Mumsy, Nanny, Sonny and Girly (1969)
von Christoph„It’s one of the rules. In a happy family, you must always have rules!“

Der Film von der Mammie, der Nanny, dem Sonny und dem Girly ist ein Film, so bizarr und extravagant wie er nur in den 60igern und vielleicht noch in den 70igern gedreht werden konnte. Er ist in aller Essenz eine Parabel auf den „ganz normalen“ Faschismus, der jeder gesellschaftlichen Ordnung zugrunde liegt – zugrunde liegen muss – und der unsere Idealvorstellung von Freiheit und Demokratie als eben solche jederzeit torpedieren kann. Er ist ein Film, der alle damit verbundenen Mechanismen und Reflexe mit messerscharfer Pointe und linkischer Schadenfreude nachzeichnet. Er ist auch nur knapp, aber doch an zweiter Stelle, ein surreal angehauchtes, moritatenhaftes Märchen, ein Film, der in einem verfallenden Schlößchen mit all seinen dunklen Galerien, dem allgegenwärtigen Moder und seinen in Überwucherungen fantastisch scheinenden Gartenanlagen groteske bis burleske Szenarien kreiert. Er ist, irgendwann, manchmal, auch ein satirisches Vexierbild seines Zeitgeistes. Es ist ein Film ewiger, golden-herbstlicher Abenddämmerung und ein unheimliches Gefühl der Verlorenheit erzeugender Weitwinkelaufnahmen denn auch wenn Freddie Francis sich verdient als Regisseur betätigte, war er doch immer der bessere Kameramann und ein Stoff wie dieser muss einfach immens anregend gewirkt haben.

Es ist, selbstverständlich, ohne jede Frage, ein extrem britischer Film in dem extrem britische Marotten, die britische Sprache selbst und insbesondere der ewige Dämon der britischen Gesellschaft im 20. Jahrhundert, der rigide viktorianische Moralcode ihr Fett weg bekommen, mit dem entsprechenden Maß an selbstbehaupteter highbrow-sophistication, also Briten mit britischen Waffen schlagen. Und ja, das sind die wesentlichen Gründe dafür, warum GIRLY ein ganz wundervoller, wundersamer und zuvorderst sehr, sehr eigenartiger Film zum Staunen ist, ganz klar „one of a kind“. Und das viel zu sehr, als dass ich mich hier wortreich und erkenntnisraubend in meinem eigenen Gedanken- und Nebensatzsalat verfangen wollen würde, um einen tiefschürfenden Eindruck zu vermitteln. Das ist einer der Filme, die dann am besten funktionieren, wenn man im Vorfeld möglichst wenig darüber erfährt (oder am besten überhaupt nichts, wie ich). Und dafür habe ich eigentlich schon zuviel geschrieben.

MUMSY, NANNY, SONNY AND GIRLY – Großbritannien 1969 – Regie: Freddie Francis – Drehbuch: Brian Comport, nach seinem Roman und dem Theaterstück “Happy Family” von Masie Mosco – Produktion: Ronald J. Kahn – Kamera: David Muir – Schnitt: Tristam Cones – Musik: Bernard Ebbinghouse
Darsteller: Vanessa Howard (Girly), Michael Bryant (The new friend), Ursula Howells (Mumsy), Howard Trevor (Sonny), Pat Heywood (Nanny)
PS: Man kann die (US-Fassung) des Films auf komplett auf YouTube ansehen, allerdings in erbarmungswürdiger Qualität. Beunruhigenderweise heißt es in der IMDb-Trivia auch, dass das NFT in London erfolglos nach einer Kopie des Films für eine Freddie Francis-Retrospektive suchte. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Obskurandum irgendwann noch einmal digital (von analog ganz zu schweigen) gerettet wird.
<!– @page { margin: 2cm } P { margin-bottom: 0.21cm } A:link { so-language: zxx } –>
„Why can’t I have some tea cake?“
- „It’s one of the rules. In a happy family, you must always have rules!“
GIRLY (Die IMDb gibt zwar obigen Titel an aber im Vorspann der britischen VHS-Fassung steht nur „Girly“) ist ein Film, so bizarr und extravagant wie man er nur in den 60igern und vielleicht noch in den 70igern gedreht werden konnte. Er ist in aller Essenz eine Parabel auf den „ganz normalen“ Faschismus, der jeder gesellschaftlichen Ordnung zugrunde liegt – zugrunde liegen muss – und der unsere Idealvorstellung von Freiheit und Demokratie als eben solche jederzeit torpedieren kann. Er ist ein Film, der alle damit verbundenen Mechanismen und Reflexe mit messerscharfer Pointe und linkischer Schadenfreude nachzeichnet. Er ist auch nur knapp, aber doch an zweiter Stelle, ein surreal angehauchtes Moritatenmärchen, ein Film, der in einem verfallenden Schlößchen mit all seinen dunklen Galerien, dem allgegenwärtigen Moder und seinen in Überwucherungen fantastisch scheinenden Gartenanlagen groteske bis burleske Szenarien kreiert. Er ist, irgendwann, manchmal, auch ein satirisches Vexierbild seines Zeitgeistes. Es ist ein Film ewiger, golden-herbstlicher Abenddämmerung und ein unheimliches Gefühl der Verlorenheit erzeugender Weitwinkelaufnahmen denn auch wenn Freddie Francis sich als Regisseur betätigte, war er doch immer der bessere Kameramann und ein Stoff wie dieser muss einfach immens anregend gewirkt haben.
Es ist, selbstverständlich, ohne jede Frage, ein extrem – extrem! – britischer Film in dem extrem britische Marotten, die britische Sprache selbst und insbesondere der ewige Dämon der britischen Gesellschaft im 20. Jahrhundert, der rigide Moralcode des 19. Jahrhunderts, ihr Fett weg bekommen, mit dem entsprechenden Maß an selbstbehaupteter highbrow-sophistication, also Briten mit britischen Waffen schlagen. Und ja, das sind die wesentlichen Gründe dafür, warum GIRLY ein ganz wundervoller, wundersamer und zuvorderst sehr, sehr eigenartiger Film zum Staunen ist, ganz klar „one of a kind“. Und das viel zu sehr, als dass ich mich hier wortreich und erkenntnisraubend in meinem eigenen Gedanken- und Nebensatzsalat verfangen wollen würde, um einen tiefschürfenden Eindruck zu vermitteln. Das ist einer der Filme, die dann am besten funktionieren, wenn man im Vorfeld möglichst wenig darüber erfährt (oder am besten überhaupt nichts, wie ich). Und dafür habe ich eigentlich schon zuviel geschrieben.
GIRLY – Großbritannien 1969
Regie: Freddie Francis – Drehbuch: Brian Comport, nach dem Theaterstück von Masie Mosco, Produktion: Ronald J. Kahn, Kamera: David Muir, Schnitt: Tristam Cones, Musik: Bernard Ebbinghouse
„Why can’t I have some tea cake?“
- „It’s one of the rules. In a happy family, you must always have rules!“
GIRLY (Die IMDb gibt zwar obigen Titel an aber im Vorspann der britischen VHS-Fassung steht nur „Girly“) ist ein Film, so bizarr und extravagant wie man er nur in den 60igern und vielleicht noch in den 70igern gedreht werden konnte. Er ist in aller Essenz eine Parabel auf den „ganz normalen“ Faschismus, der jeder gesellschaftlichen Ordnung zugrunde liegt – zugrunde liegen muss – und der unsere Idealvorstellung von Freiheit und Demokratie als eben solche jederzeit torpedieren kann. Er ist ein Film, der alle damit verbundenen Mechanismen und Reflexe mit messerscharfer Pointe und linkischer Schadenfreude nachzeichnet. Er ist auch nur knapp, aber doch an zweiter Stelle, ein surreal angehauchtes Moritatenmärchen, ein Film, der in einer verfallenden viktorianischen Villa mit all ihren dunklen Galerien und ihren in Überwucherungen fantastisch scheinenden Gartenanlagen groteske bis burleske Szenarien kreiert. Er ist, irgendwann, manchmal, auch ein satirisches Vexierbild seines Zeitgeistes. Es ist ein Film ewiger, golden-herbstlicher Abenddämmerung und ein unheimliches Gefühl der Verlorenheit erzeugender Weitwinkelaufnahmen denn auch wenn Freddie Francis sich als Regisseur betätigte, war er doch immer der bessere Kameramann und ein Stoff wie dieser muss einfach immens anregend gewirkt haben. Es ist, selbstverständlich, ohne jede Frage, ein extrem – extrem! – britischer Film in dem extrem britische Marotten, die britische Sprache selbst und insbesondere der ewige britische Dämon, das „Victorian age“, ihr Fett weg bekommen, mit dem entsprechenden Maß an selbstbehaupteter highbrow-sophistication, also Briten mit britischen Waffen schlagen. Und ja, das sind die wesentlichen Gründe dafür, warum GIRLY ein ganz wundervoller, wundersamer und zuvorderst sehr, sehr eigenartiger Film zum Staunen ist, ganz klar „one of a kind“. Und das viel zu sehr, als dass ich mich hier wortreich und erkenntnisraubend in meinem eigenen Gedanken- und Nebensatzsalat verfangen wollen würde, um einen tiefschürfenden Eindruck zu vermitteln. Das ist einer der Filme, die dann am besten funktionieren, wenn man im Vorfeld möglichst wenig darüber erfährt (oder am besten überhaupt nichts, wie ich). Und dafür habe ich eigentlich schon zuviel geschrieben.
GIRLY – Großbritannien 1969
Regie: Freddie Francis – Drehbuch: Brian Comport, nach dem Theaterstück von Masie Mosco, Produktion: Ronald J. Kahn, Kamera: David Muir, Schnitt: Tristam Cones, Musik: Bernard Ebbinghouse
THE MAN WITH ICY EYES
Die Hochzeit – wirtschaftlicher wie auch, we
Wo hast du den Film denn gesehen – im Fernsehen oder auf Video?
Freddie Francis war ja wirklich ein ausgezeichneter Kameramann, aber als Regisseur habe ich ihn glaube ich noch nicht kennen gelernt. Benjamin warnt mich aber des öfteren vor seinen Trash-Eskapaden, daher bin ich wohl doch schon etwas (negativ?) voreingenommen. Auf jeden Fall laufen mir in letzter Zeit immer wieder einige seiner Hammer-Filme auf DVD über den Weg. Vielleicht sollte ich da mal zuschlagen…
Kennst du sonst noch Regiearbeiten von Francis, Christoph?
I saw an obscure DVD-R, in all probability a bootleg of the American VHS version – the YouTube upload was apparently sourced from the same version.
Freddie Francis certainly was anything but an auteur but as a genre filmmaker, I’d rank him along with fellow Hammer director Terence Fisher, even though his actual Hammer-filmography isn’t that intriguing, compared to Fisher’s prolific and versatile output. Nevertheless, I regard him as one of the more interesting “Hammer regulars and a very capable craftsman.
Alas, I have yet to see TROG (which seems to be quite a treat!) and thus, can’t properly judge his “trash-qualities”. Apart from MUMSY… I’ve also seen THE TRAITOR’S GATE (naturally since it is part of the German Edgar Wallace series), the rather mediocre DRACULA HAS RISEN FROM THE GRAVE (mediocre for its complete lack of atmosphere) and the utterly unbelievable German (!) Vampire sex comedy GEBISSEN WIRD NUR NACHTS (starring ELVIRA MADIGAN’S Pia Degermark!) to which we should dedicate one our companionable “Trash-Abende” sometime.
Anyway, it certainly is fascinating to compare his illustrous directorial credits with his more prominent and reputable credits as a DOP.