12-16-05h44m41s186

“Als ich 16 Jahre alt war wollte ich selbstverständlich ein Gynäkologe werden. Das ist natürlich; jeder 16-Jährige will das. Als ich 19 war, wollte ich ein Kommissar sein. Jetzt bin ich Filmregisseur, das ist so etwas dazwischen”, resümierte der große Zbyněk Brynych 1994 HK-affin im Interview mit den rasenden SGE-Reportern Rainer Knepperges und Stefan Ertl. Zu diesem Zeitpunkt, kurz vor seinem Tod, konnte Brynych auf einen voluminösen Filmkörper zwischen Prag und München, zwischen den Barrandov-Studios und der Fernseh-Schmiede des Produzenten Helmut Ringelmann zurückblicken. Hundertfach hatte er teutonische Krimiserien wie “Derrick”, “Der Alte” und “Der Kommissar” mit lässiger Ultrakunst, süffisanten Verstrahlungen und knallharten Ironie-Schocks durchsetzt, mehrfach war er für seine kafkaesken tschechischen Filme über den Holocaust, seine Nachwehen und den kalten Krieg ausgezeichnet worden. Umso größer war angesichts letzterer Lorbeeren die Enttäuschung des ehrenvoll graumelierten deutschen Feuilletons, als es im Jahr 1970 der drei wundersamen, manischen und feinsinnig wollüstigen Kinofilme ansichtig wurde, die Brynych, endlich von höheren Sowjet-Instanzen unbehelligt, in euphorisch kurzer Abfolge für deutsche Produktionsfirmen gedreht hatte: ENGEL, DIE IHRE FLÜGEL VERBRENNEN, einer “eskapistische Raserei” (Stefan Ertl), DIE WEIBCHEN (“Es ist der Hunger, der große Hunger…”) und dem vielleicht schönsten, zärtlichsten und auch HK-relevantesten dieser drei Filme, OH HAPPY DAY, mit dem wir am 02. Januar um 21:15 im Filmhauskino die erste Kongressnacht und unser Special München im HK-relevanten Film 1969 – 1971 rauschhaft eröffnen werden. Es ist jener Film, der im Mai 2010 den Grundstein legte für die seither unvermindert anhaltende und bei jeder sich bietenden Gelegenheit geäußerte Bewunderung des Hofbauer-Kommandos für Zbyněk Brynych, und wir fiebern voller Ungeduld der Wiederbegegnung mit diesem immer noch allzu wohlbehüteten Geheimnis des deutschen Films entgegen, dieses Mal in eurer unschätzbaren Gesellschaft. Verlieben wir uns gemeinsam unsterblich in Anna – Anton, Nordpol, Nordpol, Anton. Weiterlesen…

Filmvorschau #11

Unruhige Töchter
Hansjörg Amon BRD/Schweiz 1967