Mumsy, Nanny, Sonny and Girly (1969)

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„It’s one of the rules. In a happy family, you must always have rules!“

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Der Film von der Mammie, der Nanny, dem Sonny und dem Girly ist ein Film, so bizarr und extravagant wie er nur in den 60igern und vielleicht noch in den 70igern gedreht werden konnte. Er ist in aller Essenz eine Parabel auf den „ganz normalen“ Faschismus, der jeder gesellschaftlichen Ordnung zugrunde liegt – zugrunde liegen muss – und der unsere Idealvorstellung von Freiheit und Demokratie als eben solche jederzeit torpedieren kann. Er ist ein Film, der alle damit verbundenen Mechanismen und Reflexe mit messerscharfer Pointe und linkischer Schadenfreude nachzeichnet. Er ist auch nur knapp, aber doch an zweiter Stelle, ein surreal angehauchtes, moritatenhaftes Märchen, ein Film, der in einem verfallenden Schlößchen mit all seinen dunklen Galerien, dem allgegenwärtigen Moder und seinen in Überwucherungen fantastisch scheinenden Gartenanlagen groteske bis burleske Szenarien kreiert. Er ist, irgendwann, manchmal, auch ein satirisches Vexierbild seines Zeitgeistes. Es ist ein Film ewiger, golden-herbstlicher Abenddämmerung und ein unheimliches Gefühl der Verlorenheit erzeugender Weitwinkelaufnahmen denn auch wenn Freddie Francis sich verdient als Regisseur betätigte, war er doch immer der bessere Kameramann und ein Stoff wie dieser muss einfach immens anregend gewirkt haben.

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Es ist, selbstverständlich, ohne jede Frage, ein extrem britischer Film in dem extrem britische Marotten, die britische Sprache selbst und insbesondere der ewige Dämon der britischen Gesellschaft im 20. Jahrhundert, der rigide viktorianische Moralcode ihr Fett weg bekommen, mit dem entsprechenden Maß an selbstbehaupteter highbrow-sophistication, also Briten mit britischen Waffen schlagen. Und ja, das sind die wesentlichen Gründe dafür, warum GIRLY ein ganz wundervoller, wundersamer und zuvorderst sehr, sehr eigenartiger Film zum Staunen ist, ganz klar „one of a kind“. Und das viel zu sehr, als dass ich mich hier wortreich und erkenntnisraubend in meinem eigenen Gedanken- und Nebensatzsalat verfangen wollen würde, um einen tiefschürfenden Eindruck zu vermitteln. Das ist einer der Filme, die dann am besten funktionieren, wenn man im Vorfeld möglichst wenig darüber erfährt (oder am besten überhaupt nichts, wie ich). Und dafür habe ich eigentlich schon zuviel geschrieben.

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MUMSY, NANNY, SONNY AND GIRLY – Großbritannien 1969 – Regie: Freddie Francis – Drehbuch: Brian Comport, nach seinem Roman und dem Theaterstück “Happy Family” von Masie Mosco – Produktion: Ronald J. Kahn – Kamera: David Muir – Schnitt: Tristam Cones – Musik: Bernard Ebbinghouse

Darsteller: Vanessa Howard (Girly), Michael Bryant (The new friend), Ursula Howells (Mumsy), Howard Trevor (Sonny), Pat Heywood (Nanny)

PS: Man kann die (US-Fassung) des Films auf komplett auf YouTube ansehen, allerdings in erbarmungswürdiger Qualität. Beunruhigenderweise heißt es in der IMDb-Trivia auch, dass das NFT in London erfolglos nach einer Kopie des Films für eine Freddie Francis-Retrospektive suchte. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Obskurandum irgendwann noch einmal digital (von analog ganz zu schweigen) gerettet wird.

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Why can’t I have some tea cake?“

- „It’s one of the rules. In a happy family, you must always have rules!“

GIRLY (Die IMDb gibt zwar obigen Titel an aber im Vorspann der britischen VHS-Fassung steht nur „Girly“) ist ein Film, so bizarr und extravagant wie man er nur in den 60igern und vielleicht noch in den 70igern gedreht werden konnte. Er ist in aller Essenz eine Parabel auf den „ganz normalen“ Faschismus, der jeder gesellschaftlichen Ordnung zugrunde liegt – zugrunde liegen muss – und der unsere Idealvorstellung von Freiheit und Demokratie als eben solche jederzeit torpedieren kann. Er ist ein Film, der alle damit verbundenen Mechanismen und Reflexe mit messerscharfer Pointe und linkischer Schadenfreude nachzeichnet. Er ist auch nur knapp, aber doch an zweiter Stelle, ein surreal angehauchtes Moritatenmärchen, ein Film, der in einem verfallenden Schlößchen mit all seinen dunklen Galerien, dem allgegenwärtigen Moder und seinen in Überwucherungen fantastisch scheinenden Gartenanlagen groteske bis burleske Szenarien kreiert. Er ist, irgendwann, manchmal, auch ein satirisches Vexierbild seines Zeitgeistes. Es ist ein Film ewiger, golden-herbstlicher Abenddämmerung und ein unheimliches Gefühl der Verlorenheit erzeugender Weitwinkelaufnahmen denn auch wenn Freddie Francis sich als Regisseur betätigte, war er doch immer der bessere Kameramann und ein Stoff wie dieser muss einfach immens anregend gewirkt haben.

Es ist, selbstverständlich, ohne jede Frage, ein extrem – extrem! – britischer Film in dem extrem britische Marotten, die britische Sprache selbst und insbesondere der ewige Dämon der britischen Gesellschaft im 20. Jahrhundert, der rigide Moralcode des 19. Jahrhunderts, ihr Fett weg bekommen, mit dem entsprechenden Maß an selbstbehaupteter highbrow-sophistication, also Briten mit britischen Waffen schlagen. Und ja, das sind die wesentlichen Gründe dafür, warum GIRLY ein ganz wundervoller, wundersamer und zuvorderst sehr, sehr eigenartiger Film zum Staunen ist, ganz klar „one of a kind“. Und das viel zu sehr, als dass ich mich hier wortreich und erkenntnisraubend in meinem eigenen Gedanken- und Nebensatzsalat verfangen wollen würde, um einen tiefschürfenden Eindruck zu vermitteln. Das ist einer der Filme, die dann am besten funktionieren, wenn man im Vorfeld möglichst wenig darüber erfährt (oder am besten überhaupt nichts, wie ich). Und dafür habe ich eigentlich schon zuviel geschrieben.

GIRLY – Großbritannien 1969

Regie: Freddie Francis – Drehbuch: Brian Comport, nach dem Theaterstück von Masie Mosco, Produktion: Ronald J. Kahn, Kamera: David Muir, Schnitt: Tristam Cones, Musik: Bernard Ebbinghouse

Why can’t I have some tea cake?“

- „It’s one of the rules. In a happy family, you must always have rules!“

GIRLY (Die IMDb gibt zwar obigen Titel an aber im Vorspann der britischen VHS-Fassung steht nur „Girly“) ist ein Film, so bizarr und extravagant wie man er nur in den 60igern und vielleicht noch in den 70igern gedreht werden konnte. Er ist in aller Essenz eine Parabel auf den „ganz normalen“ Faschismus, der jeder gesellschaftlichen Ordnung zugrunde liegt – zugrunde liegen muss – und der unsere Idealvorstellung von Freiheit und Demokratie als eben solche jederzeit torpedieren kann. Er ist ein Film, der alle damit verbundenen Mechanismen und Reflexe mit messerscharfer Pointe und linkischer Schadenfreude nachzeichnet. Er ist auch nur knapp, aber doch an zweiter Stelle, ein surreal angehauchtes Moritatenmärchen, ein Film, der in einer verfallenden viktorianischen Villa mit all ihren dunklen Galerien und ihren in Überwucherungen fantastisch scheinenden Gartenanlagen groteske bis burleske Szenarien kreiert. Er ist, irgendwann, manchmal, auch ein satirisches Vexierbild seines Zeitgeistes. Es ist ein Film ewiger, golden-herbstlicher Abenddämmerung und ein unheimliches Gefühl der Verlorenheit erzeugender Weitwinkelaufnahmen denn auch wenn Freddie Francis sich als Regisseur betätigte, war er doch immer der bessere Kameramann und ein Stoff wie dieser muss einfach immens anregend gewirkt haben. Es ist, selbstverständlich, ohne jede Frage, ein extrem – extrem! – britischer Film in dem extrem britische Marotten, die britische Sprache selbst und insbesondere der ewige britische Dämon, das „Victorian age“, ihr Fett weg bekommen, mit dem entsprechenden Maß an selbstbehaupteter highbrow-sophistication, also Briten mit britischen Waffen schlagen. Und ja, das sind die wesentlichen Gründe dafür, warum GIRLY ein ganz wundervoller, wundersamer und zuvorderst sehr, sehr eigenartiger Film zum Staunen ist, ganz klar „one of a kind“. Und das viel zu sehr, als dass ich mich hier wortreich und erkenntnisraubend in meinem eigenen Gedanken- und Nebensatzsalat verfangen wollen würde, um einen tiefschürfenden Eindruck zu vermitteln. Das ist einer der Filme, die dann am besten funktionieren, wenn man im Vorfeld möglichst wenig darüber erfährt (oder am besten überhaupt nichts, wie ich). Und dafür habe ich eigentlich schon zuviel geschrieben.

GIRLY – Großbritannien 1969

Regie: Freddie Francis – Drehbuch: Brian Comport, nach dem Theaterstück von Masie Mosco, Produktion: Ronald J. Kahn, Kamera: David Muir, Schnitt: Tristam Cones, Musik: Bernard Ebbinghouse

Dieser Beitrag wurde am Freitag, November 13th, 2009 in den Kategorien Ältere Texte, Blog, Christoph, Filmbesprechungen veröffentlicht. Sie können alle Kommentare zu diesem Beitrag über den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können diesen Beitrag kommentieren, oder einen Trackback von ihrer eigenen Seite setzen.

8 Antworten zu “Mumsy, Nanny, Sonny and Girly (1969)”

  1. Sano on November 21st, 2009 at 00:10

    Wo hast du den Film denn gesehen – im Fernsehen oder auf Video?
    Freddie Francis war ja wirklich ein ausgezeichneter Kameramann, aber als Regisseur habe ich ihn glaube ich noch nicht kennen gelernt. Benjamin warnt mich aber des öfteren vor seinen Trash-Eskapaden, daher bin ich wohl doch schon etwas (negativ?) voreingenommen. Auf jeden Fall laufen mir in letzter Zeit immer wieder einige seiner Hammer-Filme auf DVD über den Weg. Vielleicht sollte ich da mal zuschlagen…
    Kennst du sonst noch Regiearbeiten von Francis, Christoph?

  2. Christoph on November 24th, 2009 at 23:20

    I watched an obscure DVD-R, in all probability a bootleg of the American VHS version – the YouTube upload was apparently sourced from the same version.

    Freddie Francis certainly was anything but an auteur but as a genre filmmaker, I’d rank him along with fellow Hammer director Terence Fisher, even though his actual Hammer-filmography isn’t that intriguing, compared to Fisher’s prolific and versatile output. Nevertheless, I regard him as one of the more interesting “Hammer regulars and a very capable craftsman.
    Alas, I have yet to see TROG (which seems to be quite a treat!) and thus, can’t properly judge his “trash-qualities”. Apart from MUMSY… I’ve also seen THE TRAITOR’S GATE (naturally since it is part of the German Edgar Wallace series), the rather mediocre DRACULA HAS RISEN FROM THE GRAVE (mediocre for its complete lack of atmosphere) and the utterly unbelievable German (!) Vampire sex comedy GEBISSEN WIRD NUR NACHTS (starring ELVIRA MADIGAN’S Pia Degermark!) to which we should dedicate one of our companionable “Trash-Abende” sometime.
    Anyway, it certainly is fascinating to compare his illustrous directorial credits with his more prominent and reputable credits as a DOP.

  3. The Critic on September 2nd, 2011 at 20:15

    Eine digital überarbeitete DVD gibt es mittlerweile aus den USA, Odeon Entertainment hat sich des Filmes angenommen, kostet auch gar nicht so viel. Kann nichts zur Qualität sagen, da noch nicht gesehen, aber so schlimm kann es gar nicht sein, daß man sich nicht dieses morbide Stück Filmgeschichte ins Haus holen möchte.

  4. Mr. Vincent Vega on September 3rd, 2011 at 01:26

    @The Critic:

    Dich gibt’s auch noch???

    Grüße!

  5. Andreas on September 3rd, 2011 at 01:35

    Das wollte ich auch gerade schreiben. Auch meinerseits Grüße! Nachdem du ET einst mit einem “Fade out.” den Rücken kehrtest und bald auch sonst nirgends mehr gesehen warst, musste man sich ja beinahe Sorgen machen, dass du womöglich unter Godzillas Pranken geraten bist…

  6. Mr. Vincent Vega on September 3rd, 2011 at 01:58

    Was ein geiler Rant damals! Kannte ich noch nicht. :respect:

  7. Christoph on September 3rd, 2011 at 06:16

    Ich habe die Kunde von der DVD-Veröffentlichung auch schon mit Freuden vernommen. Das wird mir irgendwann hoffentlich nochmal eine Zweitsichtung in erträglicher Qualität und im (fast) richtigen Bildformat bescheren.
    Nach wie vor glaube ich ja, dass Freddie Francis als Regisseur mehr konnte, als ihm gemeinhin zugetraut wird, und freue mich schon auf seine Hammer-Filme (die ich irgendwann sicherlich auch einmal sehen werde).

  8. The Critic on September 13th, 2011 at 00:15

    Aber, aber, Freunde! Warum sollte denn mein alter Kumpel Godzilla seine Todespranke an mir wetzen und sich womöglich noch einen Finger(?)nagel dabei abbrechen. Das klären wir in gewohnter Manier an der Theke bei ein paar Mollen.

    Habe nun einen Blick auf die Veröffentlichung von Odeon Entertainment werfen können. Ton- und Bildqualität sind nicht umwerfend, aber erträglich, wobei ich das Gefühl hatte, daß stellenweise der Ton asynchron ist. Aber wenigstens ist das Bild im richtigen Format. Wenn ich mal die Girly DVD von Scorpion Records in die Finger bekomme, sage ich hier Bescheid, was davon zu halten ist. Wobei – das müßte man schon wegen des obskuren Trailers boykottieren – da haben sie doch tatsächlich versucht, sich an die Nackerte-Madeln-Welle zu hängen und mal eben alle Hauptfiguren außer Girly eliminiert. Fast so frech, wie Bavas “Operazione paura” als “Die toten Augen des Dr. Dracula” zu vermarkten.

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