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> <channel><title>Kommentare zu: Kaminsky &#8211; Ein Bulle dreht durch (1984)</title> <atom:link href="http://www.eskalierende-traeume.de/100-deutsche-lieblingsfilme-3-kaminsky-ein-bulle-dreht-durch-1984/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" /><link>http://www.eskalierende-traeume.de/100-deutsche-lieblingsfilme-3-kaminsky-ein-bulle-dreht-durch-1984/</link> <description></description> <lastBuildDate>Tue, 15 May 2012 04:35:37 +0000</lastBuildDate> <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod> <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency> <generator>http://wordpress.org/?v=3.3.1</generator> <item><title>Von: Alexander Schmidt</title><link>http://www.eskalierende-traeume.de/100-deutsche-lieblingsfilme-3-kaminsky-ein-bulle-dreht-durch-1984/comment-page-1/#comment-1695</link> <dc:creator>Alexander Schmidt</dc:creator> <pubDate>Sun, 20 Dec 2009 18:28:50 +0000</pubDate> <guid
isPermaLink="false">http://www.eskalierende-traeume.de/blog/?p=1251#comment-1695</guid> <description>&lt;em&gt;Anmerkung der Redaktion: Der folgende Text beruht auf Christophs längerer Fassung, die hier versuchsweise von Sano und mir mit schwingenden Fleischermessern gekürzt und bearbeitet wurde. Christoph äußerte dazu, er fühle sich wie Michael Cimino nach der Kürzung von &quot;Heaven&#039;s Gate&quot;...&lt;/em&gt;
Der Traum vom amerikanischen Kino der übergroßen Archetypen wird in Deutschland eher von eisenharten Produzenten als von Regisseuren geträumt. Wenn er dann umgesetzt wird, muss alles da sein: der verbitterte Sheriff, der alles und jeden verachtet und in seinem eigenen Schnapstümpel ertrinkt, der junge, unerfahrene Deputy, der mit der Brutalität seines Chefs nicht zurechtkommt, die einsame, resignierte Ehefrau des Sheriffs, die eine Affäre mit dem Deputy unterhält, das ausgerissene Mädchen, das zum Sündenbock und Versuch(ung)sobjekt dieser drei ebenso notleidenden Existenzen avanciert und das heruntergekommene Polizeirevier am Rande der Stadt, in einem Niemandsland leerer Häuser und dreckiger Straßen. Hier kommt das dunkle Gesicht von „Rio Bravo“ und die stereotype Seite des “New Hollywood” zum Vorschein.
Der superassige Klaus Löwitsch gibt dabei nicht nur einen deutschen Jack Nicholson ab, sondern bei aller markigen Selbstdarstellung und monströsen Inszenierung immer auch ein wenig den von Frustration ermüdeten deutschen Beamten.
Das führt zu der Erkenntnis, dass frustrierte Polizisten kein Phänomen sind, welches im deutschen Kino nur auftaucht, wenn es ein amerikanischer Film vormacht. Die spürbare Bewunderung des „New Hollywood“ wird gefiltert – durch jene Abstraktion, mit der schon französische Filmemacher zeigten, wo die Faszination enden und einer kulturell unterfütterten Wirklichkeit Platz machen muss. Und die hält in KAMINSKY nach dem eher prototypischen Auftakt schnell einen deftigen Einzug, der seine Klischees mit beachtlicher Unverfrohrenheit platziert.
In besagter Eröffnungsszene schlägt Kaminsky mit von der Brotzeit noch fettigen Händen in einer schäbigen Kneipe einen Drogendealer zusammen, als Gefälligkeit für den vor Angst zitternden Wirt, dessen Sohn im Drogenrausch apathisch dem Geschehen folgt. Eine Westernszene ist das, ohne jede Frage. Aber sie bestimmt nicht den Ton des übrigen Films, sondern zeigt mit leiser Süffisanz, wie schwer sich der assoziative Kreislauf von medialer und Alltagswelt aufbrechen lässt - und dass man sich gegen seine Wirksamkeit nicht wehren sollte. Wenn der Film dann zum Kammerspiel wird, erkennen wir, warum wir versuchten uns gegen diese Klischees zu wehren: was uns hindert in KAMINSKY eine eigene Welt zu erkennen, sind die Bausteine aus anderen Filmen, einer anderen Wirklichkeit, die wir hier wiederzuerkennen glauben.
Auch wenn Lähn hier einen Film gedreht hat, bei dem man immer unsicherer wird, ob man sich ungehemmt an der asozial-schmierigen Soziopathenshow des Protagonisten ergötzen oder der ernsten Stimme der deutschen Wirklichkeit hinter dieser „amerikanischen“ Fassade lauschen soll. „Kaminsky“ ignoriert diese Zweifel mit Nonchalance und steigert die Widersprüche seines kleinen Universums bis zum Exzess. Nur am negativen Höhepunkt der angestauten Frustrationen, der Vergewaltigung des Mädchens: da verflüchtigt sich die postmoderne Filmwelt für einen Moment und die Realität quetscht ihr verkatertes Gesicht durch den Rahmen. Dies geschieht allerdings, bevor wir nach der finalen Konfrontation das Revier verlassen, welches in der Morgendämmerung wie ein friedliches Monument daliegt - ein Western-Saloon. Wenn wir verschiedene Filmklischees von Polizisten und Gangstern durcheinander bringen oder nicht vor unseren Augen verschmelzen können, flüchten wir uns in diesen kurzen Momenten des Leerlaufs vielleicht in unsere eigene Realität, und erkennen, dass diese Figuren auch nur Menschen sind. Aber im Film wollen wir keine Menschen, sondern Archetypen. Kaminsky ist ein zünftig-deutscher Archetyp, der schon immer auf seine Inszenierung gewartet hat. Dass er dabei amerikanische Hilfestellung in Anspruch nimmt, sollte man ihm nicht vorwerfen, denn andernfalls würden sich die deutsche und die amerikanische Filmwirklichkeit bekriegen – und das wäre doch schade.</description> <content:encoded><![CDATA[<p><em>Anmerkung der Redaktion: Der folgende Text beruht auf Christophs längerer Fassung, die hier versuchsweise von Sano und mir mit schwingenden Fleischermessern gekürzt und bearbeitet wurde. Christoph äußerte dazu, er fühle sich wie Michael Cimino nach der Kürzung von &#8220;Heaven&#8217;s Gate&#8221;&#8230;</em></p><p>Der Traum vom amerikanischen Kino der übergroßen Archetypen wird in Deutschland eher von eisenharten Produzenten als von Regisseuren geträumt. Wenn er dann umgesetzt wird, muss alles da sein: der verbitterte Sheriff, der alles und jeden verachtet und in seinem eigenen Schnapstümpel ertrinkt, der junge, unerfahrene Deputy, der mit der Brutalität seines Chefs nicht zurechtkommt, die einsame, resignierte Ehefrau des Sheriffs, die eine Affäre mit dem Deputy unterhält, das ausgerissene Mädchen, das zum Sündenbock und Versuch(ung)sobjekt dieser drei ebenso notleidenden Existenzen avanciert und das heruntergekommene Polizeirevier am Rande der Stadt, in einem Niemandsland leerer Häuser und dreckiger Straßen. Hier kommt das dunkle Gesicht von „Rio Bravo“ und die stereotype Seite des “New Hollywood” zum Vorschein.</p><p>Der superassige Klaus Löwitsch gibt dabei nicht nur einen deutschen Jack Nicholson ab, sondern bei aller markigen Selbstdarstellung und monströsen Inszenierung immer auch ein wenig den von Frustration ermüdeten deutschen Beamten.</p><p>Das führt zu der Erkenntnis, dass frustrierte Polizisten kein Phänomen sind, welches im deutschen Kino nur auftaucht, wenn es ein amerikanischer Film vormacht. Die spürbare Bewunderung des „New Hollywood“ wird gefiltert – durch jene Abstraktion, mit der schon französische Filmemacher zeigten, wo die Faszination enden und einer kulturell unterfütterten Wirklichkeit Platz machen muss. Und die hält in KAMINSKY nach dem eher prototypischen Auftakt schnell einen deftigen Einzug, der seine Klischees mit beachtlicher Unverfrohrenheit platziert.</p><p>In besagter Eröffnungsszene schlägt Kaminsky mit von der Brotzeit noch fettigen Händen in einer schäbigen Kneipe einen Drogendealer zusammen, als Gefälligkeit für den vor Angst zitternden Wirt, dessen Sohn im Drogenrausch apathisch dem Geschehen folgt. Eine Westernszene ist das, ohne jede Frage. Aber sie bestimmt nicht den Ton des übrigen Films, sondern zeigt mit leiser Süffisanz, wie schwer sich der assoziative Kreislauf von medialer und Alltagswelt aufbrechen lässt &#8211; und dass man sich gegen seine Wirksamkeit nicht wehren sollte. Wenn der Film dann zum Kammerspiel wird, erkennen wir, warum wir versuchten uns gegen diese Klischees zu wehren: was uns hindert in KAMINSKY eine eigene Welt zu erkennen, sind die Bausteine aus anderen Filmen, einer anderen Wirklichkeit, die wir hier wiederzuerkennen glauben.</p><p>Auch wenn Lähn hier einen Film gedreht hat, bei dem man immer unsicherer wird, ob man sich ungehemmt an der asozial-schmierigen Soziopathenshow des Protagonisten ergötzen oder der ernsten Stimme der deutschen Wirklichkeit hinter dieser „amerikanischen“ Fassade lauschen soll. „Kaminsky“ ignoriert diese Zweifel mit Nonchalance und steigert die Widersprüche seines kleinen Universums bis zum Exzess. Nur am negativen Höhepunkt der angestauten Frustrationen, der Vergewaltigung des Mädchens: da verflüchtigt sich die postmoderne Filmwelt für einen Moment und die Realität quetscht ihr verkatertes Gesicht durch den Rahmen. Dies geschieht allerdings, bevor wir nach der finalen Konfrontation das Revier verlassen, welches in der Morgendämmerung wie ein friedliches Monument daliegt &#8211; ein Western-Saloon. Wenn wir verschiedene Filmklischees von Polizisten und Gangstern durcheinander bringen oder nicht vor unseren Augen verschmelzen können, flüchten wir uns in diesen kurzen Momenten des Leerlaufs vielleicht in unsere eigene Realität, und erkennen, dass diese Figuren auch nur Menschen sind. Aber im Film wollen wir keine Menschen, sondern Archetypen. Kaminsky ist ein zünftig-deutscher Archetyp, der schon immer auf seine Inszenierung gewartet hat. Dass er dabei amerikanische Hilfestellung in Anspruch nimmt, sollte man ihm nicht vorwerfen, denn andernfalls würden sich die deutsche und die amerikanische Filmwirklichkeit bekriegen – und das wäre doch schade.</p> ]]></content:encoded> </item> </channel> </rss>
