Berlinale aktuell

Angesichts der Tatsache, dass mein Festival dieses Jahr überraschend gut angefangen hat, und ich bisher noch keinen(!) Film gesehen habe den ich nicht mochte, hatte ich die Motivation diesen Thread aufzumachen, um allen Interessierten ein kurzes Feedback über bisherige Sichtungen zu ermöglichen.

Ich mache gleich mal den Anfang und werde nach dem Vorbild von Lukas die Filme mal grob in drei Kategorien einordnen.

EDIT: Das mit den drei Kategorien, und somit mit bewertenden Einordnungen, klappt leider doch nicht. Bin halt meist nicht mehr für Bewertungen zu haben, und kann langsam nichts mehr damit anfangen. Damit das hier aber aus Zeitgründen nicht nur eine Auflistung aller gesehen Filme wird (was ich aber auf Anfrage gerne auch noch machen kann), gibts jetzt zumindest zwei Kategorien von mir: “Herausragend” und “Ich rate ab”. Wobei letztere für manchen vielleicht durchaus wie die berühmten Filmdienstkritiken funktionieren könnte – ein Spaß der besonderen Art. 😉
 

  • Herausragend

Az Grafinyata “Ich, die Gräfin” (Petar Popzlatev / Bulgarien / 1989)
Igla “Die Nadel” (Rashid Nugmanov / UdSSR / 1988)
Optimistitscheskaja tragedija “Optimistische Tragödie” (Samson Samsonow / UdSSR / 1963)
Kutya éji dala “Nachtlied des Hundes” (Gábor Bódy / Ungarn / 1983)
Schwitzkasten “Clinch” (John Cook / Österreich / 1978)
The Exploding Girl (Bradley Rust Gray / USA / 2009)

  • Ich rate ab

Bisher immer noch keinen Zelluloidmüll zu Gesicht bekommen, und obwohl Ivy Hos “Claustrophobia” für mich einer Folter schon sehr nahe kam, ist er für Fans von Hong Sang-soo uneingeschränkt zu empfehlen.

Berlinale 2009: Linksammlung & persönliche Programmplanung

An dieser Stelle der Versuch einer Sammlung von Links zu filmbezogenen Internet-Portalen und Blogs, die zeitnah über die Berlinale berichten. Ergänzungen, Korrekturen und Hinweise sind ausdrücklich erwünscht und werden dankend angenommen.

Hier eine erste spontane und freilich ebenso subjektive wie unvollständige Sammlung von Links zu Seiten, bei denen erfahrungsgemäß mit zeitnahen Berlinale-Berichten/Besprechungen oder Weiterverlinkungen zu rechnen ist (vorerst überwiegend deutsche Seiten, weil mir bei den internationalen Seiten ein bisschen die Übersicht fehlt, welche davon von der bzw. über die Berlinale berichten – auch und gerade hier werden Hinweise dankend entgegen genommen):

http://www.film-zeit.de//
http://www.kino-zeit.de/
http://filmstarts.de/
http://artechock.de/film/index.htm
http://www.critic.de/specials.html
http://www.perlentaucher.de/teaserliste/10_kino_tv.html
http://filmtagebuch.blogger.de/
http://somedirtylaundry.blogspot.com/
http://www.lichtschatten.tk/
http://www.cargo-film.de/
http://newfilmkritik.de/
http://parallelfilm.blogspot.com/
http://www.f-lm.de/
http://www.simulationsraum.de/blog/
http://psycho-rajko.blogspot.com/
http://berlinaleblog.laohu.de/
http://www.taz.de/1/archiv/dossiers/dossier-berlinale-2009/
http://www.tagesspiegel.de/kultur/kino/berlinale/
http://www.sueddeutsche.de/kultur/375/457037/uebersicht/
http://blog.zeit.de/berlinale-blog/
http://berlinale-blog.slashcam.de/
http://blog.epd-film.de/
http://www.festivalblog.com/
http://www.berlinaleblog.com/
http://www.movielounge.de/
http://www.variety.com/index.asp?layout=festivals
http://www.theauteurs.com/notebook/posts
http://daily.greencine.com/
http://www.ifc.com/film/thedaily/

Aus einer anderen Perspektive:
http://www.jungejournalisten.berlinale.de/
 
 
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Noch mal genauer zum Berlinale-Programm, das seit letzten Dienstag nun vollständig veröffentlicht ist. Eine große Enttäuschung ist die Hommage an Maurice Jarre, bestehend lediglich aus zwei (David-Lean-70mm-)Filmen, die zudem ohnehin in der Retrospektive gezeigt werden. Da hätte ich mir dann doch entschieden mehr erhofft, ein paar seiner Arbeiten mit Georges Franju wären bspw. im Kino sicher toll gewesen. So gestaltet sich das aber, gerade im Vergleich zur letztjährigen Hommage an Francesco Rosi, die rund ein Dutzend Filme umfasste, als eine ziemlich dürftige Angelegenheit. Vielleicht ist der Grund dafür auch ein wenig in der enormen Kostenintensität der 70mm-Retrospektive zu suchen, dort wiederum kann man sich jedoch über die Terminierung der Filme auch nur kopfschüttelnd wundern – dass die meisten Filme dieser Retrospektive lediglich ein einziges Mal gezeigt werden, und sich dabei teilweise sogar ersatzlos zeitlich überschneiden (!), ist eigentlich in jeder denkbaren Hinsicht unverständlich und ärgerlich. Nichtsdestotrotz freue ich mich besonders auf einige äußerst seltene Archivkopien, die dort zu sehen sein werden. Mittlerweile gibt es online auch die Kopien-Nachweise der Retrospektive. Demzufolge ist jedoch von BEN-HUR, obwohl es sicherlich einer der ultimativen 70mm-Filme ist, eher abzuraten, weil nur eine zwar farblich wohl noch gut erhaltene, aber im Bildformat von 2,76:1 auf 2,21:1 beschnittene ‘flat’-Kopie gezeigt wird. Auch LAWRENCE OF ARABIA ist problematisch, weil Kopienmaterial, Farben und Licht jener neuen Kopie leider eher missglückt sind, wie ich vergangenes Jahr beim 70mm-Festival in Karlsruhe feststellen durfte. Hier sollte man sich also nicht zu viele Hoffnungen machen, auch wenn das natürlich Meckern auf hohem Niveau ist und eine 70mm-Kopie immer noch eine 70mm-Kopie ist und als solche wahrlich nicht alle Tage zu sehen. Ganz allgemein ist für einen möglichst originalgetreuen Eindruck vom Todd-AO-Verfahren dennoch ein Blick auf ältere Archiv- oder Erstaufführungs-Kopien eher zu empfehlen (von denen glücklicherweise ja auch einige bei der Berlinale gezeigt werden), denn das dort meistens unvermeidliche (im Falle der Berlinale-Kopien aber wohl ohnehin nur leichte) Farbfading ist problemlos verschmerzbar, wenn man dafür bessere Schärfe und vor allem unerreichten 6-Kanal-Magnetton bekommt, mit dessen Klangwucht der DTS-Ton der neuen Kopien nicht annähernd mithalten kann. Aber genug des kleinen Exkurses, und stattdessen noch ein Blick auf die anderen älteren Filme auf der Berlinale: im recht umfangreichen Panorama-Special ist bei genauerem Hinsehen für mich letztlich doch nur TAPAGE NOCTURNE, der rare zweite Filme von Catherine Breillat, Pflichtprogramm, im Forum-Special sind dagegen alle drei Filme essentiell, nämlich der restaurierte ARAYA und die beiden Filme von John Cook. Auch hier im Gegensatz zu letztem Jahr ein schmäleres Angebot, spontan fallen mir direkt sechs ältere Forum-Specials von 2008 ein (drei Mal Wakamatsu, MY BROTHER’S WEDDING, W.R. – MYSTERIEN DES ORGANISMUS, THE EXILES). Aus persönlicher Sicht ist es nun wahrlich nicht gerade der beste Deal, angesichts einer schlagartigen Verdoppelung der Akkreditierungsgebühr nun gleichzeitig plötzlich nur noch die Hälfte solcher Filme und Restaurationen zu sehen zu bekommen. Nun ja. Ausgesprochen interessant ist hingegen das Filmprogramm von Forum expanded, einiges davon habe ich mir als persönliche Pflichtveranstaltungen markiert, vor allem die Vorführung von WHEN IT WAS BLUE von Jennifer Reeves in 16mm-Doppelprojektion mit Live-Musik dürfte eine Gelegenheit sein, die man so schnell nicht noch mal bekommt. Aber auch ALL FALL DOWN von Philip Hoffman, LUNCH BREAK von Sharon Lockhart und die Filme von Ludwig Schönherr (dabei vor allem das Programm #1 mit ZOOM und DAS UNBEKANNTE HAMBURG) versprechen einiges, ebenso Wilhelm Heins MATERIALFILM PERFORMANCE, der aber leider nur ein Mal zu ungünstiger Zeit gezeigt wird. Auch Heinz Emigholz’ SENSE OF ARCHITECTURE würde ich gerne sehen, der läuft aber an allen drei Aufführungen zeitgleich mit besonders seltenen Filmen/Kopien der 70mm-Retrospektive, was ihn dann schon aus rein pragmatischen Gründen ausscheiden lässt (zumal er im Gegensatz zu Emigholz’ früheren Arbeiten in HD ist, sich in seiner materiellen Erscheinung also über kurz oder lang sogar im Heimkino reproduzieren lässt, was bei 70mm eben genau nicht der Fall ist). Das Hauptprogramm des Forums ist ansonsten wie meistens eine durchaus zwiespältige Angelegenheit, zumal man von den südkoreanischen Filmen und den US-Independents bereits eher ernüchterndes liest. Werde mich dort wohl eher auf die deutschen, japanischen und lateinamerikanischen Filme konzentrieren, auf letztere vermutlich auch verstärkt in Panorama und Generation, wobei es mir in beiden Kategorien noch immer an wirklicher Übersicht mangelt. Der Wettbewerb verheißt bei näherem Hinsehen wie befürchtet nicht wirklich Gutes – während es letztes Jahr mit Hong Sang-soo und Johnnie To wenigstens etwas aus dem Rahmen fallende Namen (mit zwei sehr schönen Filmen überdies) gab, gibt es bei der 2009er Auswahl momentan eigentlich keinen einzigen Film, den ich dort zwingend sehen müsste. Ein paar Glückstreffer oder Geheimtipps (letztes Jahr gab’s dort immerhin LAKE TAHOE zu sehen) dürften sich trotz allem dort verbergen, es ist nur noch nicht recht abzuschätzen, welche das sein könnten. GIGANTE könnte sich als solcher entpuppen, aber auch ein totaler Reinfall sein. Ansonsten behalte ich mal ABOUT ELLY, LITTLE SOLDIER und MILK OF SORROW im Fokus, und Moodysson, Tavernier und Costa-Gavras, aber allesamt eher als Lückenfüller, wenn sie sich im persönlichen Zeitplan gerade anbieten. Die meisten anderen Wettbewerbs-Filme starten ansonsten ohnehin in absehbarer Zeit regulär im Kino, und den Angelopoulos hole ich vielleicht nach der Berlinale noch in München nach. Ansonsten nehme ich im Berlinale Special sehr gerne PINK von Rudolf Thome mit, sofern er sich einbauen lässt (was bei De Oliveira und Olmi wohl leider eher nicht klappt).
Das also vorerst mal zu meinen Festival-Planungen. Manches wird darüber hinaus sicherlich auch von Spontan-Entscheidungen, von zu füllenden Lücken im Zeitplan oder von kurzfristig aufgeschnappten Empfehlungen oder Warnungen abhängen.